Ermittlungen gegen österreichische Al-Qaida-Zelle

- Österreicher erhielten Ausbildung in Terrorcamp "Mir Ali" in Waziristan - Kopf der Austro-Zelle dürfte getötet worden sein

Wien (OTS) - Das Nachrichtenmagazin NEWS veröffentlicht in seiner am Donnerstag erscheinenden Ausgabe umfassende Akten des Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) über die Existenz einer österreichischen Al-Qaida-Zelle. Ein offenes Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Wien gegen die Verdächtigen läuft bereits seit knapp 40 Monaten.

Auslöser der umfangreichen und internationalen Ermittlungen war ein Tipp amerikanischer Behörden am 16. Dezember 2005. Bei der sofort eingeleiteten "Operation Charly" konnte am 22. Jänner 2006 der 1983 in Mödling geborene österreichische Staatsbürger Abdulrahman Hussein ausgeforscht werden. Schnell war klar, dass sich Hussein mit vier weiteren Verbündeten vom August bis Oktober 2005 in einem Al-Qaida-Trainingslager in Pakistan paramilitärisch ausbilden hat lassen.

Ende Oktober 2007 vernahmen Ermittler des BVT in Sarajevo einen vormaligen Al-Qaida-Kämpfer, der über die Ausbildung von Österreichern in Al-Qaida-Camps auspackte. Er identifizierte Hussein und weitere Personen, erkärte wie Attentäter für Selbstmordaktionen rekrutiert und ausgebildet werden, wie sie in die Terror-Camps kommen und wie die Kommunikation läuft. Nach Aussage des Zeugen, der zuletzt im Jänner 2007 persönlich auf Osama Bin Laden traf, sollen sich 280 Personen für Aktionen im Ausland gemeldet haben.

Laut der Anklage gegen den deutschen Terrorverdächtigen Aleem Nasir, der zurzeit von der Bundesanwaltschaft Karlsruhe angeklagt wurde, sei der Österreicher Hussein im Terror-Camp "Mir Ali" auch der Sprengstoffausbildner von Nasir gewesen.

Nasir tappte zudem im Februar 2007 in eine versteckte Videofalle des BVT in Wien, als er die Mutter des Hussein besuchen wollte, um ihr im Auftrag von ihrem Sohn etwas zu übergeben.

Zu den Terrorverdächtigen in Österreich zählen neben Hussein auch Falsel J., Jamal Uddin Q, Meneres Y., Noureddine T. und Mehmet Ö. Eine weitere Person aus der Gruppe, Abdullah M., soll von US-Truppen in Afghanistan getötet worden sein.

Nach aktuellen Erkenntnissen soll auch der Kopf der Austro-Zelle, Hussein, im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet getötet worden sein. Drei Verdächtige befinden sich derzeit im Ausland, wovon einer in Tunesien in Haft sitzt.

Zwt: Anti-Terror-Chef der OSZE von österreichischer Al-Qaida-Zelle "nicht überrascht"

NEWS veröffentlicht zudem ein Exklusiv-Interview zum Fall mit dem Leiter der "Action Against Terrorism Unit" der OSZE, Raphael Perl

Perl ist von der Existenz der österreichischen Al-Qaida-Zelle "überhaupt nicht überrascht, weil dies in ein Muster passt, dass wir in ganz Europa sehen".

Laut Perl würden vor allem junge Menschen rekrutiert und es sei nicht ungewöhnlich, dass die nach Waziristan gingen, um sich dort ausbilden zu lassen. Perl: "Die Zahl jüngerer Terroristen aus dem eigenen Land und von Terroristen aus der zweiten Immigrantengeneration nimmt zu."

Man müsse sich bewusst machen, dass man das Problem nicht lösen könne, indem man Al-Qaida den Kopf abschlage. Perl: "Wir müssen uns mit der Wurzel des Problems auseinandersetzen. Junge Menschen, die sich von dieser Ideologie angesprochen fühlen, müssen wir rechtzeitig in unsere Zivilgesellschaft integrieren und sie auf diesem Weg gegen extremistische Propaganda immunisieren."

Laut Perl ginge es hier nicht um ein rein religiöses Problem: "Es geht vielmehr um die Jugend, ihre fehlenden Chancen und ihre Unzufriedenheit."

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