• 31.03.2009, 17:27:06
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Kein großer Schritt für die Menschheit - von Michael Laczynski

Die an den Besuch von Obama geknüpften Erwartungen sind enorm

Wien (OTS) - Am 7. Juni 2001 erschien die renommierte britische
Wochenzeitung "Economist" mit einem der denkwürdigsten Titelbilder in
ihrer mehr als 150-jährigen Geschichte. Am Cover prangte das Foto
eines amerikanischen Astronauten, der in der kargen Mondlandschaft
den US-Sternenbanner befestigt. Die Überschrift dazu lautete "Mr.
Bush goes to Europe", und der gleichnamige Leitartikel handelte vom
bevorstehenden ersten Besuch des damals noch frischgebackenen
US-Präsidenten George W. Bush in Europa. Seine Quintessenz: Bush möge
zwar unerfahren sein, doch die Distanz zwischen Alter und Neuer Welt
sei glücklicherweise geringer als zwischen der Erde und ihrem
Trabanten. Eine Lösung der bilateralen Probleme hinsichtlich
Umweltschutz und Sicherheitspolitik sei daher kein Ding der
Unmöglichkeit.

Wie schnell doch die Zeit vergeht! Acht Jahre später würde niemand
mehr auf die Idee kommen, den neuen Bewohner des Weißen Hauses mit
einem ahnungslosen Astronauten zu vergleichen. Die Assoziationen, die
einem zu Barack Obamas bevorstehender Visite spontan einfallen,
liegen irgendwo zwischen der in der Bibel herbeigesehnten Ankunft des
Herren auf der einen und der aktuellen, "Funhouse" titulierten
Welttournee des US-Popsternchens Pink auf der anderen Seite. Der
Korrektheit halber muss angemerkt werden, dass der Fun-Faktor dieser
einwöchigen Dienstreise eher gering sein dürfte angesichts der
anstehenden Themen, doch hinsichtlich Glamour kann Obama mit Pink
locker mithalten.

Interessant ist jedoch, dass damals wie heute die Skepsis in Europa
groß ist. 2001 lag das vor allem an der Person Bush und seinen
unilateralen Instinkten. 2009 geht es um Sachfragen. Zwar versuchte
Obama im Vorfeld des G20-Gipfels in London, die Differenzen zwischen
dem amerikanischen Insistieren auf größere Konjunkturpakete und dem
kontinentaleuropäischen Beharren auf strengeres Regelwerk
herunterzuspielen. Gänzlich gelungen ist ihm dies aber nicht, wie der
Blick nach Paris beweist. Dort wird seit Tagen gemunkelt, dass
Präsident Nicolas Sarkozy den morgigen Gipfel platzen lassen will,
falls die Finanzmärkte nicht stärker an die Kandare genommen werden.

Zwischen der ambitionierten Weltrettungs-Agenda und den in lichte
Höhen geschraubten Erwartungen der Öffentlichkeit ist der Spielraum
für einen echten Verhandlungserfolg denkbar gering. Es bleibt zu
befürchten, dass dieser Besuch kein "großer Schritt für die
Menschheit" sein wird, wie ihn Neil Armstrong vor 40 Jahren auf dem
Mond getan hat.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at

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