• 02.04.2009, 17:28:24
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Für viele kommt die Genugtuung zu spät - von Alexis Johann

Tempo ist das schärfste Werkzeug für die Behörden

Wien (OTS) - Anleger, Fondsmanager, Bankmitarbeiter und
Globalisierungskritiker dürfte ein seltener Moment der Genugtuung
geeint haben, als bekannt wurde, dass Julius Meinl V. in
Untersuchungshaft genommen wurde. Was immer an den Vorwürfen zu
"Provisionsschinderei" und "Anlegerbetrug" dran ist (die Vorwürfe
werden von Meinl bestritten), es zeigt sich, dass die Mühlen des
Gesetzes mahlen. Aber warum denn nur so langsam? "15 Prozent
jährliche Wertsteigerung bis 2010 und ein Kurs von 20 Euro. Wir
wollen selbst von der Wertsteigerung profitieren und planen ein
umfangreiches Aktienrückkaufprogramm." So informierte Meinl European
Land am 27. Juli 2007 die Aktionäre. Zu diesem Zeitpunkt war der
Rückkauf der Immobilienpapiere jedoch beinahe abgeschlossen. Etwa
drei Wochen später leitete die Finanzmarktaufsicht (FMA) Ermittlungen
ein.

Die Erkenntnis: Es gilt das Aktienrecht von Jersey und nicht das von
Wien. Eine Ansicht, der sich die Wiener Börse sofort anschloss. Die
Meldepflicht für Aktienrückkäufe liege bei MEL erst bei 30 und nicht
bei zehn Prozent. Erst der öffentliche Druck führte zu einem Umdenken
und zur Aufnahme der Ermittlungen in Richtung Marktmissbrauch und
Insiderhandel.

Die FMA rief auch die Nationalbank zur Hilfe. Dann geschah lange
nichts, außer dass Verantwortung anderen zugeschoben wurde. Die Meinl
Bank hatte so Zeit, Schäfchen ins Trockene zu bringen. Konkret ging
es darum, sich die Cash Cows, die lukrativen Managementverträge für
MEL, MIP und MAI, versilbern zu lassen. Exakt ein Jahr nach
Bekanntwerden der ominösen Rückkäufe erhielt die Bank für die Ablöse
der Managementverträge 280 Millionen Euro. Erst dann tröpfelten
Informationen durch, dass die FMA die Meinl Bank als Drahtzieher der
Rückkäufe identifiziert hatte. Für die Anleger kam das zu spät.

Es musste jedoch wieder ein dreiviertel Jahr vergehen, bis es zu
Hausdurchsuchungen kam. Erstaunlich, dass die Staatsanwaltschaft
angibt, fündig geworden zu sein. Meinl Bank-Vorstandssprecher Peter
Weinzierl sieht sein Institut als Opfer der Medienöffentlichkeit.
Die bittere Wahrheit ist, dass seine Einschätzung stimmt. Dort, wo
die Öffentlichkeit die Causen aus den Augen verloren hat, geht bei
den Ermittlungen gar nichts weiter. Internationale Steuer- und
Marktbehörden leiten jedoch gerade aus der Aktualität ihre
eigentliche Stärke ab. Die in London diskutierte schärfere Kontrolle
der Finanzmärkte scheint aus rot-weiß-roter Sicht Lichtjahre
entfernt.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at

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