Die Filmindustrie trauert um Niki List

Niki List Donnerstag überraschend tödlich verunglückt

Wien (PWK261) - Donnerstag, kurz nach 02:00 Uhr ist der österreichische Filmregisseur und Drehbuchautor Niki List verstorben:
Niki List war im Anschluss an die Premierenfeier zum Studentenfilmfestival der Filmakademie in einem Wiener Innenstadtlokal, als er plötzlich stürzte und bewusstlos liegen blieb. Kurze Zeit später starb Niki List. Er hinterlässt eine Frau und ein dreijähriges Kind.

Niki List, geb. am 28. Juni 1956 studierte Theaterwissenschaften und wirkte nach einer Ausbildung auf der Höheren Graphischen Bundeslehr- und Versuchsanstalt in Wien als Pressefotograf und bei Theaterprojekten. 1982 landete er mit seinem Spielfilm "Café Malaria" einen ersten Publikumserfolg.

Schon mit "Malaria" hat Niki List sein besonderes Gespür für den 80er Zeitgeist und für die konsequente Darstellung einer Epoche gezeigt und damit nach wie vor eine der schönsten österreichischen Filmkomödien über die österreichische Szene geschaffen; mit "Müllers Büro" immerhin einen Publikumserfolg vorgelegt, den kein österreichischer Film seit "Sissy" je erreicht hat.
Parallel mit der Einführung der Filmförderung war Niki List einer der ersten Filmschaffenden, der den österreichischen Film in der Nachkriegszeit über die zuvor strukturell bedingte Bedeutungslosigkeit hinaus in das Bewusstsein der österreichischen Öffentlichkeit brachte und damit einer der Väter der heutigen österreichischen Filmerfolge.

Mit "Café Malaria", "Müllers Büro", bei dem er so nebstbei das Kabarettphänomen Andreas Vitasek entdeckte und miterfand, und der Trilogie "Mama lustig" (1984), "Muss denken" (1991) und "Mein Boss bin ich" (2001) dokumentierte er in bemerkenswerter Weise über die Jahre hinweg das Leben eines Mannes mit Down-Syndrom. Seit 1992 gründete List die Cult-Film Produktion und führte diese zusammen mit Burkhard Ernst bis zu seinem Tod. Zuletzt drehte List 2002 das Dokudrama "Move" über Jugend in Wien und feierte 2007 im Wiener Metropol die Theaterversion des Filmmusicals "Müllers Büro".
Niki List erhielt für "Café Malaria" den Max-Ophül-Preis, den Preis Young Cinema Tokyo für "Müllers Büro" und zuletzt - Anfang März - vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur den Berufstitel Professor.

Während der Arbeit in der Cult-Film wurden bewusst auch Filme und Fernsehprojekte anderer Regisseure und Autoren gefördert und sind auf diese Weise neben den Arbeiten von Niki List auch solche von Andreas Gruber, Christian Berger, Jan Schütte, Harald Sicheritz, Robert Schindler, Thomas Roth, Holger Barthel und Lukas Stepanik entstanden. Damit war Niki List neben seiner eigenen wegweisenden Tätigkeit auch Wegbereiter für andere Regisseure, die noch heute zur kreativen Basis des österreichischen Filmschaffens zählen.

Dass seit "Move" die künstlerischen Möglichkeiten Niki List (u. a. auch vom Fernsehen) nicht genutzt wurden, ist in kultureller und menschlicher Sicht tragisch. Dass die letzten Lebensjahre von Niki List auch durch Krankheit geprägt war, kann dafür jedenfalls nicht der Grund gewesen sein. Ebenso wenig wie seine nach wie vor brennende kreative Leidenschaft.

Die Filmwirtschaft verliert mit Niki List einen Wegbereiter des neuen österreichischen Kinos, einen "Professor selbstständig", "Professor unberechenbar", "Professor Leichtsinn" (Copyright Alexander Horvath - anlässlich seiner Laudatio auf Niki List im März 2009) und einen filmischen Innovator. (us)

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