• 22.03.2009, 11:59:35
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Homosexuelle Initiative (HOSI) Wien feiert 30. Geburtstag

Wien (OTS) - Österreichs erster Lesben- und Schwulenverband, die
Homosexuelle Initiative (HOSI) Wien, wird 30. "Diesen runden
Geburtstag werden wir heuer natürlich das ganze Jahr über gebührend
feiern", kündigte Jona Solomon, die neu gewählte Obfrau, gestern auf
der 30. Generalversammlung des Vereins an, die gleichsam den Auftakt
zu diesem Jubiläum bildete. Hatte doch alles im März 1979 mit einem
Inserat in der Wiener Programmzeitung Falter begonnen.

"Möchte Schwulengruppe in Wien gründen bzw. an einer mitarbeiten",
stand in der Kleinanzeige, die der spätere erste Vereinsobmann
Wolfgang Förster aufgegeben hatte. "Auf diese Annonce meldeten sich
etliche Personen, und so kam es ab Ende März zu den ersten Treffen,
zuerst noch in Privatwohnungen. Aber wegen des großen Andrangs
mussten sie ab Mai 1979 ins Alternativlokal 'Treibhaus', das spätere
'Rotstilzchen', im 5. Wiener Gemeindebezirk verlegt werden",
berichtet Generalsekretär Kurt Krickler, der ab dem zweiten Treffen
mit von der Partie war. "1981 stießen die ersten Frauen zum Verein
und gründeten eine eigene Lesbengruppe, die sich seither jeden
Mittwoch trifft."

Einmalige Erfolgsgeschichte

"Es war sicherlich einer dieser seltenen historischen Zufälle,
dass eine Gruppe von Menschen mit ähnlichen Vorstellungen und Ideen,
die auch gut miteinander auskamen, zur gleichen Zeit am selben Ort
zusammentrafen, um ein Projekt aus der Taufe zu heben und so
nachhaltig umzusetzen, dass es auch nach so langer Zeit noch
fortbesteht", meint Christian Högl, der gestern als Obmann
wiedergewählt wurde.

Bereits bei den ersten Treffen wurde die Vereinsgründung
diskutiert. Schließlich wurden Statuten ausgearbeitet und bei der
Vereinspolizei eingereicht. Im Dezember 1979 kam der offizielle
Nichtuntersagungsbescheid, und im Jänner 1980 konstituierte sich der
Verein. Bald darauf wurden eigene Räumlichkeiten gesucht und ab Juli
1980 in der Novaragasse 40 angemietet. "Bis heute ist das
HOSI-Zentrum ein in ehrenamtlicher Selbstverwaltung geführtes
Kommunikations- und Veranstaltungszentrum geblieben, das
durchschnittlich vier- bis fünfmal pro Woche abends geöffnet hat. Das
macht der HOSI Wien niemand so schnell nach: Ein Vereinslokal, das
ohne Basisfinanzierung und bezahlte MitarbeiterInnen 30 Jahre lang
den regelmäßigen Betrieb aufrechterhält, ist nicht nur in der -
internationalen - Lesben- und Schwulenbewegung, sondern auch in der
inländischen NGO-Szene eher eine Seltenheit", betont Solomon.

"Auch in all ihren anderen Tätigkeitsbereichen, die sich bald
herauskristallisierten und im Lauf der Zeit immer vielfältiger und
umfassender wurden, hat die HOSI Wien in all den 30 Jahren ohne
bezahlte Angestellte oder Basisförderung gearbeitet", ergänzt Högl.
"Öffentliche Subventionen haben wir nur für konkrete Projekte und
auch da in erster Linie für Sachkosten erhalten. Vielleicht ist ja
auch diese finanzielle Unabhängigkeit ein Grund dafür, warum die HOSI
Wien immer noch besteht."

