Berlakovich: Österreich soll energieautark werden und Gentechnik- Selbstbestimmung bekommen

Glaser: Regionale Unabhängigkeit bei Ernährung und Energie ist Schlüsselziel in Entwicklungspolitik - Podiumsdiskussion des IUFE über Energie und Ernährung in Zeiten des Klimawandels

Wien, 02. April 2009 (ÖVP-PD) „Österreich soll auf lange Sicht energieautark werden und die benötigte Energie aus eigenen Quellen erzeugen. Sich in höhere energiepolitische Abhängigkeit von anderen Ländern zu begeben, ist widersinnig.“ Dieses Ziel formulierte Landwirtschafts- und Umweltminister Nikolaus Berlakovich bei einer Podiumsdiskussion des Instituts für Umwelt, Friede und Entwicklung (IUFE) gestern Abend in Wien. Er will sich in der EU auch dafür einsetzen, dass den einzelnen Staaten das Selbstbestimmungsrecht für den Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft eingeräumt wird. ****

In Weiterentwicklung der jüngsten Ökostromgesetz-Novelle werde es mittelfristig notwendig sein, sämtliche Fördersysteme für erneuerbare Energie umzustellen. „Wir haben uns in der EU darauf geeinigt, den Anteil der erneuerbaren Energieträger signifikant zu erhöhen. Für Österreich bedeutet das, den Anteil bis zum Jahr 2020 von 23,4 Prozent auf 34 Prozent zu steigern“, erläuterte Berlakovich. „Auch den Entwicklungsländern müssen wir helfen, ihre Ziele im Klimaschutz und in der Ernährungssicherheit zu erreichen.“

Glaser: Überschüssige Agrar-Ressourcen für Bioenergie sinnvoll nutzen

Energie und Ernährung werden oft fälschlich als Gegensätze dargestellt, so NR-Abg. Franz Glaser, Vorsitzender des IUFE. „Eine Konkurrenz ist dann gegeben, wenn großflächige Landwirtschaft auf Kosten von Kleinbauern betrieben wird, wenn in Entwicklungsländern Urwald gerodet wird und auf diesen Flächen Produkte für Tierfütterung und Biosprit hergestellt werden, die über tausende von Kilometer transportiert werden.“

In Europa sei die Situation aber anders zu beurteilen. „Wir haben in vielen Bereichen Überproduktion, es gibt ungenützte Brachflächen und Holzüberschüsse. Diese Ressourcen für die Erzeugung von Bioenergie zu nutzen, ist absolut sinnvoll und gerechtfertigt“, stellte Glaser fest. Es sei daher ein lohnenswertes Ziel, möglichst alle Regionen der Welt in Ernährung und Energie autark zu machen. „Das bedeutet Sicherheit im Krisenfall, schafft Arbeitsplätze und erhält die Besiedlung im ländlichen Raum. Auch das Klima würde durch die Verminderung von Transporten enorm profitieren.“

Sachs: Agrarische Produktivität neu bewerten

Für eine Neudefinition des Begriffs der Produktivität in der Landwirtschaft trat Wolfgang Sachs vom Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt und Energie ein. „Die fossile Revolution hat zwar zu enormen Produktivitätsgewinnen pro Arbeitskraft geführt. Aber die Produktivität, gemessen am Mitteleinsatz oder an der Hektarfläche, hat damit nicht Schritt gehalten.“

Sachs plädierte für einen Produktivitätsbegriff, der sich an Gemeinschaftsgütern wie Wasser, Luft oder Landschaft und biologischer Vielfalt orientiert. Er zeigte sich auch davon überzeugt, dass die Biolandwirtschaft die Hauptrolle spielen wird, sobald die Erdölvorräte zur Neige gehen. „Es gibt gar keine andere Möglichkeit.“

Herren: Bio-Landwirtschaft ist große Zukunftschance für Afrika

In Entwicklungsländern - besonders in Afrika - könnte die Ernährungssituation drastisch verbessert werden, wenn die Produktivität in der Landwirtschaft gesteigert wird, betonte Hans-Rudolf Herren, Mitautor des Weltagrarberichts. Die notwendigen Steigerungen der Produktivität könnten durchaus durch biologische Bewirtschaftung erzielt werden. Die Industriestaaten seien daher gefordert, ihre Entwicklungshilfemittel für nachhaltige Landwirtschaft deutlich zu erhöhen.

Eine Haupthürde für die Bauern in den Entwicklungsländern ist nicht nur die Höhe der Produktpreise, sondern vor allem ihre Schwankungen, ergänzte Herren. „Sie halten die Bauern von notwendigen Investitionen ab. Gegen Ernteausfälle gebe es auch kein Versicherungssystem, wie es in Europa oder Nordamerika üblich ist.“

Salzer: Für mehr Regulierung und Selbstbestimmung der Agrarmärkte

Eine Region oder ein Staat sollte das Recht haben, die Ernährungspolitik für seine Bevölkerung möglichst selbst zu bestimmen, sagte Irmi Salzer von der Kleinbauernvereinigung Via Campesina. Dumpingpreise und verschiedene Subventionssysteme untergraben hingegen diese Souveränität. Salzer trat für eine stärkere Regulierung der Agrarmärkte und für eine klarere Kennzeichnung von Lebensmitteln ein.

Die Podiumsdiskussion des IUFE war der Auftakt zur zweitägigen Fachtagung „Ernährungs-, Energie- und Klimakrise“ voraus, die noch bis zum 3. April in Wien veranstaltet (Detailinformationen unter www.iufe.at). Experten gehen der Frage nach, wie Versorgungssicherheit und Ernährungssouveränität in Zeiten des Klimawandels, der Energie-, Welternährungs- und Finanzkrise in allen Teilen der Welt gewährleistet werden können.

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