- 03.04.2009, 12:52:08
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35 "Gelingensbedingungen" an Ministerin Claudia Schmied
BMHS-Lehrer präsentieren Grünbuch zur BMHS-Zukunft
Wien (OTS) - Für Bildungsministerin Dr. Claudia Schmied eröffnet
sich parallel zu den aktuellen Problemen völlig unerwartet eine
zweite, allerdings sachlich fundierte, Front: Am Freitag
präsentierten die Lehrer an den berufsbildenden mittleren und höheren
Schulen (BMHS, Fraktion Christlicher Gewerkschafter/FCG als
Mehrheitsfraktion) ein Grünbuch zur Zukunft der BMHS, das in knapp
halbjähriger Arbeit erstellt wurde. Darin wird nicht ohne Stolz
festgehalten, dass die BMHS das größte Oberstufenschulwesen
Österreichs sind und fast zwei Drittel aller Maturantinnen und
Maturanten stellen.
Um diese Erfolgsstory fortzusetzen, habe der Dienstgeber jedoch 35
"Gelingensbedingungen" "für eine zukunftsorientierte und erfolgreiche
Berufsausbildung in Österreich" zu erfüllen, "damit eine weiterhin so
erfolgreiche Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer der BMHS auch in
Zukunft gesichert" ist, sagte der Vorsitzende der BMHS-Gewerkschaft,
Prof. MMag. Jürgen Rainer. "Wir haben Konzepte - im Gegensatz zur
Frau Minister!"
Diese 35 Forderungen "gegenüber der Politik, aber zugunsten der
Schüler", wie Rainer betonte, bilden den zweiten Teil des 50-seitigen
Grünbuches, das zur Hälfte einer detaillierten Bestandsaufnahme des
gesamten Bildungswesens, mit demoskopischen Daten, Tabellen und
Verweisen auf Rechtsgrundlagen und EU-Konnexen gewidmet ist. Das
Grünbuch wird nun an das gesamte BMHS-Lehrpersonal sowie an die
Bildungspolitiker versendet, nach Einarbeitung des feedback (per
Fragebogen und e-mail) wird im Herbst ein Weißbuch folgen.
35 Forderungen: Weiterbildungszentren, Kontaktstunde...
Aus den 35 Forderungen ("Gelingensbedingungen") des Grünbuches,
gegliedert in neun Teilbereiche, stechen fünf besonders heraus:
- Ausbau der BMHS-Standorte zu beruflichen Innovations- und Weiterbildungszentren im Sinne von "lebensbegleitendem Lernen" (LLL). (Ford. 26) - Anrechnung von erworbenem Wissen sowie Befähigungen und von Kompetenzen, die an BMHS erworben werden, im tertiären Bereich. (Ford. 25) - Eine wöchentliche Kontaktstunde pro Klasse gemeinsam mit dem Klassenvorstand zur Festigung der sozialen Kompetenzen im Klassenverband. (Ford. 17)
- Rücknahme der sogenannten "Entlastungsverordnung", mit der zwei
Wochenstunden willkürlich aus den Lehrplänen gestrichen wurden.
(Ford. 15)
- Neue Rolle der Schulpartnerschaft an BMHS. Verbindliche
Leistungs- und Verhaltensvereinbarungen zwischen mündigen Partnern.
(Ford. 19)
BMHS besser und billiger als AMS, Wifi und BFI
Rainer sprach auch die Gefahr an, dass Bildungsdienstleistungen
von der Wirtschaft zunehmend als lukrativer Zukunftsmarkt erkannt
würden, was sich in immer mehr Seminaren und
Fortbildungsveranstaltungen, der Zertifizierung von
Bildungsabschlüssen, Angeboten privater Bildungseinrichtungen und
immer mehr privater Hochschulen zeige. Um in diesem Wirtschaftszweig
neue Märkte erschließen zu können, werde "zuerst der Istzustand krank
geredet und dann der Staat als Anbieter zurückgedrängt."
Wirtschaftsverbände würden sich zunehmend mit staatlichen
Institutionen vernetzen und angepasste "Reformkonzepte" liefern.
Dies führe letztlich dazu, zeigte Rainer auf, dass "schulferne
'Bildungsexperten' aus Industrie und Gewerbe neue Bildungskonzepte
mit dem Ziel erarbeiten, Bildungspolitik und Bildungsinhalte nach
ihren eigenen Vorstellungen und zu ihrem Nutzen auszurichten," warnte
der Vorsitzende. Sinngemäß meinte Rainer, die BMHS als staatliche
Schule dürfe sich nicht von privaten Bildungsdienstleistern an die
Wand drücken lassen. Die BMHS können "vieles besser und billiger als
AMS, Wifi und BFI", ergänzte Rainer-Vorgänger Prof. Dkfm. Mag. Helmut
Skala, Vorstandsmitglied der Europa-Lehrergewerkschaft ETUCE.
"Regierungsprogramm enthält nur unverbindliche Worthülsen"
"Wir wollen mit diesem Grünbuch eine öffentliche und
wissenschaftliche Bildungsdiskussion herbeiführen, politische
Reaktionen und Aktivitäten in Gang setzen und damit die Grundlagen
unsere Arbeit verbessern und nachhaltig sicherstellen", betonte
Vorsitzender-Stellvertreter Prof. Mag. Roland Gangl. Er bedauerte in
diesem Zusammenhang, dass das Regierungsprogramm die meisten der 35
BMHS-Forderungen kaum berücksichtige oder "lediglich unverbindliche
Worthülsen dazu enthält".
"Selbsternannte Bildungswissenschaftler & Elfenbeinturm-Theoretiker"
Weil die Bildung derzeit in der politischen Auseinandersetzung
eine prominente Rolle spiele wie noch nie zuvor, werde leider oft
plakativ und vereinfachend argumentiert, bedauerte Skala. Er
kritisierte, dass sich dabei "selbsternannte Bildungswissenschaftler
den Medien als Experten anbieten" und manche Sachverständige meinen,
"dass Bildungsvorstellungen, die am grünen Tisch der Politik oder im
Elfenbeinturm der Theorie entwickelt werden, auch in der Praxis
erfolgreich ein müssen". (schluss)
Rückfragehinweis:
Gewerkschaft der Lehrerinnen und Lehrer an berufsbildenden mittleren und höheren Schulen-Bundesleitung 14 Büro BMHS-Gewerkschaft Tel.: 01/533 63 35, e-mail: [email protected] Pressebetreuung: Michael Kress mobil: 0664/201 70 45, mailto:[email protected]
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