ÖAMTC/ÄKVÖ-Symposium: Sicherheit, Fahrspaß und Freiheit auf zwei Rädern als Herausforderung

Mit ABS, ESP & Airbag, Ausbildung und mehr Eigenverantwortung Sicherheit für Biker verbessern

Wien (OTS) - Das Motorrad ist das Verkehrsmittel mit dem höchsten Risiko, schwer oder tödlich zu verunglücken. Im Rahmen des ÖAMTC/ÄKVÖ-Symposiums erörtern heute, Mittwoch, namhafte Experten, wie die Sicherheit des motorisierten Zweiradverkehrs erhöht werden kann. Die Herausforderungen des Zweiradbooms an die Medizin beleuchtet ÖAMTC-Vizepräsident Harald Hertz in seiner Funktion als ärztlicher Leiter des AUVA-Lorenz Böhler Unfallkrankenhauses in Wien. "6.500 tote Motorradfahrer pro Jahr in Europa sind ein Alarmsignal", sagt der Mediziner. Verbesserungen der Bekleidung und Protektoren vermindern die Folgen der enormen Reibungshitze bei Stürzen mit langer Rutschphase. ABS und Kombinationsbremssysteme können bis zu 93 Prozent aller durch Vorderradüberbremsung verursachten Stürze und Kollisionen verhindern.

Wo die Akutmedizin an ihre Grenzen stößt und eine völlige Wiederherstellung nicht möglich ist, dort setzt die Rehabilitationsmedizin ein. "Diese hat die Aufgabe, den Betroffenen eine für sie befriedigende Lebensqualität zu ermöglichen", erklärt Karl Schrei, Facharzt für Unfallchirurgie und ärztlicher Leiter des Rehabilitationszentrums Weißer Hof in Klosterneuburg.

Sicherheit durch moderne Technik, Straßenbau und Verkehrspsychologie

Damit es erst gar nicht so weit kommt, gilt es, alle Möglichkeiten auszunützen, um die Sicherheit für Zweiradfahrer zu erhöhen. Im technischen Bereich ist es wichtig, dass bereits vorhandene Sicherheitsfeatures wie ABS und Airbag weiter forciert und neuere Sicherheitsfeatures entwickelt werden. "Neue Motorräder sollten verpflichtend mit ABS, in weiterer Zukunft auch mit ESP ausgestattet sein", fordert ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl. Auch für Wolfgang Werdecker, Projektmanager bei Honda, stehen fortschrittliche Bremssysteme wie ABS im Fokus der Maßnahmen zur Unfallvermeidung. Bei der passiven Sicherheit setzt Honda auf die Weiterentwicklung von Airbag-Systemen bei Zweirädern.

Wie man Straßen für Motorradfahrer sicherer machen kann, untersuchte Kommunikationswissenschaftler Michael Praschl. Eine konkrete Möglichkeit sieht der Experte im Ausbau sogenannter "Unterfahrschutz-Systeme". Dabei werden scharfkantige Leitschienen, die eine besonders große Gefahrenstelle für Motorradfahrer darstellen, mit einem speziellen Blech-Unterfahrschutz entschärft.

Praschl stieß bei seinen Studien aber auch auf eine auffällige Anhäufung von Widersprüchen zwischen der subjektiven Einschätzung von Gefahren durch die Biker selbst und die Ergebnisse von Unfallstatistiken - Widersprüche, die in der Planung und Gestaltung sicherer Straßen beachtet werden sollten. "Motorradsicherheit ist nicht nur eine Frage der Physik, sondern genauso eine Frage der Psychologie bzw. Motivation", sagt der Spezialist in Sachen Motorradsicherheit im Rahmen des ÖAMTC/ÄKVÖ-Symposiums. Übermotivation gepaart mit Übermut und erhöhter Ablenkbarkeit ist laut Verkehrspsychologe Gregor Bartl auch eine der Hauptunfallursachen junger Mopedfahrer.

Bessere Ausbildung - 3. Führerscheinrichtlinie, Mopedausbildung neu

Ein anderer Ansatz, um die Sicherheit von Zweiradfahrern auf Österreichs Straßen zu erhöhen, ist die Verbesserung der Ausbildung. Die 3. Führerscheinrichtlinie bringt eine Vereinheitlichung und bessere Anerkennung von Lenkerberechtigungen in Europa. "Insgesamt betrachtet gibt uns die Neuregelung die Chance, nunmehr ein übersichtliches Stufenführerschein-Modell zu schaffen, das auch für die Bürger transparent und in sich konsistent ist", begrüßt Wolfgang Schubert von der Abteilung Legistik im Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie die Neuerungen.

Kritik in punkto Verkehrssicherheit kommt von Norbert Hausherr, Obmann des Fachverbandes der Fahrschulen. Durch die geplanten Änderungen können jüngere Lenker bereits mit stärkeren Bikes fahren. Dadurch befürchtet der Experte einen Anstieg der Unfallzahlen. Bei der Neugestaltung der Mopedausbildung begrüßt Hausherr die Ausdehnung der Praxisausbildung mit verpflichtendem Fahren auf Straßen mit öffentlichem Verkehr, bedauert aber, dass weiterhin kein Gesundheitszeugnis erforderlich ist und dass es am Ende der Ausbildung keine praktische Prüfung gibt.

Eigenverantwortung und Übung - Sicherheit durch Fahrtechnikkurse

Abseits aller Verbesserungen ist es aber immer der Mensch, der seine Maschine auch beherrschen sollte. Fahrtechnikkurse setzen genau dort an. "Geradeausfahren und Gasgeben kann jeder, doch am Ende der Geraden muss gebremst werden - es wartet eine Kurve", umreißt Georg Scheiblauer, Motorrad-Chefinstruktor des ÖAMTC, das A&O der Fahrzeugbeherrschung. Kurvenfahren, Bremsen und Ausweichmanöver sind daher auch die Schwerpunkte in jedem Motorrad-Fahrtechniktraining des Clubs. "Durch das Training gewinnen die Kursteilnehmer fahrerische Sicherheit, und diese Sicherheit bringt den Spaß am Motorradfahren", so der ÖAMTC-Motorrad-Chefinstruktor abschließend.

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