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Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Wir sind wieder konservativ"
Ausgabe vom 28. März 2009
Wien (OTS) - Es ist noch nicht lange her, da war es mega-out. Die
Schwarzen wehrten sich mit Händen und Füßen dagegen, als
"konservativ" bezeichnet zu werden; die Roten verwendeten dieses
Adjektiv, um ihre Konkurrenten mit einem einzigen Wort vernichtend
abzuqualifizieren. So wie die heutige Möchtegern-Spin-Doktorin Laura
R. alles Böse mit dem Vokabel "neoliberal" zu entlarven glaubt (ohne
es auch nur annähernd definieren zu können oder zu wissen, wie sehr
sich Alfred Gusenbauer selbst um das Etikett "liberal" für seine
Partei bemüht hat).
Heute ist alles anders. Wir wissen zwar noch nicht, wie die große
Krise zu Ende gehen wird und ob die jetzigen Staatsinterventionen
nicht noch mehr Unheil anrichten. Eines steht aber fest: Konservative
Werte erleben ein gewaltiges Comeback.
Nach dem aggressiven Egoismus der parasitären 68er Generation wie
auch dem der Schulden verjubelnden Banker-Generation wissen wir
heute: Vorsicht und Sparsamkeit sind die erste Bürgerpflicht. Die
Menschen können das lange vergessene Wort "Risiko" wieder
buchstabieren. Das einstige De-facto-Parteiinstitut "Bank Austria"
plakatiert, wie konservativ es sei. Junge Frauen lachen über
verkrampfte Feministinnen. "Heimat" und "Familie" bekommen bei
Umfragen absolute Spitzenwerte. Im deutschen Fernsehen wird jeden
dritten Tag diskutiert, wie schön es ist, Kinder zu bekommen (der
68er ORF hinkt da wie immer nach). Leistung und Elite, Erziehung und
Bildung haben wieder einen rasch wachsenden Stellenwert (während die
Unterrichtsministerin und ihre lebensfremden Berater noch an die
gleichmacherische Gesamtschule glauben). Auch die meisten Theater
(bis auf die Burg) haben aufgehört, das Publikum zu vertreiben.
Pornografie - eine Hauptforderung der 68er - wird teilweise wieder
pönalisiert. Eine Partei nach der anderen schwenkt auf einen harten
Law-and-Order-Kurs ein.
Dieser historische Paradigmenwechsel ist freilich noch
unvollständig. Noch ist der Wert der klassischen Sprachen und
Literatur nicht wiederentdeckt. Noch streiten die Christen lieber,
statt ihr wert-volles Angebot in die Auslage zu stellen; und
verwechseln individuelle Nächstenliebe mit dem politischen
Kampfslogan Solidarität. Noch akzeptieren wir nicht die Pflege der
eigenen Familienangehörigen als unsere eigene Pflicht.
Dennoch steht fest: Der Wandel findet statt.
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Tel.: 01/206 99-478
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