Der Wert der hausärztlichen Leistung sinkt kontinuierlich

Wien (OTS) - Die Steuerberater der MEDTAX-Gruppe warnen: Wenn
keine Wende in der Honorarentwicklung eintritt, wird der Betrieb von manchen Arztordinationen recht rasch nicht mehr rentabel sein. Als erste könnten Österreichs Hausärzte wirtschaftliche Probleme bekommen.

Österreichs Hausärzte klagen schon seit mehreren Jahren über einen ständigen Rückgang ihres Einkommens, was für immer mehr - vor allem "kleinere" Vertreter ihrer Art - langsam zum Existenzproblem werden könnte. "Wir haben daher 300 repräsentative Allgemeinpraxen mit Kassenvertrag in allen Bundesländern in Bezug auf ärztliche Leistungen, Honorare, Betriebskosten und Unternehmensgewinn in den Jahren 1998 und 2008 verglichen", erklärt Mag. Manfred Kenda, Geschäftsführer der Kanzlei "Die Steuerberater" aus Klagenfurt und Sprecher der MEDTAX-Steuerberatergruppe.

"Repräsentativ bedeutet für uns in diesem Falle, dass die Niederlassung im Jahr 1998 bereits mindestens fünf Jahre bestehen musste und dass keine neuen Kassenstellen im unmittelbaren Umfeld im Beobachtungszeitraum geschaffen worden sind. Eventuell vorhandene Hausapotheken wurden aus der Berechnung herausgenommen", so Kenda.

Großer betriebsbedingter Mehraufwand

Das Ergebnis dieser Analyse ist eindeutig: "Wir konnten durchschnittlich zwar eine deutliche Steigerung des Honorarvolumens feststellen, welches aber nur geringfügig durch die über die Jahre unzureichende Inflationsanpassung der Honorare argumentiert werden kann. Der Hauptgrund für die Steigerung des Honorarvolumens war im Beobachtungszeitraum die erfolgte Leistungsausweitung", so Kenda. Die Betriebskosten sind laut Kenda jedoch in größerem Ausmaß gestiegen. "Einerseits durch die hier voll durchschlagende Inflation. Der VPI stieg im Beobachtungszeitraum immerhin um 20 Prozent." Eine im Winter durchgeführte MEDTAX-Analyse der Betriebskostensteigerung in Arztordinationen 2008 hat einen höheren Wert als den VPI ergeben. "Das war in den vergangenen zehn Jahren genauso. Die Kostensteigerung alleine durch Inflation liegt über dem VPI. Doch nicht nur das: In vielen Ordinationen ist zusätzlich ein betriebsbedingter Mehraufwand, etwa beim Personal, erkennbar." In den vergangenen Jahren schlagen verstärkt zusätzliche, von der Sozialversicherung nicht abgegoltene Kosten - vor allem im Bereich Investitionsgüter und EDV rund um die E-card-Infrastruktur - zu Buche.

Hausärztliche Versorgung steht auf der Kippe

"Die steuerlichen Gewinne sind im Schnitt zwar nominell angestiegen, jedoch nur etwa um die Hälfte der Größenordnung des VPI", analysiert Kenda weiter. "Das bedeutet einen kräftigen Verlust an Realeinkommen, dies aber bei erhöhtem Volumen an erbrachter ärztlicher Leistung." In Summe konnten die Steuerberater der MEDTAX-Gruppe errechnen, dass die hausärztliche medizinische Leistung im Kassenbereich in Bezug auf das Nettoeinkommen 2008 um etwa 25 Prozent (oder ein Viertel) weniger wert war als im Jahr 1998.

"Einer Fortführung dieser Entwicklung in den kommenden Jahren sehen wir mit großer Sorge entgegen. Wenn nicht gegengesteuert wird, lässt sich die hausärztliche Versorgung in Österreich nicht mehr unbegrenzt gewährleisten. Dies wäre vor allem in strukturschwachen Gebieten ein großes Problem", warnt Kenda. Wer das System der hausärztlichen Versorgung mittelfristig aufrecht erhalten will, sollte sich aus Sicht der MEDTAX-Steuerberatergruppe dafür stark machen, dass auch niedergelassene Ärzte im Kassenbereich wie andere Berufsgruppen voll- oder halbautomatisch einen jährlichen Inflationsausgleich in realistischer Größenordnung bekommen.

Auslaufmodell Hausarzt?

Als größtes Hindernis bei der Berufsausübung sehen die MEDTAX-Experten das Fehlen von geeigneten "schlanken" ärztlichen Kooperationsformen unter akzeptablen wirtschaftlichen Bedingungen. "Weitere verpflichtende Verwaltungs-, Fortbildungs-, Qualitätsvorschriften dürfen ohne gleichzeitige Abgeltung des Mehraufwands in den Ordinationen aus betriebswirtschaftlicher Sicht nicht mehr eingeführt werden."

Die bestehenden hausärztlichen Strukturen stehen jedenfalls kurz vor dem Punkt, an dem sich manche Jungärzte überlegen werden, ob die finanzielle Perspektive einer Kassenstelle etwa auf dem Land in Einklang mit Ausbildung, Arbeitseinsatz und Verantwortung steht. "Der typische Hausarzt könnte schon bald ein Auslaufmodell sein. Das wäre nicht nur für die Bevölkerung fatal, sondern auch für die Finanzierung des Gesundheitssystems. Wir wissen schließlich ganz genau, dass unsere Hausärzte selbst bei fairer Honorierung die zweifellos dringend benötigte hausärztliche Leistung immer noch besser und billiger erbringen können als alle anderen Organisationsstrukturen im Gesundheitsbereich", fasst Kenda zusammen.

MEDTAX ist das Netzwerk der führenden Ärztesteuerberater in ganz Österreich. Man versteht sich als Kompetenzzentrum für alle Berufsgruppen der Ärzte. Zu den Klienten gehören angestellte Spitalsärzte, Wahlärzte, Kassenärzte, Fachärzte, Zahnärzte und Turnusärzte, aber auch Praxisgemeinschaften, private Krankenanstalten sowie andere Berufe im Gesundheitswesen. Insgesamt werden von der Gruppe zirka 5.000 Ärzte in steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Angelegenheiten vertreten.

Die MEDTAX-Kanzleien:

Ärztetreuhand Dr. Braunschmid, Linz - Graz
Ärzteservice Team Jünger, Innsbruck
"Die Steuerberater", Kenda & Lebersorger, Klagenfurt
Leonhart und Leonhart, Wien
Dr. Scholler & Partner Wirtschaftstreuhand GmbH, Wien - NÖ

Homepage: www.medtax.at

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Viktoria Hausegger
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