• 01.04.2009, 19:05:58
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"Entartete Musik(er)" im Palais Epstein Koehne Quartett spielt Ernst Krenek, Erwin Schulhoff und Bela Bartok

Wien (PK) - Das vielfältige Musikschaffen zwischen den beiden
Weltkriegen stand heute Abend im Mittelpunkt einer Veranstaltung im
Palais Epstein. Unter dem Titel "Entartete Musik(er)" wurden drei
bedeutende Komponisten des 20. Jahrhunderts - Bela Bartok, Ernst
Krenek und Erwin Schulhoff - in einer Mischung aus Vortrag und
Musikdarbietung präsentiert. Eingeladen zur Veranstaltung hatte
Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, sie eröffnete auch den als
Begleitveranstaltung zur Republikausstellung im Parlament
konzipierten Musikabend.

Prammer wies in ihrer Begrüßungsrede darauf hin, dass viele
KünstlerInnen im Nationalsozialismus verfolgt worden seien, viele
hätten sich aber auch in das Regime eingefügt. Es sei notwendig,
beide Seiten der Medaille auszuleuchten, betonte sie und bekräftigte
ihren bereits wiederholt geäußerten Standpunkt, wonach kein
"Schlussstrich" unter die Vergangenheit gezogen werden dürfe. Die
heutige Musikveranstaltung passe besonders gut in das Palais Epstein,
erklärte Prammer, schließlich sei der Festsaal des Palais schon zu
Lebzeiten von Gustav Ritter von Epstein häufig für künstlerische
Darbietungen genutzt worden.

Lorenz Mikoletzky, Generaldirektor des Österreichischen Staatsarchivs
und gemeinsam mit Stefan Karner für die Konzeption der
Republikausstellung verantwortlich, unterstrich, es sei nicht nur ein
Anliegen der Republikausstellung, sondern ein allgemeines Anliegen,
die Vergangenheit Österreichs aufzuarbeiten. In der Ausstellung
selbst käme die Zeit zwischen 1938 und 1945 aufgrund notwendiger
thematischer Beschränkungen etwas kurz, meinte er, umso mehr habe man
sich bemüht, ihr in diversen Begleitveranstaltungen entsprechenden
Raum zu widmen.

Durch den Abend führte der Musikwissenschafter Richard Steurer. Er
machte unter anderem darauf aufmerksam, dass es zu keiner Zeit ein
einfaches Unterfangen gewesen sei, Streichquartette zu komponieren.
Im 20. Jahrhundert rückten die Quartette ihm zufolge wieder in den
Vordergrund, wobei sich die neuen Kompositionen von den meisten
früheren Stücken dadurch unterschieden, dass sie in der Regel nur
noch von professionellen Musikern zu bewältigen gewesen seien.

Ernst Krenek, 1900 in Wien geboren, zählt, so Steurer, zu den
universellsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Seine Musik wurde,
wie jene des lange Zeit in Vergessenheit geratenen Komponisten Erwin
Schulhoff, vom Nationalsozialismus als "entartet" gebrandmarkt und
verboten. Während Krenek 1938 jedoch die Flucht in die USA gelang,
überlebte Schulhoff das NS-Regime nicht. Er wurde, bevor er wie
geplant in die Sowjetunion übersiedeln konnte, 1941 in ein
bayerisches Konzentrationslager deportiert, wo er 1942 verstarb.
Schulhoff experimentierte mit verschiedenen avantgardistischen
Musikrichtungen und war einer der ersten europäischen Komponisten,
der Jazz-Elemente in seine Werke integrierte.

Der ungarische Komponist Bela Bartok stand zwar nicht auf der
schwarzen Liste des NS-Regimes, er selbst lehnte den
Nationalsozialismus aber aufs Schärfste ab und wählte 1940 freiwillig
das amerikanische Exil, wo er 1945 an Leukämie starb.

Zu den vom "Koehne Quartett" gespielten Stücken gehörten unter
anderem zwei Sätze aus dem Streichquartett Nr. 3 von Ernst Krenek,
sieben aus 44 Duos für zwei Violinen von Bela Bartok sowie fünf
Stücke für Streichquartett von Erwin Schulhoff, letzteres
"stilisierte Tanzmusik auf höchstem Niveau", wie Steurer betonte.

Das 1987 von Joanna Lewis gegründete und nach einem australischen
Komponisten benannte "Koehne Quartett" hat sich auf die
Interpretation zeitgenössischer Musik spezialisiert. Zum Repertoire
von Joanna Lewis (Violine), Anne Harvey-Nagl (Violine), Petra
Ackermann (Viola) und Melissa Coleman (Cello) gehören aber auch
klassische Streichquartette. Das Quartett arbeitet regelmäßig mit
internationalen Jazzmusikern und mit Künstlern aus der Weltmusik
zusammen. (Schluss)

HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung finden Sie - etwas
zeitverzögert - auf der Website des Parlaments im Fotoalbum:
www.parlament.gv.at.

Eine Aussendung der Parlamentskorrespondenz
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