35 "Gelingensbedingungen" an Ministerin Claudia Schmied

BMHS-Lehrer präsentieren Grünbuch zur BMHS-Zukunft

Wien (OTS) - Für Bildungsministerin Dr. Claudia Schmied eröffnet sich parallel zu den aktuellen Problemen völlig unerwartet eine zweite, allerdings sachlich fundierte, Front: Am Freitag präsentierten die Lehrer an den berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS, Fraktion Christlicher Gewerkschafter/FCG als Mehrheitsfraktion) ein Grünbuch zur Zukunft der BMHS, das in knapp halbjähriger Arbeit erstellt wurde. Darin wird nicht ohne Stolz festgehalten, dass die BMHS das größte Oberstufenschulwesen Österreichs sind und fast zwei Drittel aller Maturantinnen und Maturanten stellen.

Um diese Erfolgsstory fortzusetzen, habe der Dienstgeber jedoch 35 "Gelingensbedingungen" "für eine zukunftsorientierte und erfolgreiche Berufsausbildung in Österreich" zu erfüllen, "damit eine weiterhin so erfolgreiche Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer der BMHS auch in Zukunft gesichert" ist, sagte der Vorsitzende der BMHS-Gewerkschaft, Prof. MMag. Jürgen Rainer. "Wir haben Konzepte - im Gegensatz zur Frau Minister!"

Diese 35 Forderungen "gegenüber der Politik, aber zugunsten der Schüler", wie Rainer betonte, bilden den zweiten Teil des 50-seitigen Grünbuches, das zur Hälfte einer detaillierten Bestandsaufnahme des gesamten Bildungswesens, mit demoskopischen Daten, Tabellen und Verweisen auf Rechtsgrundlagen und EU-Konnexen gewidmet ist. Das Grünbuch wird nun an das gesamte BMHS-Lehrpersonal sowie an die Bildungspolitiker versendet, nach Einarbeitung des feedback (per Fragebogen und e-mail) wird im Herbst ein Weißbuch folgen.

35 Forderungen: Weiterbildungszentren, Kontaktstunde...

Aus den 35 Forderungen ("Gelingensbedingungen") des Grünbuches, gegliedert in neun Teilbereiche, stechen fünf besonders heraus:

  • Ausbau der BMHS-Standorte zu beruflichen Innovations- und Weiterbildungszentren im Sinne von "lebensbegleitendem Lernen" (LLL). (Ford. 26)
  • Anrechnung von erworbenem Wissen sowie Befähigungen und von Kompetenzen, die an BMHS erworben werden, im tertiären Bereich. (Ford. 25)
  • Eine wöchentliche Kontaktstunde pro Klasse gemeinsam mit dem Klassenvorstand zur Festigung der sozialen Kompetenzen im Klassenverband. (Ford. 17)

- Rücknahme der sogenannten "Entlastungsverordnung", mit der zwei Wochenstunden willkürlich aus den Lehrplänen gestrichen wurden. (Ford. 15)

- Neue Rolle der Schulpartnerschaft an BMHS. Verbindliche Leistungs- und Verhaltensvereinbarungen zwischen mündigen Partnern.

(Ford. 19)

BMHS besser und billiger als AMS, Wifi und BFI

Rainer sprach auch die Gefahr an, dass Bildungsdienstleistungen von der Wirtschaft zunehmend als lukrativer Zukunftsmarkt erkannt würden, was sich in immer mehr Seminaren und Fortbildungsveranstaltungen, der Zertifizierung von Bildungsabschlüssen, Angeboten privater Bildungseinrichtungen und immer mehr privater Hochschulen zeige. Um in diesem Wirtschaftszweig neue Märkte erschließen zu können, werde "zuerst der Istzustand krank geredet und dann der Staat als Anbieter zurückgedrängt." Wirtschaftsverbände würden sich zunehmend mit staatlichen Institutionen vernetzen und angepasste "Reformkonzepte" liefern.

Dies führe letztlich dazu, zeigte Rainer auf, dass "schulferne 'Bildungsexperten' aus Industrie und Gewerbe neue Bildungskonzepte mit dem Ziel erarbeiten, Bildungspolitik und Bildungsinhalte nach ihren eigenen Vorstellungen und zu ihrem Nutzen auszurichten," warnte der Vorsitzende. Sinngemäß meinte Rainer, die BMHS als staatliche Schule dürfe sich nicht von privaten Bildungsdienstleistern an die Wand drücken lassen. Die BMHS können "vieles besser und billiger als AMS, Wifi und BFI", ergänzte Rainer-Vorgänger Prof. Dkfm. Mag. Helmut Skala, Vorstandsmitglied der Europa-Lehrergewerkschaft ETUCE.

"Regierungsprogramm enthält nur unverbindliche Worthülsen"

"Wir wollen mit diesem Grünbuch eine öffentliche und wissenschaftliche Bildungsdiskussion herbeiführen, politische Reaktionen und Aktivitäten in Gang setzen und damit die Grundlagen unsere Arbeit verbessern und nachhaltig sicherstellen", betonte Vorsitzender-Stellvertreter Prof. Mag. Roland Gangl. Er bedauerte in diesem Zusammenhang, dass das Regierungsprogramm die meisten der 35 BMHS-Forderungen kaum berücksichtige oder "lediglich unverbindliche Worthülsen dazu enthält".

"Selbsternannte Bildungswissenschaftler & Elfenbeinturm-Theoretiker"

Weil die Bildung derzeit in der politischen Auseinandersetzung eine prominente Rolle spiele wie noch nie zuvor, werde leider oft plakativ und vereinfachend argumentiert, bedauerte Skala. Er kritisierte, dass sich dabei "selbsternannte Bildungswissenschaftler den Medien als Experten anbieten" und manche Sachverständige meinen, "dass Bildungsvorstellungen, die am grünen Tisch der Politik oder im Elfenbeinturm der Theorie entwickelt werden, auch in der Praxis erfolgreich ein müssen". (schluss)

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