• 21.04.2009, 13:21:51
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ZEITUNGSZEUGEN: Nach Konflikt in Deutschland nun auch in Österreich erhältlich

Wien (OTS) -

- Kommentierte Zeitungs-Nachdrucke aus den Jahren 1933 bis 1945
- Breit kritisiertes Verbot in Deutschland aufgehoben
- Nach reger Nachfrage ab 22. April auch in Österreich

Was 2008 als "NachRichten" in Österreich lief, wurde im Jänner
2009 unter dem Titel "Zeitungszeugen" auch in Deutschland gestartet:
Die Publikation von Nachdrucken historischer Zeitungen aus den Jahren
1933 bis 1945, ergänzt durch Kommentare und Analysen von Historikern
und Journalismusforschern aus heutiger Sicht, herausgegeben vom
britischen Verlagshaus Albertas Limited. Der große Unterschied:
Während das Projekt in Österreich breite Unterstützung erfuhr, wurde
in Deutschland auf Betreiben des Freistaates Bayern bereits der
Vertrieb der zweiten Ausgabe verboten. Nachdem die deutschen Gerichte
im Sinne des Herausgebers entschieden haben, ist "Zeitungszeugen"
aufgrund zahlreicher Anfragen ab 22. April auch im österreichischen
Zeitschriftenhandel erhältlich.

Ziel der Zeitung ist es, einen Beitrag zu einer sachkundigeren
Diskussion zu leisten, so Sandra Paweronschitz vom Ludwig Boltzmann
Institut für Historische Sozialwissenschaft und Chefredakteurin von
'Nachrichten’ und von 'Zeitungszeugen’: "Zeitungszeugen will zeigen,
was man über die Vorgänge im 'Dritten Reich’ wissen konnte, wenn man
es denn wissen wollte". Im Unterschied zu NachRichten, das im
Gedenkjahr 2008 in Österreich erhältlich war, beginnt
'Zeitungszeugen’ mit dem Jahr 1933 und der Machtübernahme Hitlers.
Somit wird auch die Vorgeschichte zum Anschluss Österreichs 1938
aufbereitet, aus deutscher Perspektive erzählt. Außerdem bemühen sich
die Macher von 'Zeitungszeugen’, die sozialhistorischen Themen und
Hintergründe mehr zu beleuchten, als dies im letzten Jahr passiert
ist.

Große Aufregung in Deutschland

In Österreich sorgte NachRichten für großes Interesse, in
Deutschland hingegen für eine seit 1945 in der deutschen
Pressegeschichte einmalige Aktion: Das bayerische Finanzministerium,
das 1945 von den Amerikanern mit der Verwaltung der vormals im Eher
Verlag, dem NS-Presseimperium, erschienenen Nazi-Zeitungen beauftragt
worden war, erwirkte ein Verbot der zweiten Ausgabe, die sich mit dem
Brand des Reichstages 1933 auseinandersetzte. Grund dafür: die
Verletzung der Urheberrechte, die beim Ministerium liegen. Ein
zivilrechtliches Verfahren um die Urheberrechte wurde eingeleitet,
gegen Herausgeber Peter McGee Strafanzeige wegen der "Verwendung
verfassungswidriger Symbole" erstattet. Zudem wurde Zeitungszeugen
Deutschlandweit von der Polizei beschlagnahmt. Diese Vorgänge
entzündeten eine heftige Diskussion über den Umgang mit Nazi-Quellen,
die auch breiten Niederschlag in den Medien fand. Ende März entschied
das Münchener Landgericht für Zeitungszeugen.

Erstmals Nachweis für Unterstützung von Nazi-Putsch 1934 durch Hitler

"Zeitungszeugen soll auch von Menschen gelesen werden, die niemals
ein Fachbuch für Zeitgeschichte lesen würden, die aber trotzdem
großen Wert auf die Qualität der aufbereiteten Information legen",
unterstreicht Peter McGee, Leiter des Albertas-Verlages und
Zeitungszeugen-Herausgeber seine Intentionen. "Um diese Idee
verantwortungsvoll durchzuführen, haben wir führende Experten für
Zeitgeschichte und Kommunikation ins Team geholt." Ziel ist es, ein
breites Publikum anzusprechen, das sich einerseits durch die Lektüre
der Nachdrucke eine eigene Meinung bilden kann, das andererseits gut
aufbereitete Informationen auf dem letzten Stand der Forschung
präsentiert bekommt. So kann bereits jetzt über eine kleine
wissenschaftliche Sensation in der Nummer 9, die Anfang Juni in
Österreich erscheinen wird, über den Nazi-Putsch in Österreich 1934,
bei dem Bundeskanzler Dollfuß erschossen worden war, berichtet
werden: Der Wiener Historiker Kurt Bauer und Peter Longerich, einer
der profiliertesten Nationalsozialismus-Forscher und Mitglied im
wissenschaftlichen Beirat von Zeitungszeugen, weisen nach, dass
Hitler über den geplanten Putsch sehr wohl informiert war und diesen
nicht nur gebilligt, sondern auch unterstützt hat. Die
Republik-Ausstellung im Parlament erzählte hier noch eine andere
Geschichte.

