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Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Lieber Gold als Voves"
Ausgabe vom 9. April 2009
Wien (OTS) - Es fängt alles wieder so an wie unter Alfred
Gusenbauer: Der linke Flügel der SPÖ, sowie ein paar Schwarze aus der
dritten Reihe, beginnt gegen Regierung und Parteispitze zu
intrigieren (lediglich der Parlamentsklub fehlt vorerst), sobald er
spürt, wie schwer staatspolitische Verantwortung ist und wie tief die
Wählerzahlen sinken.
Intrigieren ist ja auch viel lustiger als zuzugeben, dass viele
schöne Dinge wie höhere Arbeitslosenunterstützung oder ein frühes
Pensionsalter leider nicht - oder nicht mehr - finanzierbar sind und
dass gar die an den Feudalismus erinnernde Verschwendungssucht der
Landeshauptleute ein Ende finden muss. Es gibt ja ohnedies die vielen
Reichen, in deren Taschen man greifen könnte.
Von denen haben es doch manche tatsächlich geschafft, so tadelt
voll Empörung der regelmäßig durch seine ökonomische Intelligenz
auffallende Steirer Voves, einen Teil ihres Geld durch die Krise zu
bringen (wahrscheinlich weil sie es konservativer angelegt haben als
viele Bundesländer). Also rufen Voves & Co nun: "Her mit der Marie!"
Wen kümmert es da, dass das überdurchschnittliche Wachstum
Österreichs in den letzten eineinhalb Jahrzehnten mit dem Abbau der
Vermögenssteuern zusammenhängt? Und dass diese nur dann etwas
bringen, wenn man auch Einfamilienhäuser und Altersvorsorge
besteuert? Und dass man zur Einhebung der Steuer das oft beschworene
Bankgeheimnis auch für Inländer brechen muss?
Auf ähnlichem Niveau agiert der Wiener Bürgermeister: Er erkennt
zwar, dass in der großen Krise Vermögenszuwachssteuern mangels
Zuwachses gar nichts bringen, signalisiert aber zugleich, dass man
nach der Krise dann umso kräftiger zugreifen sollte. Seine Botschaft
an den Rest der (noch) Kapitalbesitzenden lautet also: Wenn ihr jetzt
bei uns investiert, werden wir euch später wie einen Christbaum
abräumen, sobald euer Kapital einmal unverschämterweise einen Ertrag
bringen sollte.
Wird da noch irgendein Investor mit Hirn Geld in Österreich
anlegen? Anlegewillige Investoren sind aber - vor allem in
Krisenzeiten - die gesuchteste und rarste Spezies. Und auch Inländer
müssen damit rechnen, dass sich Voves und Häupl (+ÖGB+Grüne) eines
Tages durchsetzen werden; sie tun daher logischerweise jetzt genau
das, was volkswirtschaftlich am unerwünschtesten ist: Sie verstecken
ihr Geld, etwa in Form von Goldbarren.
http://www.wienerzeitung.at/tagebuch
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