• 30.03.2009, 17:25:17
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Mit einem blauen Auge davongekommen - von Esther Mitterstieler

Trotz strategischem Zickzack-Kurs läuft das Geschäft

Wien (OTS) - Fast drei Jahre hat es gedauert, bis OMV-Chef
Wolfgang Ruttenstorfer sich mit der Idee anfreunden konnte, aus der
ungarischen MOL-Beteiligung auszusteigen. Dem gingen zehn lange Jahre
der ungarisch-österreichischen Verständnisschwierigkeiten voran: Die
Ungarn fühlten sich angesichts der Übernahmeversuche der Österreicher
"feindlich" belagert, die OMV-Spitze konnte darob nur müde den Kopf
schütteln. Es hat sich ein altes Sprichwort bewahrheitet: Wer nicht
miteinander redet, kommt nicht zusammen.

Die OMV verkauft ihren Anteil an der MOL (21,2 Prozent) an die
russische Surgutneftegaz. Der Preis ist angesichts der derzeitigen
Börsensituation erstaunlich: Pro Aktie legten die Russen 19.212
Forint hin, der MOL-Schlusskurs lag am Freitag bei 9940 Forint. Will
heißen: Die Russen haben den Österreichern mehr als doppelt so viel
bezahlt wie die Anteile am Markt wert sind. Kein Wunder, dass hier
nun die Gerüchteküche fast überschwappt. Hat die OMV vielleicht doch
nur als "Platzhalter" für die Surgutneftegaz agiert? Das wäre
angesichts des Preises möglich. Andererseits mag es eine bloße
strategische Entscheidung sein.

Zumindest bei den Preisverhandlungen hat Ruttenstorfer ein
glückliches Händchen bewiesen. Das kann man in anderen Belangen nicht
ausnahmslos behaupten. Ausgehend vom Beispiel MOL zeigt sich ziemlich
klar: Ruttenstorfer ist mit seiner Strategie gescheitert, einen
großen mitteleuropäischen Player am
Öl- und Gasmarkt zu zimmern. Daraus ist nichts geworden. Zu sehr hat
er sich mit der MOL im Kleinkrieg zermürben lassen. Es stimmt, dass
dieses schon unter Richard Schenz - mit einem Kauf von neun Prozent
der MOL-Aktien - gestartete Unterfangen von Beginn an unter einem
schlechten Stern stand. Hätte Ruttenstorfer nicht so lange gezögert
und sofort weiter zugekauft, hätte er sich weitere Reibereien
ersparen können.

Ein großer Schnitzer in nachbarschaftlichen Beziehungen war es dann,
2006 weitere MOL-Aktien einfach zuzukaufen, ohne das Management zu
informieren und sich wie ein feindlicher Übernehmer selbst ins Eck zu
stellen. Das sah dann so aus, als ob dieser Versuch nach dem
Scheitern des Deals Verbund und OMV mit der Brechstange herbeigeführt
werden musste. Auch hier hat sich der OMV-Chef - zugegebenermaßen
ohne Eigenverschulden - die Finger verbrannt. Um die Kirche im Dorf
zu lassen: In seinem Schaffen hat Ruttenstorfer immer wieder einen
Zickzack-Kurs hingelegt, aber jüngst hat er doch wieder Gewinne
eingefahren.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at

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