OVS164: IR-Expertenforum: "Faktor Zeit wird in der Krise immer wichtiger"

In der APA in Wien diskutierten Randolf Fochler, Alexis Johann, Alexander Proschofsky und Matthias Wabl

Wien (OTS) - Welche Aufgaben und Chancen haben Investor Relations (IR) in Zeiten der Finanzkrise? In der Krise bieten das Internet und Web 2.0 neue Kommunikationsmöglichkeiten - aber auch Herausforderungen. Dazu diskutierten Montagabend Kapitalmarktexperten auf Einladung von euro adhoc und APA Finance sowie Kooperationspartner OeKB.

Der Wirtschaftsjournalist Alexis Johann vom WirtschaftsBlatt zitierte in seinem Impulsreferat eine Studie der schwedischen Beratungsagentur Hallvarsson & Hallvarsson über die Krisenkommunikation von ATX Unternehmen. Laut dieser Studie von Oktober 2008 machten die meisten Unternehmen zu diesem Zeitpunkt "Business as Usal" und 65 Prozent der untersuchten Firmen verschwiegen die Krise überhaupt. Weiters gingen nur 33 Prozent mit einem Vorstand-Statement an die Öffentlichkeit und nur 29 Prozent stellten eine eigene Subseite zur Finanzkrise auf die Firmen-Homepage.

Für ihn als Journalist sei vor allem die permanente Erreichbarkeit der Gesprächspartner wichtig, betonte Johann. Als Beispiel führte er einige österreichische Unternehmen an, welche eine Pressemitteilung verschickten und dann den ganzen Tag nicht erreichbar seien. Johann empfahl den IR-Verantwortlichen: "Messen Sie alles"; die eigene Kommunikation und die der Konkurrenz. Weiters sollen Unternehmen aktiv kommunizieren und erreichbar sein.

Für Matthias Wabl von Bloomberg ist der Faktor Zeit in den letzten Monaten immer wichtiger geworden. "Manche Unternehmen brauchen ein bis zwei Stunden, um auf Gerüchte zu reagieren", so Wabl. Dies sei eindeutig zu langsam für eine Finanznachrichtenagentur wie Bloomberg. Die Informationen und Gerüchte seien sekundenschnell "im Markt", und es wäre im Sinne der Unternehmen, Stellung zu beziehen.

Als Beispiel für schlechte Investor Relations führte Wabl den Umgang der österreichischen Banken und Regierung mit dem Osteuropa-Exposure an. Seit September/Oktober 2008 und dem Bankenpaket wüssten die Verantwortlichen von der Sachlage. Eine Kommunikation über das Thema sei aber erst mit dem Moody's Report im Februar 2009 passiert. Die Richtigstellung der Zahlen durch die Banken habe Wochen gedauert. Für Wabl solle gute IR "proaktiv" und "antizipativ" auf Themen vorbereiten, um eine ausgewogene Berichterstattung zu garantieren.

"In Zeiten der Finanzkrise gehen Vorstände nicht mehr gerne auf internationale Roadshows", konstatierte Randolf Fochler vom IR-Spezialisten Scholdan & Company. Für ihn sei es sehr wichtig, dass Vorstände auch in schlechten Zeiten auf Investoren zugehen. Das Unternehmen und die Investor Relations sollen faktenorientiert mit den Investoren kommunizieren und nicht nur die IR-Verantwortlichen zu den Investoren schicken.

Seit der Finanzkrise sei zu beobachten, dass der Markt Überraschungen härter bestrafe und die Investoren-Fragen auch härter werden. Ein Rat von Fochler an krisengeschüttelte Unternehmen: "Bitte keine unrealistischen Ziele!" In Bezug auf die schlechte Erreichbarkeit von Unternehmen nahm Fochler kleine Börseunternehmen in Schutz. Diese hätten manchmal nur einen PR- und IR-Verantwortlichen, andere Unternehmen hätten Investor Relations überhaupt ausgelagert.

Auch für Alexander Proschofsky von Cube Invest ist die Kommunikation der österreichischen Banken über das Osteuropa-Exposure ein gutes Beispiel, wie man nicht kommuniziert. Er kritisierte die Selbstschutzmentalität der Verantwortlichen, nach dem Muster "die anderen sind schuld". "Man brauche sich nicht zu wundern, wenn man bei den Investoren unter die Räder kommt", so Proschofsky. Weiters mahnte er Realismus in der Unternehmenskommunikation ein: "Man kann aus keinem Trabi einen Porsche machen".

Im Anschluss an die Statements der Kapitalmarktexperten diskutierten die Experten und das Publikum weiter über die Zukunft der Investor Relations: Webcasts von Unternehmenshauptversammlungen werden wichtiger, wenn dies auch bei Unternehmen noch nicht so verbreitet sei. Die Frage der Zukunft sei: Wie lasse ich mich informieren? SMS, Mail, Handheld, RSS oder auch Podcasts bieten vielfältige Möglichkeiten. Der direkte Kontakt zwischen Vorstand und Investoren sei aber nicht zu vernachlässigen, so das Podium. Die Experten waren sich in einem Punkt einig: Die Unternehmenshomepage sei das zentrale Organ für den Kapitalmarkt.

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