- 22.04.2009, 20:00:00
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Auch die tiefste Depression geht vorbei - von Esther Mitterstieler
Wir sind ein Land in Depression, klares Handeln ist gefragt
Wien (OTS) - Keine Angst: Das soll jetzt keine Schönfärberei
werden. Es ist lediglich ein Versuch, den derzeitigen
wirtschaftlichen Ausnahmezustand unter einem anderen Blickwinkel zu
betrachten. Dass wir uns in einer veritablen Krise befinden, ist
nicht zuletzt aufgrund der Budgetzahlen ein Faktum. Ebenso, dass die
Zahlen wohl noch schlechter ausfallen werden als derzeit angenommen.
Das sind schlechte Nachrichten. Nun haben wir mehrere Möglichkeiten,
auf die Krise zu reagieren: Wir jammern weiter oder wir krempeln die
Ärme hoch; und jeder einzelne von uns versucht, den
Stimmungsindikator in die Höhe zu treiben.
Zum ersten Punkt: Wir sind Weltmeister im Jammern. Sogar in Zeiten
der Hochkonjunktur konnten wir nicht davon lassen, geschweige denn
jetzt. Ein Blick auf den aktuellen CFO-Stimmungsbarometer von
Deloitte und Business Circle könnte einen sofort in die tiefste
Depression versinken lassen. Wenn unsere Finanzvorstände die
Stimmung unter dem Gefrierpunkt einordnen, kann man nur schließen:
Wir sind ein Land in Depression. Dabei haben Kurzarbeit und steigende
Arbeitslosigkeit bisher den Konsum nicht nachhaltig geschädigt. Das
ist aber nur eine Frage der Zeit. Fällt der Konsum aus, ist ein
unseliger Kreislauf in Bewegung gesetzt, der nur sehr langsam in die
positive Richtung zu drehen ist.
Damit wären wir beim zweiten Punkt: Schauen wir uns an, wie
Großbritanniens Premierminister Gordon Brown oder US-Präsident Barack
Obama dem rauen Wind der Krise entgegentreten - durch aktives
Handeln. Brown hat binnen kürzester Zeit die wichtigsten Banken des
Landes gezwungen, ein Bankenpaket anzunehmen, Obama räumt ebenfalls
kräftig auf, um der Wirtschaft Schwung zu verleihen.
Und was passiert in Österreich? Hier zeigt sich wieder einmal ein
depressiver Hang zum Zaudern. Warum dauert es so lange, bis alle
österreichischen Banken das Bankenpaket in Anspruch nehmen? Fertig
war es schon im Oktober, die EU gab grünes Licht im Dezember und ab
Jänner wäre ein rascher Zugriff möglich gewesen. Immer noch gibt es
Banken in der Warteschleife.
Die Regierung hätte hier Zähne zeigen und fordern müssen: Wer
Staatsgeld will, soll es zu unseren Bedingungen bekommen. Aber nein,
durch Zaudern und unnötiges Taktieren verliert die Wirtschaft Zeit
und Luft über liquide Mittel; gleichzeitig ermattet die
Investitionsfreude signifikant. Das lähmt die Stimmung. Also bitte,
schau’n wir über den Tellerrand Richtung Obama: Wer früher die Ärmel
hochkrempelt, wird früher die Wirtschaft in Schwung bringen.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at
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