• 01.04.2009, 18:15:10
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Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Die Rechnung, bitte!"

Ausgabe vom 2. April 2009

Wien (OTS) - Alle Qualitätsmedien der Welt sind voller spannender
Analysen, was der große Gipfel in London bringen wird oder soll. Der
ORF hingegen befragt zum x-ten Mal die Globalisierungsgegner von
Attac, also von einem Privatverein, der weder demokratisch noch
wissenschaftlich legitimiert ist - sondern nur durch die Fähigkeit,
Auslagen zu demolieren. Und durch die ideologische Sympathie der
Redakteure. Offenbar will der ORF täglich beweisen, wie groß dort der
Reformbedarf ist.

*

Die Großen 20 werden alles tun, um Tatkraft zu simulieren. In
Wahrheit aber sind sie ratlos. Denn die Wiedergewinnung von Vertrauen
lässt sich nicht dekretieren. Schon gar nicht dann, wenn diese
Staaten selbst seit Jahren durch die Anhäufung gigantischer Schulden
viel zu viel fehlgeleitete Tatkraft simuliert haben. Und indem sie
bewusst die klaren Hinweise auf rechtswidrige Umtriebe ignoriert
haben, ob das nun bei uns die Bawag oder in den USA die
Madoff-Gaunereien gewesen sind.

Heute hingegen bringt eine Vermehrung der schlummernden Aufseher
nichts mehr. Denn so wie die Banken lange gefährlichen Überschwang
produziert haben, zeigen sie jetzt übervorsichtigen Unterschwang
(Pardon für die Wortschöpfung), gegen den Regulierung nichts nutzt.
Genauso wenig werden neue Trillionen frisches Geld helfen - wie Japan
beweist, das schon seit fast zwei Jahrzehnten ein nutzloses
Konjunkturpaket nach dem anderen schnürt. Künstliche Geldschaffung
kurbelt zwar kurzfristig an (siehe den absurden Autoboom), zerstört
aber langfristig das notwendige Vertrauen in eine Währung sowie in
die Zahlungsfähigkeit der Staaten; sie erhöht zudem die
aktivitätstötende Gewissheit, dass die Steuern steigen werden (woran
ÖGB und Grüne ja schon heftig basteln).

Am kreativsten klingen da noch die Ideen aus Moskau und Peking:
Dort wünscht man eine Weltwährung, an der keine amerikanische
Regierung zum Eigennutz manipulieren kann. Doch hat man leider
vorerst keine Idee, wie das gehen soll.

Eines wird jedoch täglich klarer: Die künftigen Regeln der Welt
werden kaum noch im Westen, sondern immer mehr im Osten, vor allem in
China gemacht. Wir zahlen nun die Zeche dafür, dass wir
jahrzehntelang konsumiert haben, während die Chinesen wild gehackelt
haben (ganz ohne Pension). Jetzt heißt es halt: Die Rechnung, bitte!

http://www.wienerzeitung.at/tagebuch

Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: 01/206 99-478
mailto:[email protected]

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