WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Wenn Wünsche in Erfüllung gehen - von Wolfgang Unterhuber

Was brüten die rot-schwarzen Freunde aus?

Wien (OTS) - "Bedenke wohl, was Du Dir wünschst, es könnte Dir erfüllt werden", sagt ein Sprichwort. Kanzler Werner Faymann wurde ja unlängst so ein Wunsch erfüllt. So legte nach herber Kritik aus der SPÖ Post-Chef Anton Wais tatsächlich sein Amt nieder. Der SP-nahe Wais nannte dafür gesundheitliche Gründe. Tatsache bleibt, dass Faymann und Co mit einem so plötzlichen Rückzug des Post-Chefs nicht gerechnet hatten. Der Spitzenjob ist jetzt ausgeschrieben, doch ist nicht anzunehmen, dass ein parteifreier Profi, vielleicht sogar noch aus dem Ausland, dem erfolgreichen Wais nachfolgen wird. Der Post-Chef gehört der SPÖ. Und da ist guter Rat jetzt teuer. Denn die anderen Post-Vorstände kommen für den Chefsessel eher nicht in Frage. Als neue Kandidaten werden nun Verbund-Vorstand Christian Kern und ÖGB-Finanzchef Clemens Schneider genannt. Beides fähige Manager. Ob sie sich in die politische Schusslinie begeben wollen, bleibt fraglich.

Fähig für höhere Weihen ist auch Karl Krammer. Der ehemalige Pressesprecher von Kanzler Vranitzky befindet sich momentan im ORF-Stiftungsrat und wird dieser Tage als neuer ORF-General gehandelt. Denn auch beim ORF wünscht sich Kanzler Faymann schon lange etwas: Nämlich das Aus von General Alexander Wrabetz und seiner Manager. Wrabetz hat jetzt sein Zukunftskonzept vorgelegt, mit dem er den ORF sanieren und international wettbewerbsfähig machen will. Ob es ihm hilft, bleibt offen. Denn die ORF-Führung und die dortigen Journalisten sind der Regierung viel zu unabhängig. Sollte das ORF-Management - in großkoalitionärer Eintracht - wirklich ausgetauscht werden, wird die Regierung der Öffentlichkeit die Millionen-Abfertigungen für die vorzeitigen Vertragsauflösungen erklären dürfen.

Neue Vorstandsverträge gibt es möglicherweise auch bald beim Flughafen Schwechat. Weil die Kosten für den neuen Terminal Skylink explodiert sind, soll der dort vor Kurzem installierte Vorstand und ehemalige nö. Landeshauptmannstellvertreter Ernest Gabmann ordentlich aufräumen und Gerüchten zufolge gleich den Vorsitz übernehmen. Damit würde die SPÖ auf "ihren Mann", den bisherigen Flughafen-Chef Herbert Kaufmann, verzichten. Am Flughafen Schwechat sind bekanntlich das Land Niederösterreich und das Land Wien beteiligt. Was sich die beiden Freunde und Landeshauptleute Erwin Pröll und Michael Häupl wünschen, werden wir nach der dieswöchigen Aufsichtsratssitzung wissen.

Schön ist jedenfalls, dass sich das rot-schwarze Postenkarussell wieder einmal munter dreht.

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