• 15.04.2009, 12:11:49
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Kronzeuge zur Al-Qaida-Österreich: "Ihr in Österreich hattet viel Glück"

- NEWS fand den Kronzeugen der heimischen Terrorfahnder in Bosnien - Nihad C. sagt, dass Anschläge in Österreich geplant waren

Wien (OTS) - Das Nachrichtenmagazin NEWS veröffentlicht in seiner
am Donnerstag erscheinenden Ausgabe einen Bericht über jenen früheren
Al-Qaida-Kämpfer, auf dessen Aussagen vor österreichischen, deutschen
und amerikanischen Fahndern zahlreiche Ermittlungen gegen
Al-Qaida-Verdächtige beruhen.

NEWS spürte den wichtigsten Zeugen der Ermittler, den heute
32jährigen Nihad C., in Sarajevo auf. Nihad C. sagt, dass der Kopf
der Austro-Zelle, der in Mödling geborene Österreicher Abdulrahman
Hussein, entgegen den jüngsten Vermutungen der österreichischen
Behörden nach wie vor am Leben sei. Nihad C. "Er ist gesund und
genesen. Ich weiß das. Mein letzter Kontakt war vor 15 Tagen. Da hieß
es, dass es ihm wieder gut geht."

Nihad C. erklärt zudem die Rolle Husseins bei der Rekrutierung für
Al-Qaida und erklärt zu möglichen Anschlagsplänen für Österreich:
"Ihr in Österreich hattet damals ja Glück, weil wir die Attentäter
damals in Afghanistan gebraucht haben. Sonst wäre es für Österreich
eng geworden." Und weiter: "Österreich ist ein leichtes Ziel."

Nihad C. spricht auch über seine Zeit in Afghanistan, seine
Verhaftung durch Amerikaner und den pakistanischen Geheimdienst und
seine Verwendung als Sprengstoffausbildner: "Europa kann sich warm
anziehen. Ich selbst habe gut 300 Leute ausgebildet. Das wissen die
Amis. Die Leute sind in Spanien, in Marokko, in Algerien. Die machen
nichts alleine. Aber wenn der Befehl kommt, dann geht’s los."

Für den voriges Jahr in Wien verurteilten Mohamed M., der ein Video
verbreitet hat, in dem Österreich mit Anschlägen gedroht wurde, hat
Nihad C. nur Verachtung über: "Der ist ein großer Wichtigtuer. Leute,
die wirklich wichtig sind, rennen nicht durch die Gegend und sagen:
Ich bin Al-Qaida." In Wien gäbe es weitaus wichtigere Personen, wie
zum Beispiel den (ohnehin bereits im Visier der Ermittler stehenden)
Islamisten Armin B.

Der frühere Al-Qaida-Kämpfer Nihad C. spricht zudem über eine
laufende Operation, die soeben im Bereich der Wiener "Sahaba-Moschee"
stattgefunden habe. Einmal mehr hätten die Behörden versagt: "die
Hauptperson ist ihnen durch die Lappen gegangen" höhnt er. Das sei
wie bei "El-Misri, dem meistgesuchten Mann in Europa, der war zuerst
in Neu-Ulm und danach in Österreich, weil er auf einen neuen
Reisepass warten musste." Dessen Aufenthalt sei den Österreichern
auch entgangen.

Die heikle Biographie des Nihad C.

Der in Stuttgart geborene Nihad C. ging schon mit 16 Jahren nach
Bosnien, um sich dort den berüchtigten "El Mujaheddin" anzuschließen.
Nach dem Ende des Bosnienkrieges folgten zwei längere Einsätze im
Tschetschenienkrieg. Schon 2001 ging Nihad C. nach Afghanistan. Im
Jänner 2007 erfolgte die Verhaftung durch US-Behörden und den
pakistanischen Geheimdienst ISI. Nach eigenen Angaben wurde Nihad C.
27 Tage lang verhört und gefoltert. Im Sommer 2007 wird er nach
Bosnien ausgeflogen, da ihm seine deutsche Doppelstaatsbürgerschaft
zwischenzeitig aberkannt wurde. In Bosnien sitzt er sechs Monate in
Haft. Ende 2007 wird er von österreichischen und deutschen Ermittlern
in Bosnien zu Zellen in Österreich und Deutschland einvernommen. Im
Frühjahr 2008 gab Nihad C. der bosnischen Zeitschrift "Dani" ein
Interview, in dem er behauptet, bereits Serben, Russen, Amerikaner
und Briten getötet zu haben. Zudem philosophiert er in diesem
Interview darüber, dass es Unterschiede gäbe, wie man jemanden mit
einem Kehlenschnitt töten könnte. Wenn man dem Opfer die Kehle etwas
tiefer aufschneide, verliere das Opfer sofort das Bewusstsein.
Schneide man hingegen am oberen Ende des Halses, spüre das Opfer den
Tod langsam kommen.

Rückfragehinweis:
Sekretariat NEWS
Chefredaktion
Tel.: (01) 213 12 DW 1103

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