- 23.04.2009, 09:19:10
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Tiroler Rotes Kreuz warnt vor neuem Rettungsdienstgesetz
Finanzdruck des Landes reduziert Versorgungsqualität! Freiwillige sind nur mehr als Preisdrücker gewünscht!
Tirol (Rotes Kreuz) - Steigt Rotes Kreuz aus dem Rettungsdienst
komplett aus?
Das Tiroler Rote Kreuz warnt massiv vor dem neuen
Rettungsdienstgesetz.
Denn schneller als erwartet könnte es beschlossen werden, zum
Leidwesen aller Tirolerinnen und Tiroler und der Gäste. "Weil die
hohe Versorgungsqualität bei Rettung, Notarzt und Krankentransport
und die Freiwilligkeit in der Tiroler Zivilgesellschaft von
staatlicher Lenkung und vor allem Preisdruck abgelöst werden!", wie
nicht nur das Rote Kreuz laut aufschreit. "Aber Politik und
Beamtenschaft hören einfach nicht zu. Nicht nur wir werden damit zum
Erfüllungsgehilfen und können, nach mehr als hundert Jahren, nicht
mehr gestaltend mitwirken!" Dass damit die Arbeit der 4500
Rotkreuz-Mitarbeiter in Frage gestellt wird, interessiert scheinbar
nicht. "Für 90% der 500 beruflichen Mitarbeiter gibt's dann eben auch
keinen Job mehr!
"Das Land verstaatlicht mit diesem neuen Gesetz praktisch den
gesamten Rettungsdienst", beschreibt Dr. Reinhard Neumayr, der
Präsident des Tiroler Roten Kreuzes, die Situation.
"Macht und Geld" unter dem Deckmantel von "Transparenz und
Qualitätssteigerung"
Das Land Tirol fordert von seinen Systempartnern Transparenz und
100%ige Mitsprache, bietet das aber im Gegenzug den Helfern nicht
einmal ansatzweise. "Unsere Forderungen nach Verbesserungen in der
Qualität der Arbeit sind schon jetzt in der zentralen Leitstelle des
Landes seit Jahren ein ungehörtes Wunschkonzert", so Neumayr. "Wie
lange es vom Notruf eines Hilfesuchenden bis zur Alarmierung des
geeigneten Rettungsmittels dauert, dürfen wir nicht wissen. Das
merken wir erst dann, wenn wir am Einsatzort sind. Wie wollen wir
gemeinsam die Qualität optimieren, wenn sich Leitstelle und Land
nicht in die Karten schauen lassen wollen?"
Ob mit den erweiterten Kompetenzen dieser Leitstelle, einem neu
geschaffenen "Ärztlichen Leiter Rettungsdienst" und dem Beirat für
den Rettungsdienst die Qualität steigt, ist zu bezweifeln.
"Schließlich wollten sich einzelne Bezirke seit Jahren der zentralen
Leitstelle Tirol anschließen, das war und ist aber technisch,
personell und organisatorisch gar nicht möglich," zeigt sich Neumayr
verwundert. "Wie soll das denn noch weitergehen, wenn sich dann alle
anschließen müssen?"
"Wir produzieren zur Zeit Informationskarten für unsere Patienten mit
der Hotline der Leitstelle Tirol", stellt Neumayr klar. "Wir wollen
uns mit diesen für die sehr langen Wartezeiten entschuldigen. Der
Vorteil für die Patienten. Sie können sich direkt beim Verursacher
beschweren und nicht mehr nur bei uns. Ob damit der Unmut sinkt oder
gar mehr Leben gerettet werden, bezweifle ich aber!"
Niedrige Preise auf Kosten der Freiwilligen?
"Sind die Freiwilligen im Rettungsdienst in Tirol nur noch
Lückenbüßer, um den Preis bei einer Ausschreibung niedrig zu
halten?", fragt sich Neumayr. "Allein das Rote Kreuz leistet im
Bundesland Tirol rund 785.000 freiwillige Einsatzstunden im Rettungs-
und Krankentransportdienst," rechnet Neumayr vor, " Gegenwert bei
gerechneten 20 Euro Stundensatz: 15,7 Millionen Euro. Wenn
hochprofessionelle, freiwilllige Arbeit aber dem Gesetz plötzlich
nicht mehr reicht, braucht es dann eben berufliche Mitarbeiter und
das hat nicht nur finanzielle Folgen für uns alle."
Und genau diese Freiwilligen werden aber fehlen:
Tirol wird unsicher
"Tirol wird durch dieses Gesetz unsicher", warnt Neumayr. "Es ist
ganz leicht vorstellbar, dass der Rettungsdienst künftig nur noch
nach Kriterien des durchschnittlichen Bedarfes und der
Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit erbracht wird. Minimale Reserven
eingerechnet, denn mehr ist finanziell nicht drin!"
Dass aber jedes größere Ereignis nicht mehr in angemessener Zeit und
Qualität bewältigbar ist, liegt auf der Hand. Gut ausgebildete und
ausgerüstete Großunfall- und Katastrophenexperten, die genau das
zusätzlich zu ihrer freiwilligen Tätigkeit beim Tiroler Roten Kreuz
machen, fehlen dann eben zur Versorgung der Tiroler Bevölkerung und
der sich in Tirol aufhaltenden Touristen."
Optimal versorgte Städte, aber ...
Besonders die optimale Versorgung von entlegenen Gebieten, die
dezentrale Vorsorge, die Vorhaltung von für leicht erreichbaren
Dienststellen und Meldestellen, … das alles findet im neuen Gesetz
keine Berücksichtigung - zum Nachteil der Tiroler Bevölkerung.
"Brauchen wir das nicht mehr?", fragt der Rotkreuz-Präsident. "Die
Gemeinden interessiert das scheinbar nicht mehr, ihnen wurde die
Mitsprachemöglichkeit vom Land ganz einfach abgekauft".
Keine Arbeit mehr!
"Ob sich das Rote Kreuz dann im Rettungs- und Krankentransport noch
überhaupt engagieren kann, ist mehr als fraglich." Und dann wird es
eben die Arbeit der meisten der 4500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
des Tiroler Roten Kreuzes eben auch nicht mehr brauchen. "Und 90
Prozent der 500 beruflichen Mitarbeiter werden sich eben einen
anderen Beruf suchen müssen".
Rückfragehinweis:
ÖRK - Landesverband Tirol
Präsident Dr. Reinhard Neumayr
Tel.: 057 144 131
http://www.t.roteskreuz.at
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