- 23.04.2009, 17:05:36
- /
- OTS0339 OTW0339
WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Besser Aufräumeifer als Ausräumeifer - von Alexis Johann
Wir gehen davon aus, dass Gabmann das Richtige getan hat
Wien (OTS) - Eine Notbremsung ist immer unangenehm, weil sie
ordentlich durcheinanderwirbelt. Aber sie soll ja schließlich auch
dazu dienen, den Crash zu verhindern. Sie ist das letzte Mittel, das
zum Einsatz kommt. Offensichtlich sah sich
Neo-Flughafen-Finanzvorstand Ernest Gabmann dazu gezwungen. Denn beim
Flughafenterminal Skylink wurde nun eine Bauunterbrechung angeordnet.
Gestern begann die Suche nach Verantwortlichen - und das könnte
angesichts der politischen Historie des Flughafen-Chefs durchaus alte
Freundschaften auf die Probe stellen. Durcheinandergewirbelt wird vor
allem einmal das Geschäftskonzept. Millionenschwere, bereits
betriebsfertige Anlagen werden mindestens drei Jahre lang Kosten und
keine Einnahmen bringen. Bei bereits abgeschlossenen
Vermietungsverträgen wird es Abstandszahlungen geben. Schwerer wiegen
jedoch die Finanzierungskosten. Was kann Gabmann damit gewinnen?
Tatsächlich einiges: Den Zeitdruck aus einem Großbauprojekt zu
nehmen, heißt in der Regel auch, dass sich Spielraum eröffnet,
Aufträge neu auszuschreiben, anstatt mit Nachtragsangeboten zu
arbeiten. Im unwahrscheinlichen Fall, dass ein Terminal dieser Größe
tatsächlich - wie angedeutet - noch redimensioniert werden kann,
werden wir als Passagiere Gabmann noch in Jahren danken. Denn
schließlich muss die Wirtschaft als Hauptkunde des Hubs die
Planungs-Ausrutscher dadurch ausbaden, dass der Flughafen mit enorm
hohen Gebühren aufwartet. Einen Engpass wird es in den kommenden
Jahren ohnehin nicht geben, vielleicht auch überhaupt nicht mehr,
wenn die Lufthansa entgegen ihren Ankündigungen Flugverkehr von Wien
absiedelt.
Wir gehen also davon aus, dass Gabmann tatsächlich das Richtige getan
hat. Was nun spannender wird, ist, wie weit er sich auf der Suche
nach Verantwortungsträgern vorwagen kann. Oder ob er jenem Muster
verfallen wird, das wir in staatlichen und halbstaatlichen
Unternehmen schon öfter beobachtet haben. Wenn die Entschädigung
passt, kann weggesehen werden. So verwandelte sich der Aufräumeifer
von ÖBB-Chef Martin Huber in einen Ausräumeifer.
Warum Gabmanns Mission so heikel ist? Skylink war nicht nur ein
Lieblingsprojekt des roten Flughafen-Chefs Kaufmann, sondern auch
des scheidenden Aufsichtsratschefs Johannes Coreth, der unter anderem
Vorstand der Dr. Erwin Pröll-Privatstiftung ist. Aber von dort wurde
er ja auf seine Mission geschickt.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWB






