"Entartete Musik(er)" im Palais Epstein Koehne Quartett spielt Ernst Krenek, Erwin Schulhoff und Bela Bartok

Wien (PK) - Das vielfältige Musikschaffen zwischen den beiden Weltkriegen stand heute Abend im Mittelpunkt einer Veranstaltung im Palais Epstein. Unter dem Titel "Entartete Musik(er)" wurden drei bedeutende Komponisten des 20. Jahrhunderts - Bela Bartok, Ernst Krenek und Erwin Schulhoff - in einer Mischung aus Vortrag und Musikdarbietung präsentiert. Eingeladen zur Veranstaltung hatte Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, sie eröffnete auch den als Begleitveranstaltung zur Republikausstellung im Parlament konzipierten Musikabend.

Prammer wies in ihrer Begrüßungsrede darauf hin, dass viele KünstlerInnen im Nationalsozialismus verfolgt worden seien, viele hätten sich aber auch in das Regime eingefügt. Es sei notwendig, beide Seiten der Medaille auszuleuchten, betonte sie und bekräftigte ihren bereits wiederholt geäußerten Standpunkt, wonach kein "Schlussstrich" unter die Vergangenheit gezogen werden dürfe. Die heutige Musikveranstaltung passe besonders gut in das Palais Epstein, erklärte Prammer, schließlich sei der Festsaal des Palais schon zu Lebzeiten von Gustav Ritter von Epstein häufig für künstlerische Darbietungen genutzt worden.

Lorenz Mikoletzky, Generaldirektor des Österreichischen Staatsarchivs und gemeinsam mit Stefan Karner für die Konzeption der Republikausstellung verantwortlich, unterstrich, es sei nicht nur ein Anliegen der Republikausstellung, sondern ein allgemeines Anliegen, die Vergangenheit Österreichs aufzuarbeiten. In der Ausstellung selbst käme die Zeit zwischen 1938 und 1945 aufgrund notwendiger thematischer Beschränkungen etwas kurz, meinte er, umso mehr habe man sich bemüht, ihr in diversen Begleitveranstaltungen entsprechenden Raum zu widmen.

Durch den Abend führte der Musikwissenschafter Richard Steurer. Er machte unter anderem darauf aufmerksam, dass es zu keiner Zeit ein einfaches Unterfangen gewesen sei, Streichquartette zu komponieren. Im 20. Jahrhundert rückten die Quartette ihm zufolge wieder in den Vordergrund, wobei sich die neuen Kompositionen von den meisten früheren Stücken dadurch unterschieden, dass sie in der Regel nur noch von professionellen Musikern zu bewältigen gewesen seien.

Ernst Krenek, 1900 in Wien geboren, zählt, so Steurer, zu den universellsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Seine Musik wurde, wie jene des lange Zeit in Vergessenheit geratenen Komponisten Erwin Schulhoff, vom Nationalsozialismus als "entartet" gebrandmarkt und verboten. Während Krenek 1938 jedoch die Flucht in die USA gelang, überlebte Schulhoff das NS-Regime nicht. Er wurde, bevor er wie geplant in die Sowjetunion übersiedeln konnte, 1941 in ein bayerisches Konzentrationslager deportiert, wo er 1942 verstarb. Schulhoff experimentierte mit verschiedenen avantgardistischen Musikrichtungen und war einer der ersten europäischen Komponisten, der Jazz-Elemente in seine Werke integrierte.

Der ungarische Komponist Bela Bartok stand zwar nicht auf der schwarzen Liste des NS-Regimes, er selbst lehnte den Nationalsozialismus aber aufs Schärfste ab und wählte 1940 freiwillig das amerikanische Exil, wo er 1945 an Leukämie starb.

Zu den vom "Koehne Quartett" gespielten Stücken gehörten unter anderem zwei Sätze aus dem Streichquartett Nr. 3 von Ernst Krenek, sieben aus 44 Duos für zwei Violinen von Bela Bartok sowie fünf Stücke für Streichquartett von Erwin Schulhoff, letzteres "stilisierte Tanzmusik auf höchstem Niveau", wie Steurer betonte.

Das 1987 von Joanna Lewis gegründete und nach einem australischen Komponisten benannte "Koehne Quartett" hat sich auf die Interpretation zeitgenössischer Musik spezialisiert. Zum Repertoire von Joanna Lewis (Violine), Anne Harvey-Nagl (Violine), Petra Ackermann (Viola) und Melissa Coleman (Cello) gehören aber auch klassische Streichquartette. Das Quartett arbeitet regelmäßig mit internationalen Jazzmusikern und mit Künstlern aus der Weltmusik zusammen. (Schluss)

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