WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Auch die tiefste Depression geht vorbei - von Esther Mitterstieler

Wir sind ein Land in Depression, klares Handeln ist gefragt

Wien (OTS) - Keine Angst: Das soll jetzt keine Schönfärberei werden. Es ist lediglich ein Versuch, den derzeitigen wirtschaftlichen Ausnahmezustand unter einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Dass wir uns in einer veritablen Krise befinden, ist nicht zuletzt aufgrund der Budgetzahlen ein Faktum. Ebenso, dass die Zahlen wohl noch schlechter ausfallen werden als derzeit angenommen. Das sind schlechte Nachrichten. Nun haben wir mehrere Möglichkeiten, auf die Krise zu reagieren: Wir jammern weiter oder wir krempeln die Ärme hoch; und jeder einzelne von uns versucht, den Stimmungsindikator in die Höhe zu treiben.

Zum ersten Punkt: Wir sind Weltmeister im Jammern. Sogar in Zeiten der Hochkonjunktur konnten wir nicht davon lassen, geschweige denn jetzt. Ein Blick auf den aktuellen CFO-Stimmungsbarometer von Deloitte und Business Circle könnte einen sofort in die tiefste Depression versinken lassen. Wenn unsere Finanzvorstände die Stimmung unter dem Gefrierpunkt einordnen, kann man nur schließen:
Wir sind ein Land in Depression. Dabei haben Kurzarbeit und steigende Arbeitslosigkeit bisher den Konsum nicht nachhaltig geschädigt. Das ist aber nur eine Frage der Zeit. Fällt der Konsum aus, ist ein unseliger Kreislauf in Bewegung gesetzt, der nur sehr langsam in die positive Richtung zu drehen ist.

Damit wären wir beim zweiten Punkt: Schauen wir uns an, wie Großbritanniens Premierminister Gordon Brown oder US-Präsident Barack Obama dem rauen Wind der Krise entgegentreten - durch aktives Handeln. Brown hat binnen kürzester Zeit die wichtigsten Banken des Landes gezwungen, ein Bankenpaket anzunehmen, Obama räumt ebenfalls kräftig auf, um der Wirtschaft Schwung zu verleihen.

Und was passiert in Österreich? Hier zeigt sich wieder einmal ein depressiver Hang zum Zaudern. Warum dauert es so lange, bis alle österreichischen Banken das Bankenpaket in Anspruch nehmen? Fertig war es schon im Oktober, die EU gab grünes Licht im Dezember und ab Jänner wäre ein rascher Zugriff möglich gewesen. Immer noch gibt es Banken in der Warteschleife.

Die Regierung hätte hier Zähne zeigen und fordern müssen: Wer Staatsgeld will, soll es zu unseren Bedingungen bekommen. Aber nein, durch Zaudern und unnötiges Taktieren verliert die Wirtschaft Zeit und Luft über liquide Mittel; gleichzeitig ermattet die Investitionsfreude signifikant. Das lähmt die Stimmung. Also bitte, schau’n wir über den Tellerrand Richtung Obama: Wer früher die Ärmel hochkrempelt, wird früher die Wirtschaft in Schwung bringen.

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