- 23.04.2009, 13:20:12
- /
- OTS0224 OTW0224
Leitl: Nur Europäische Ratingagentur kann Chancen und Risken in Europa seriös einschätzen
Beschluss des EU-Parlaments über Ratingagenturen ist wichtiger Reformschritt - mehr EU-Koordination bei Kampf gegen Krise nötig
Wien (PWK304) - "Große internationale Ratingagenturen haben durch
ihre Fehleinschätzung von Risiken bei hochkomplexen Finanzprodukten
zur Entstehung der Finanzkrise beigetragen. Daraus müssen die
Konsequenzen gezogen werden", kommentiert Christoph Leitl als
Präsident der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und in seinen
europäischen Funktionen, den heutigen Beschluss der EU-Parlamentarier
über eine neue EU-Verordnung, in der die Tätigkeit der
Ratingagenturen strenger geregelt werden soll. "Mit dem Beschluss,
die Ratingagenturen enger an die Kandare zu nehmen, setzt die EU
einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer umfassenden Reform der
europäischen Finanzarchitektur." Die Verordnung muss nun noch den
EU-Finanzministern angenommen werden, womit in Kürze zu rechnen ist.
Ratingagenturen sollen demnach einem Zulassungs- und
Aufsichtssystem unterworfen werden, um Interessenskonflikte zu
vermeiden. "Durch den raschen Beschluss von nicht einmal einem halben
Jahr beweisen die europäischen Institutionen Handlungsfähigkeit in
der Krise. So kann die EU auch auf internationaler Ebene eine
Vorreiterrolle spielen", betonte Leitl.
Seine "100-prozentige Unterstützung" sagt Leitl den
Europaparlamentariern auch bei der Forderung nach einer echten
europäischen Ratingagentur zu: "Strengere Aufsichtsregeln sind
wichtig, aber eine eigene EU-Ratingagentur bleibt das Ziel." Eine
Ratingagentur, die auf Basis der kontinental-europäischen Tradition
und Kultur Ratings erstellt, könnte Chancen und Risken in Europa
besser einschätzen als die derzeit dominierenden großen
anglo-amerikanischen Agenturen. "Aus der Ferne ist ja selbst der
Blick von Wirtschafts-Nobelpreisträgern getrübt", so Leitl in
Anspielung auf die jüngsten Äußerungen von Paul Krugman zur Bonität
Österreichs.
"Eine Europäische Ratingagentur wurde in den letzten Jahren schon
mehrmals gefordert. Durch den klaren politischen Willen des
Europäischen Parlaments besteht nun eine echte Chance auf
Realisierung. Den Worten müssen nun endlich Taten folgen" so Leitl.
Der jüngsten Kritik des Internationalen Währungsfonds an einer
ungenügenden und unkoordinierten Vorgangsweise in Europa bei der
Krisenbekämpfung stimmt Leitl teilweise zu. Unter Verweis auf einen
Satz des früheren deutschen Bundeskanzlers Helmut Schmidt, wonach
Europas Staaten zwar erkannt haben, dass sie gegen die Krise agieren
müssen, aber noch nicht erkannt haben, dass sie dies gemeinsam tun
müssen, fordert Leitl: "Wir haben zwar eine gemeinsame
Währungspolitik, aber noch keine gesamteuropäische
Wirtschaftspolitik. Hier brauchen wir mehr Europa, nicht weniger." So
brauche Europa etwa präzisere Finanzmarktregeln, um künftig
Kapitalmarktkrisen zu vermeiden. Hier müsse entweder ein europäischer
Regulator eingerichtet oder zumindest eine effiziente Koordination
der nationalen Finanzmarktregulatoren installiert werden. (FA)
Rückfragehinweis:
Wirtschaftskammer Österreich Abteilung für Finanz- und Handelspolitik Mag. Erich Kühnelt Tel.: (++43) 0590 900-3739 mailto:erich.kuehnelt@wko.at http://wko.at/fp EU-Büro der Wirtschaftskammer Österreich Mag. Franziska Annerl, Tel.: +32/474/472594
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWK