• 03.04.2009, 13:42:34
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Cerveny: Energiepreise - vor raketenhafter Steigerung

Wien (OTS) - "Die Gefahr ist äußerst groß, dass es in wenigen
Jahren zu einem noch nie dagewesenen Öl- und Energiepreisanstieg
kommt", meinte ÖGUT-Energieexperte Michael Cerveny bei seinem Vortrag
im Club Niederösterreich am 2. April 2009. Grund hierfür seien zum
einen die immer offenkundigere Erschöpfung der meisten Ölfelder und
zum anderen die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise. Notwendige
Investitionen in die Erschließung neuer Ölquellen werden ebenso
zurückgefahren wie der dazu noch wichtigere Ausbau der Alternativen.

Trotz enormer Anstrengungen und eines Investitionen begünstigenden
Ölpreises konnte seit 2005 die globale Erdölproduktion nicht mehr
ausgeweitet werden. Das stagnierende Ölangebot war die Hauptursache
dafür, dass der Ölpreis - und diesem folgend (fast) alle anderen
Energiepreise - bis Mitte 2008 so stark angestiegen sind.

Die aktuelle Finanz- und Weltwirtschaftskrise hat seit Sommer 2008
die Energienachfrage und damit auch die Energiepreise einbrechen
lassen. Was die Konsumenten freut, könnte in ein paar Jahren zu einem
bösen Erwachen führen: In Folge der tatsächlich schwindenden fossilen
Energiereserven in Kombination mit zu geringen Investitionen in die
Energie-Infrastruktur droht eine Energiekrise enormen Ausmaßes. Die
aktuell niedrigen Ölpreise und die Kreditklemme haben zuletzt zu
einer Investitionsdrosselung im Energiebereich geführt, die die
Ölförderung ebenso betrifft wie Projekte im Bereich erneuerbarer
Energie. Cerveny: "Sobald wir die aktuelle Wirtschaftskrise hinter
uns gebracht haben und die Weltkonjunktur wieder auf Hochtouren
läuft, wird der Energieengpass spürbar werden. Die Energiepreise
werden nie dagewesene Höhen erreichen."

Die möglichen Konsequenzen für die Weltwirtschaft und für Herrn
und Frau Österreicher erläutert Cerveny mit einem Gedankenexperiment:
Nehmen wir an, dass das Barrel Erdöl $ 250,- kostet. Der Preis für
einen Liter Benzin oder Diesel läge in diesem Fall bei rund Euro 1,90
und für einen Liter Heizöl würden rund Euro 1,60 zu bezahlen sein.
Unter diesen Bedingungen müsste ein durchschnittlicher
Ölheizungs-Haushalt mit einem PKW um Euro 3.500,- mehr pro Jahr für
Heizung und für die Mobilität ausgeben als derzeit. Aufgrund der
logisch folgenden Preissteigerungen bei energieintensiven Produkten,
wie z. B. Lebensmittel oder Flugreisen, käme es zu zusätzlichen
Kaufkraftverlusten.

Zeitraum für ein "Soft Landing" wird immer knapper

Auch der sogenannte Hirsch-Report - er wurde 2005 im Auftrag des
US-Energie¬ministeriums erstellt - warnt, dass ein nicht rechtzeitig
beantworteter Rückgang der Ölförderung noch nie dagewesene Folgen für
die Weltwirtschaft, die Gesellschaften und für die Politik haben
wird. Um diesen gefährlichen Folgen zu entkommen - so der
Hirsch-Report - müssen mindestens zehn Jahre vor dem "Peak Oil"
angebots- und nachfrageseitige Maßnahmen gesetzt werden.

Maßnahmen: Senkung des Energieverbrauches & mehr Erneuerbare

Die Maßnahmen, die gegen die drohende Öl- und Energiekrise helfen,
sind im Wesentlichen die gleichen wie jene, die im Kampf gegen den
Treibhauseffekt erforderlich sind: eine drastische Senkung des
Energieverbrauchs und eine massive Ausweitung des Einsatzes von
erneuerbaren Energien.

Die Energiekrise wird für diejenigen geringere Auswirkungen haben,
die möglichst wenig von im Preis schwankenden Energieträgern abhängig
sind. Jeder einzelne Bürger kann sich - ebenso wie jeder Betrieb -
durch Energiesparmaßnahmen und durch den Umstieg auf erneuerbare
Energien schon jetzt ein Stück krisenresistenter machen und dadurch
noch dazu die Konjunktur beleben. Eine Win-Win-Situation!

Es wäre aber auch notwendig, dass seitens der Politik - und zwar
auf globaler Ebene - noch viel mehr getan wird, um die dringend
notwendigen Investitionen in eine nachhaltige Energie- und
Klimapolitik zur Top-Priorität werden zu lassen.

Mag. Michael Cerveny
Energie- und Klimaschutzexperte der Österreichischen Gesellschaft
für Umwelt und Technik (ÖGUT)

Mehr über die ÖGUT: www.oegut.at

Mehr über Mag. Cerveny:
http://www.oegut.at/de/portrait/team/cerveny.php

Mehr über seine Analyse der Entwicklungen am internationalen
Öl-markt: http://www.ots.at/redirect.php?oegut

Rückfragehinweis:

DI Rosi Hingsamer
   Club Niederösterreich
   Bartensteingasse 4/16, A-1010 Wien
   Tel.: +43-1-533 84 01-13
   Fax: +43-1-533 84 01-20
   mailto:[email protected]
   Web: www.clubnoe.at

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