Kronzeuge zur Al-Qaida-Österreich: "Ihr in Österreich hattet viel Glück"

- NEWS fand den Kronzeugen der heimischen Terrorfahnder in Bosnien - Nihad C. sagt, dass Anschläge in Österreich geplant waren

Wien (OTS) - Das Nachrichtenmagazin NEWS veröffentlicht in seiner am Donnerstag erscheinenden Ausgabe einen Bericht über jenen früheren Al-Qaida-Kämpfer, auf dessen Aussagen vor österreichischen, deutschen und amerikanischen Fahndern zahlreiche Ermittlungen gegen Al-Qaida-Verdächtige beruhen.

NEWS spürte den wichtigsten Zeugen der Ermittler, den heute 32jährigen Nihad C., in Sarajevo auf. Nihad C. sagt, dass der Kopf der Austro-Zelle, der in Mödling geborene Österreicher Abdulrahman Hussein, entgegen den jüngsten Vermutungen der österreichischen Behörden nach wie vor am Leben sei. Nihad C. "Er ist gesund und genesen. Ich weiß das. Mein letzter Kontakt war vor 15 Tagen. Da hieß es, dass es ihm wieder gut geht."

Nihad C. erklärt zudem die Rolle Husseins bei der Rekrutierung für Al-Qaida und erklärt zu möglichen Anschlagsplänen für Österreich:
"Ihr in Österreich hattet damals ja Glück, weil wir die Attentäter damals in Afghanistan gebraucht haben. Sonst wäre es für Österreich eng geworden." Und weiter: "Österreich ist ein leichtes Ziel."

Nihad C. spricht auch über seine Zeit in Afghanistan, seine Verhaftung durch Amerikaner und den pakistanischen Geheimdienst und seine Verwendung als Sprengstoffausbildner: "Europa kann sich warm anziehen. Ich selbst habe gut 300 Leute ausgebildet. Das wissen die Amis. Die Leute sind in Spanien, in Marokko, in Algerien. Die machen nichts alleine. Aber wenn der Befehl kommt, dann geht’s los."

Für den voriges Jahr in Wien verurteilten Mohamed M., der ein Video verbreitet hat, in dem Österreich mit Anschlägen gedroht wurde, hat Nihad C. nur Verachtung über: "Der ist ein großer Wichtigtuer. Leute, die wirklich wichtig sind, rennen nicht durch die Gegend und sagen:
Ich bin Al-Qaida." In Wien gäbe es weitaus wichtigere Personen, wie zum Beispiel den (ohnehin bereits im Visier der Ermittler stehenden) Islamisten Armin B.

Der frühere Al-Qaida-Kämpfer Nihad C. spricht zudem über eine laufende Operation, die soeben im Bereich der Wiener "Sahaba-Moschee" stattgefunden habe. Einmal mehr hätten die Behörden versagt: "die Hauptperson ist ihnen durch die Lappen gegangen" höhnt er. Das sei wie bei "El-Misri, dem meistgesuchten Mann in Europa, der war zuerst in Neu-Ulm und danach in Österreich, weil er auf einen neuen Reisepass warten musste." Dessen Aufenthalt sei den Österreichern auch entgangen.

Die heikle Biographie des Nihad C.

Der in Stuttgart geborene Nihad C. ging schon mit 16 Jahren nach Bosnien, um sich dort den berüchtigten "El Mujaheddin" anzuschließen. Nach dem Ende des Bosnienkrieges folgten zwei längere Einsätze im Tschetschenienkrieg. Schon 2001 ging Nihad C. nach Afghanistan. Im Jänner 2007 erfolgte die Verhaftung durch US-Behörden und den pakistanischen Geheimdienst ISI. Nach eigenen Angaben wurde Nihad C. 27 Tage lang verhört und gefoltert. Im Sommer 2007 wird er nach Bosnien ausgeflogen, da ihm seine deutsche Doppelstaatsbürgerschaft zwischenzeitig aberkannt wurde. In Bosnien sitzt er sechs Monate in Haft. Ende 2007 wird er von österreichischen und deutschen Ermittlern in Bosnien zu Zellen in Österreich und Deutschland einvernommen. Im Frühjahr 2008 gab Nihad C. der bosnischen Zeitschrift "Dani" ein Interview, in dem er behauptet, bereits Serben, Russen, Amerikaner und Briten getötet zu haben. Zudem philosophiert er in diesem Interview darüber, dass es Unterschiede gäbe, wie man jemanden mit einem Kehlenschnitt töten könnte. Wenn man dem Opfer die Kehle etwas tiefer aufschneide, verliere das Opfer sofort das Bewusstsein. Schneide man hingegen am oberen Ende des Halses, spüre das Opfer den Tod langsam kommen.

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