• 25.03.2009, 19:50:58
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Der Streikbeschluss der Lehrer kann niemanden verwundern" (von Carina Kerschbaumer)

Ausgabe vom 26.03.2009

Graz (OTS) - Einige wollten ja bereits am 26. Februar am
Minoritenplatz vor dem Unterrichtsministerium protestieren. Das wäre
dann einen Tag nach der Ankündigung von Claudia Schmied gewesen, die
Unterrichtsverpflichtung um zwei Stunden zu erhöhen. Empörung und
Aufregung der Lehrer hat sich bis zum gestrigen "Vorratsbeschluss"
gehalten, mit der die Gewerkschaft nun sofort einen Streik ausrufen
kann. Ein Beschluss, der programmiert war, niemanden verwundern kann
und der nun die zweite Runde einläutet.

Programmiert war er, weil Österreichs Lehrervertreter immer erklärt
haben, "keinen Millimeter weichen zu wollen". Es folgte das übliche
Ritual, das jeder Österreicher kennt. Ministerium und Gewerkschaft
bombardieren sich mit Zahlen. Die einen pochten auf die
Lehrer-Jahresarbeitszeit von rund 1800 Stunden, die Ministerin
verwies - auf Vorurteile gegenüber Lehrern bauend - auf die langen
Ferien und die Notwendigkeit der Schulreformen, die mit der
Bereitschaft der Lehrer für eine erhöhte Unterrichtszeit stehen oder
fallen würde. Geschickt hat Schmied dabei "Eltern und Kinder"
vereinnahmt und immer wieder betont, es nicht verantworten zu können,
wenn Ganztagesbetreuung und Reformen nicht weiter ausgebaut werden.

Mit offenen Karten wurde allerdings nie gespielt. Wer wie Schmied
einzig von Lehrern einen "Solidaritätsbeitrag" einfordert, muss gegen
Wände rennen. Wer gleichzeitig erklärt, die Lehrer-Arbeitszeit nur in
die Unterrichtszeit umzuschichten, zeigt ebenfalls klar, dass es
nicht um Reformen wie verstärkte Förderung von Kindern geht. Ginge es
tatsächlich darum, hätte Schmied Lehrern neue Förderkurse für
schwache Kinder zusätzlich zum Unterricht vorschlagen können. Oder
freiwillige Förderkurse für Kinder in den letzten Ferienwochen. Die
Zielrichtung wäre dann zumindest für Eltern und Schüler klar gewesen.
Und es wäre das Argument entkräftet gewesen, dass Junglehrer durch
die erhöhte Unterrichtsverpflichtung kaum noch Chancen auf Anstellung
haben werden. An durchsichtige Taktik erinnert auch, dass Schmied vor
zwei Tagen den Aufnahmestopp von Junglehrern noch verteidigt hat,
gestern aber verkünden ließ, von 2009 bis 2013 5350 Lehrer anstellen
zu wollen.

Was stimmt? Was stimmt nicht? Wie viele Förderstunden oder
Turnstunden oder Betreuung am Nachmittag wird es künftig zusätzlich
geben? Die Ministerin lässt es im Ungefähren - und bittet um
Solidarität. Das kann nicht überzeugen - weder Lehrer noch
Eltern.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung
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Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
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