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"Kleine Zeitung" Kommentar: "ORF-Geschichte: Wenn eine Niederlage viele Väter hat" (von Frido Hütter)
Ausgabe vom 1.4.2009
Graz (OTS) - Alexander Wrabetz ist seit zweieinhalb Jahren
Generaldirektor des ORF. Also ist er für die momentane Misere des
Unternehmens allein verantwortlich.
Aber ist er auch die alleinige Ursache dafür? Die Antwort lautet
klar: Nein. Die Anzahl seiner Mittäter ist zahlreich, wenngleich
überschaubar. Im Folgenden eine kleine Versammlung jener, die den ORF
über Jahrzehnte in jene Schwierigkeiten getrieben haben, in denen er
sich jetzt befindet.
Die Generalintendanten, allen voran Gerd Bacher. Er ist eine
kulturhistorisch leuchtende Legende, niemand würde das bestreiten. Er
hat den (damals) neuen ORF errichtet, ihn inhaltlich befruchtet und
zu hohem Ansehen geführt. Aber Bacher war auch der Architekt jener
Monumentalität, unter welcher die Anstalt heute so leidet. Kleckern
war seine Sache nicht, es durfte geklotzt werden. Sein
gigantomanischer Programmintendant Ernst Wolfram Marboe war stets
gerne mit von der Partie.
Mit schuld sind alle weiteren Generalintendanten, deren
Reformschritte ärmlich blieben.
Die Zentral-Betriebsräte. Seit jeher an der Wahl der ORF-Generäle
(oft entscheidend) beteiligt, ließen sie die Gekürten meist tüchtig
bluten. Sie haben die so genannte Freie Betriebsvereinbarung
erhandelt. Einen nicht nur nach heutigen Begriffen geradezu absurden
Katalog von Beilagen und Vergünstigungen. Heinz Fiedler (VP) war
lange Zeit Chef der Truppe, auf sein Drängen geht auch die irrwitzige
Anstellungswelle von 2005 zurück. Meist handelten die Betriebskaiser
mit voller Rückendeckung der jeweiligen Partei. So auch der mächtige
Cheftechniker Heinz Doucha (SP), der seine Abteilung einst wie ein
Renaissancefürst führte.
Der Stiftungsrat, vormals ORF-Kuratorium genannt. Seit seiner
Installierung ist dieses oberste ORF-Gremium immer ein Spiegelbild
der jeweils regierenden Parteien geblieben. Und obgleich der
Stiftungsrat per Gesetz unabhängig gestellt ist, bildeten sich sofort
wieder die "Freundeskreise", in denen die Parteifraktionen schon vor
den Plenarsitzungen ihr Abstimmungsverhalten paktieren. Ein echte
Erneuerung des ORF hat die Runde nie wirklich eingefordert. Was
etliche derzeit amtierende Stiftungsräte ehrlich unglücklich macht.
Und schließlich die Politik selbst: Noch keine bisherige Regierung
hat sich überzeugend für eine echte ORF-Reform stark gemacht. Alle
Bemühungen wurden stets darin investiert, eine für die jeweils
nächste Wahl gefügige ORF-Spitze zu basteln.
Bekanntlich haben Siege viele Väter. In Sachen ORF gilt das vor allem
für Niederlagen.****
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