Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Die Rechnung, bitte!"

Ausgabe vom 2. April 2009

Wien (OTS) - Alle Qualitätsmedien der Welt sind voller spannender Analysen, was der große Gipfel in London bringen wird oder soll. Der ORF hingegen befragt zum x-ten Mal die Globalisierungsgegner von Attac, also von einem Privatverein, der weder demokratisch noch wissenschaftlich legitimiert ist - sondern nur durch die Fähigkeit, Auslagen zu demolieren. Und durch die ideologische Sympathie der Redakteure. Offenbar will der ORF täglich beweisen, wie groß dort der Reformbedarf ist.

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Die Großen 20 werden alles tun, um Tatkraft zu simulieren. In Wahrheit aber sind sie ratlos. Denn die Wiedergewinnung von Vertrauen lässt sich nicht dekretieren. Schon gar nicht dann, wenn diese Staaten selbst seit Jahren durch die Anhäufung gigantischer Schulden viel zu viel fehlgeleitete Tatkraft simuliert haben. Und indem sie bewusst die klaren Hinweise auf rechtswidrige Umtriebe ignoriert haben, ob das nun bei uns die Bawag oder in den USA die Madoff-Gaunereien gewesen sind.

Heute hingegen bringt eine Vermehrung der schlummernden Aufseher nichts mehr. Denn so wie die Banken lange gefährlichen Überschwang produziert haben, zeigen sie jetzt übervorsichtigen Unterschwang (Pardon für die Wortschöpfung), gegen den Regulierung nichts nutzt. Genauso wenig werden neue Trillionen frisches Geld helfen - wie Japan beweist, das schon seit fast zwei Jahrzehnten ein nutzloses Konjunkturpaket nach dem anderen schnürt. Künstliche Geldschaffung kurbelt zwar kurzfristig an (siehe den absurden Autoboom), zerstört aber langfristig das notwendige Vertrauen in eine Währung sowie in die Zahlungsfähigkeit der Staaten; sie erhöht zudem die aktivitätstötende Gewissheit, dass die Steuern steigen werden (woran ÖGB und Grüne ja schon heftig basteln).

Am kreativsten klingen da noch die Ideen aus Moskau und Peking:
Dort wünscht man eine Weltwährung, an der keine amerikanische Regierung zum Eigennutz manipulieren kann. Doch hat man leider vorerst keine Idee, wie das gehen soll.

Eines wird jedoch täglich klarer: Die künftigen Regeln der Welt werden kaum noch im Westen, sondern immer mehr im Osten, vor allem in China gemacht. Wir zahlen nun die Zeche dafür, dass wir jahrzehntelang konsumiert haben, während die Chinesen wild gehackelt haben (ganz ohne Pension). Jetzt heißt es halt: Die Rechnung, bitte!

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