Die Herangehensweise

Für die Darstellung der historischen Geschehnisse werden nicht nur
in Deutschland publizierte Zeitungen herangezogen, sondern auch
Exilpresse und deutschsprachige Auslandsblätter, etwa aus Prag,
Budapest, Wien, Zagreb oder Paris. Interessant zu sehen ist auch, wie
unterschiedlich mit Informationen umgegangen wurde, etwa im Vergleich
von Zeitungen aus dem "Altreich" mit Zeitungen ab 1939 okkupierten
und besetzten Gebieten.

Die Zeitungen für Zeitungszeugen werden anhand mehrerer Kriterien
ausgewählt: Örtlicher Bezug, Relevanz, historische Bedeutung, Inhalt
und Erscheinungsbild. Um den authentischen Charakter der Ausgaben zu
unterstreichen, werden die gescannten Zeitungen zwar gereinigt und
optisch aufbereitet. An den Inhalten selbst wird grundsätzlich nichts
verändert.

Neuntes Projekt des britischen Verlagshauses, breites Expertenteam

Das Verlagshaus hat ähnliche Projekte bereits in Belgien
(Flandern), den Niederlanden, Dänemark, Norwegen, Finnland,
Griechenland, Spanien und Österreich durchgeführt. Pro Jahr und Land
wurde ein neues historisches Wochenblatt herausgebracht.
'Zeitungszeugen’ wird von einer großen Anzahl deutscher
Meinungsbildner unterstützt. "Deutsche und internationale
GeschichtswissenschaftlerInnen und JournalismusforscherInnen werden
die Themen dieser Zeit in verständlicher Form aufbereiten und
einordnen", so Sandra Paweronschitz (Ludwig Boltzmann Institut für
Historische Sozialwissenschaft, Cluster Geschichte der Ludwig
Boltzmann Gesellschaft).

Im Team außerdem:

- Dr. Frank Bajohr (Wissenschaftlicher Mitarbeiter der 
   Forschungsstelle für Zeitgeschichte Hamburg) 
 - Prof. Dr. Wolfgang Benz (Leiter des Zentrums für 
   Antisemitismusforschung der TU Berlin)
 - Prof. Dr. Gerhard Botz (Institut für Zeitgeschichte der
   Universität Wien und Leiter des Ludwig Boltzmann Instituts für
   Historische Sozialwissenschaft); 
 - Barbara Distel (langjährige Leiterin der Gedenkstätte Dachau; 
   Mitherausgeberin der Dachauer Hefte, München)
 - Prof. Dr. Peter Longerich (Direktor des Research Centre for the
   Holocaust and 20th Century History am Royal Holloway College
   London)
 - Prof. Dr. Hans Mommsen (Emeritus Ruhr-Universität Bochum,
   Gastprofessuren und Forschungsaufenthalte in Princeton, Harvard,
   Berkeley, Jerusalem und Washington D.C; Feldafing)
 - Prof. Dr. Sönke Neitzel (Johannes Gutenberg-Universität Mainz)
 - PD Dr. Dieter Pohl (Mitarbeiter des Instituts für Zeitgeschichte 
   München; Privatdozent am Historischen Seminar der Ludwig-
   Maximilians-Universität München)
 - Prof. Dr. Hans Pöttker (Journalismusforscher an der Universität 
   Dortmund, Gastprofessor am Institut für Publizistik und 
   Kommunikationswissenschaft der Universität Wien)
 - Dr. Gabriele Toepser-Ziegert (Leiterin des Instituts für 
   Zeitungsforschung Dortmund; Bearbeiterin und Mitherausgeberin der 
   Edition der NS-Presseanweisungen)

Beim Zeitschriftenhändler und als Abonnement erhältlich

Die Ausgaben von 'Zeitungszeugen’ werden zum Einzelverkaufspreis
von Euro 3,90 pro Ausgabe oder Euro 3,30 im Abonnement (abzuschließen
für 50 Ausgaben) angeboten. Die Zeitungen folgen in ihrem Inhalt
einer chronologischen Abfolge. Die erste Ausgabe befasst sich mit der
Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933, die letzte
Ausgabe wird mit dem Zusammenbruch des NS-Regimes und der
Demokratisierung der Presse nach Ende des 2. Weltkriegs enden.

'Zeitungszeugen’ ist in ganz Österreich im Zeitschriftenhandel
erhältlich. Abo-Bestellungen sind über die Telefonnummer +43 (0)1 910
76 226 oder über die E-Mail Adresse [email protected] möglich.
Nähere Infos auch unter www.zeitungszeugen.de.

Rückfragehinweis:
Christina Zwickl
Trimedia Communications Austria
Tel.: 01/524 43 00 - 39
mailto:[email protected]

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