• 08.04.2009, 11:50:25
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Ermittlungen gegen österreichische Al-Qaida-Zelle

- Österreicher erhielten Ausbildung in Terrorcamp "Mir Ali" in Waziristan - Kopf der Austro-Zelle dürfte getötet worden sein

Wien (OTS) - Das Nachrichtenmagazin NEWS veröffentlicht in seiner
am Donnerstag erscheinenden Ausgabe umfassende Akten des Bundesamtes
für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) über die
Existenz einer österreichischen Al-Qaida-Zelle. Ein offenes
Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Wien gegen die
Verdächtigen läuft bereits seit knapp 40 Monaten.

Auslöser der umfangreichen und internationalen Ermittlungen war
ein Tipp amerikanischer Behörden am 16. Dezember 2005. Bei der sofort
eingeleiteten "Operation Charly" konnte am 22. Jänner 2006 der 1983
in Mödling geborene österreichische Staatsbürger Abdulrahman Hussein
ausgeforscht werden. Schnell war klar, dass sich Hussein mit vier
weiteren Verbündeten vom August bis Oktober 2005 in einem
Al-Qaida-Trainingslager in Pakistan paramilitärisch ausbilden hat
lassen.

Ende Oktober 2007 vernahmen Ermittler des BVT in Sarajevo einen
vormaligen Al-Qaida-Kämpfer, der über die Ausbildung von
Österreichern in Al-Qaida-Camps auspackte. Er identifizierte Hussein
und weitere Personen, erkärte wie Attentäter für Selbstmordaktionen
rekrutiert und ausgebildet werden, wie sie in die Terror-Camps kommen
und wie die Kommunikation läuft. Nach Aussage des Zeugen, der zuletzt
im Jänner 2007 persönlich auf Osama Bin Laden traf, sollen sich 280
Personen für Aktionen im Ausland gemeldet haben.

Laut der Anklage gegen den deutschen Terrorverdächtigen Aleem
Nasir, der zurzeit von der Bundesanwaltschaft Karlsruhe angeklagt
wurde, sei der Österreicher Hussein im Terror-Camp "Mir Ali" auch der
Sprengstoffausbildner von Nasir gewesen.

Nasir tappte zudem im Februar 2007 in eine versteckte Videofalle
des BVT in Wien, als er die Mutter des Hussein besuchen wollte, um
ihr im Auftrag von ihrem Sohn etwas zu übergeben.

Zu den Terrorverdächtigen in Österreich zählen neben Hussein auch
Falsel J., Jamal Uddin Q, Meneres Y., Noureddine T. und Mehmet Ö.
Eine weitere Person aus der Gruppe, Abdullah M., soll von US-Truppen
in Afghanistan getötet worden sein.

Nach aktuellen Erkenntnissen soll auch der Kopf der Austro-Zelle,
Hussein, im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet getötet worden
sein. Drei Verdächtige befinden sich derzeit im Ausland, wovon einer
in Tunesien in Haft sitzt.

Zwt: Anti-Terror-Chef der OSZE von österreichischer Al-Qaida-Zelle
"nicht überrascht"

NEWS veröffentlicht zudem ein Exklusiv-Interview zum Fall mit dem
Leiter der "Action Against Terrorism Unit" der OSZE, Raphael Perl

Perl ist von der Existenz der österreichischen Al-Qaida-Zelle
"überhaupt nicht überrascht, weil dies in ein Muster passt, dass wir
in ganz Europa sehen".

Laut Perl würden vor allem junge Menschen rekrutiert und es sei
nicht ungewöhnlich, dass die nach Waziristan gingen, um sich dort
ausbilden zu lassen. Perl: "Die Zahl jüngerer Terroristen aus dem
eigenen Land und von Terroristen aus der zweiten
Immigrantengeneration nimmt zu."

Man müsse sich bewusst machen, dass man das Problem nicht lösen
könne, indem man Al-Qaida den Kopf abschlage. Perl: "Wir müssen uns
mit der Wurzel des Problems auseinandersetzen. Junge Menschen, die
sich von dieser Ideologie angesprochen fühlen, müssen wir rechtzeitig
in unsere Zivilgesellschaft integrieren und sie auf diesem Weg gegen
extremistische Propaganda immunisieren."

Laut Perl ginge es hier nicht um ein rein religiöses Problem: "Es
geht vielmehr um die Jugend, ihre fehlenden Chancen und ihre
Unzufriedenheit."

Rückfragehinweis:
Sekretariat NEWS
Chefredaktion
Tel.: (01) 213 12 DW 1103

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