- 22.04.2009, 09:49:43
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ÖAMTC/ÄKVÖ-Symposium: Sicherheit, Fahrspaß und Freiheit auf zwei Rädern als Herausforderung
Mit ABS, ESP & Airbag, Ausbildung und mehr Eigenverantwortung Sicherheit für Biker verbessern
Wien (OTS) - Das Motorrad ist das Verkehrsmittel mit dem höchsten
Risiko, schwer oder tödlich zu verunglücken. Im Rahmen des
ÖAMTC/ÄKVÖ-Symposiums erörtern heute, Mittwoch, namhafte Experten,
wie die Sicherheit des motorisierten Zweiradverkehrs erhöht werden
kann. Die Herausforderungen des Zweiradbooms an die Medizin
beleuchtet ÖAMTC-Vizepräsident Harald Hertz in seiner Funktion als
ärztlicher Leiter des AUVA-Lorenz Böhler Unfallkrankenhauses in Wien.
"6.500 tote Motorradfahrer pro Jahr in Europa sind ein Alarmsignal",
sagt der Mediziner. Verbesserungen der Bekleidung und Protektoren
vermindern die Folgen der enormen Reibungshitze bei Stürzen mit
langer Rutschphase. ABS und Kombinationsbremssysteme können bis zu 93
Prozent aller durch Vorderradüberbremsung verursachten Stürze und
Kollisionen verhindern.
Wo die Akutmedizin an ihre Grenzen stößt und eine völlige
Wiederherstellung nicht möglich ist, dort setzt die
Rehabilitationsmedizin ein. "Diese hat die Aufgabe, den Betroffenen
eine für sie befriedigende Lebensqualität zu ermöglichen", erklärt
Karl Schrei, Facharzt für Unfallchirurgie und ärztlicher Leiter des
Rehabilitationszentrums Weißer Hof in Klosterneuburg.
Sicherheit durch moderne Technik, Straßenbau und
Verkehrspsychologie
Damit es erst gar nicht so weit kommt, gilt es, alle Möglichkeiten
auszunützen, um die Sicherheit für Zweiradfahrer zu erhöhen. Im
technischen Bereich ist es wichtig, dass bereits vorhandene
Sicherheitsfeatures wie ABS und Airbag weiter forciert und neuere
Sicherheitsfeatures entwickelt werden. "Neue Motorräder sollten
verpflichtend mit ABS, in weiterer Zukunft auch mit ESP ausgestattet
sein", fordert ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl. Auch für Wolfgang
Werdecker, Projektmanager bei Honda, stehen fortschrittliche
Bremssysteme wie ABS im Fokus der Maßnahmen zur Unfallvermeidung. Bei
der passiven Sicherheit setzt Honda auf die Weiterentwicklung von
Airbag-Systemen bei Zweirädern.
Wie man Straßen für Motorradfahrer sicherer machen kann,
untersuchte Kommunikationswissenschaftler Michael Praschl. Eine
konkrete Möglichkeit sieht der Experte im Ausbau sogenannter
"Unterfahrschutz-Systeme". Dabei werden scharfkantige Leitschienen,
die eine besonders große Gefahrenstelle für Motorradfahrer
darstellen, mit einem speziellen Blech-Unterfahrschutz entschärft.
Praschl stieß bei seinen Studien aber auch auf eine auffällige
Anhäufung von Widersprüchen zwischen der subjektiven Einschätzung von
Gefahren durch die Biker selbst und die Ergebnisse von
Unfallstatistiken - Widersprüche, die in der Planung und Gestaltung
sicherer Straßen beachtet werden sollten. "Motorradsicherheit ist
nicht nur eine Frage der Physik, sondern genauso eine Frage der
Psychologie bzw. Motivation", sagt der Spezialist in Sachen
Motorradsicherheit im Rahmen des ÖAMTC/ÄKVÖ-Symposiums.
Übermotivation gepaart mit Übermut und erhöhter Ablenkbarkeit ist
laut Verkehrspsychologe Gregor Bartl auch eine der
Hauptunfallursachen junger Mopedfahrer.
Bessere Ausbildung - 3. Führerscheinrichtlinie,
Mopedausbildung neu
Ein anderer Ansatz, um die Sicherheit von Zweiradfahrern auf
Österreichs Straßen zu erhöhen, ist die Verbesserung der Ausbildung.
Die 3. Führerscheinrichtlinie bringt eine Vereinheitlichung und
bessere Anerkennung von Lenkerberechtigungen in Europa. "Insgesamt
betrachtet gibt uns die Neuregelung die Chance, nunmehr ein
übersichtliches Stufenführerschein-Modell zu schaffen, das auch für
die Bürger transparent und in sich konsistent ist", begrüßt Wolfgang
Schubert von der Abteilung Legistik im Bundesministerium für Verkehr,
Innovation und Technologie die Neuerungen.
Kritik in punkto Verkehrssicherheit kommt von Norbert Hausherr,
Obmann des Fachverbandes der Fahrschulen. Durch die geplanten
Änderungen können jüngere Lenker bereits mit stärkeren Bikes fahren.
Dadurch befürchtet der Experte einen Anstieg der Unfallzahlen. Bei
der Neugestaltung der Mopedausbildung begrüßt Hausherr die Ausdehnung
der Praxisausbildung mit verpflichtendem Fahren auf Straßen mit
öffentlichem Verkehr, bedauert aber, dass weiterhin kein
Gesundheitszeugnis erforderlich ist und dass es am Ende der
Ausbildung keine praktische Prüfung gibt.
Eigenverantwortung und Übung - Sicherheit durch
Fahrtechnikkurse
Abseits aller Verbesserungen ist es aber immer der Mensch, der
seine Maschine auch beherrschen sollte. Fahrtechnikkurse setzen genau
dort an. "Geradeausfahren und Gasgeben kann jeder, doch am Ende der
Geraden muss gebremst werden - es wartet eine Kurve", umreißt Georg
Scheiblauer, Motorrad-Chefinstruktor des ÖAMTC, das A&O der
Fahrzeugbeherrschung. Kurvenfahren, Bremsen und Ausweichmanöver sind
daher auch die Schwerpunkte in jedem Motorrad-Fahrtechniktraining des
Clubs. "Durch das Training gewinnen die Kursteilnehmer fahrerische
Sicherheit, und diese Sicherheit bringt den Spaß am Motorradfahren",
so der ÖAMTC-Motorrad-Chefinstruktor abschließend.
Rückfragehinweis:
ÖAMTC-Öffentlichkeitsarbeit
Dagmar Halwachs
Tel.: +43 (0) 1 711 99-1218
mailto:[email protected]
http://www.oeamtc.at
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