"Nach 30 Jahren können wir jedenfalls eine äußerst erfolgreiche
Bilanz ziehen: Die gesellschaftliche Lage von Lesben und Schwulen hat
sich gewaltig verbessert, wozu wir mit unserer politischen Lobby-,
aber auch konsequenten Medien- und Öffentlichkeitsarbeit sicherlich
nicht unwesentlich beigetragen haben", zeigt sich Solomon stolz. "In
rechtlicher Hinsicht haben wir die strafrechtliche
Entkriminalisierung, die Anerkennung der homosexuellen NS-Opfer im
Opferfürsorgegesetz, Anti-Diskriminierungsbestimmungen in der
Arbeitswelt und die gesetzliche Gleichstellung von homo- mit
heterosexuellen Lebensgemeinschaften erreicht. Als letztes großes
Projekt steht noch die Eingetragene Partnerschaft an, für die wir
seit 20 Jahren ebenfalls federführend kämpfen. Vielleicht bekommen
wir sie ja heuer noch als Geburtstagsgeschenk zu unserem Jubiläum.
Höchste Zeit für eine Anerkennung oder ein Zeichen des Dankes durch
das offizielle Österreich für das 30 Jahre währende gesellschaftliche
Engagement der HOSI Wien wäre es allemal."

Vielfältige Tätigkeitsfelder

"Gerade die soziale Funktion des Vereins sollte nicht unterschätzt
werden", betont Högl. "Seit 1983 trifft sich jeden Donnerstag etwa
die Jugendgruppe im HOSI-Zentrum, die unschätzbare Hilfe beim
persönlichen Coming-out von jungen Lesben und Schwulen leistet.
Vorbildlich - aber ebenfalls bis heute unbedankt - war auch die um-
und weitsichtige Reaktion der HOSI Wien Anfang der 1980er Jahre auf
die AIDS-Krise, als die HOSI Wien sich an vorderster Front an der
Gründung der AIDS-Hilfe beteiligte und die österreichische
AIDS-Politik entscheidend beeinflusste."

Kultur, Bildung und Paraden

Über all die Jahre hat es die HOSI Wien auf herausragende Weise
verstanden, Geselligkeit mit Kultur und Bildung zu vereinen und damit
auch Öffentlichkeitsarbeit im weitesten Sinne zu betreiben. Bestes
Beispiel hiefür ist ihre eigene, seit 1982 bestehende Theatertruppe
The HOSIsters.

Die HOSI Wien hat aber auch viele andere unübersehbare Spuren
hinterlassen. Seit 1979 erscheinen ihre LAMBDA-Nachrichten, die damit
die älteste Lesben- und Schwulenzeitschrift im deutschsprachigen Raum
ist. Die HOSI Wien hat sechs Bücher herausgegeben und betreut seit
1996 eigene Websites im Internet. Zwei jährliche Großprojekte sind
2003 bzw. 2004 dazugekommen: die Durchführung der Regenbogenparade
und die Organisation des Regenbogenballs.

Auf internationaler Ebene, wo sich die HOSI Wien seit 1981
engagiert, spielt sie ebenfalls in der obersten Liga: Keine andere
Organisation war öfter Gastgeberin für Tagungen der International
Lesbian and Gay Assocation (ILGA) als die HOSI Wien, die auch als
einzige drei ILGA-Weltkonferenzen ausgerichtet hat; ihr Mitarbeiter
John Clark lenkte drei Jahre als Generalsekretär die Geschicke des
Weltverbands, Kurt Krickler stand sieben Jahre an der Spitze ihres
europäischen Regionalverbands ILGA-Europe.

HINWEISE: Eine ausführliche Übersicht über unsere vielfältige
Arbeit und die größten Erfolge findet sich auf unserem Website unter
dem Menüpunkt "Unsere Ziele/Erfolge": www.hosiwien.at/ziele.

Historische und aktuelle Fotos in Druckauflösung aus dem HOSI-Archiv
sind auf Anfrage erhältlich.

Rückfragehinweis:
Christian Högl, Tel. 0699-11811038
Jona Solomon, Tel. 0676-88892211
Kurt Krickler, Tel. 0664-5767466
[email protected], www.hosiwien.at
ZVR-Nr.: 524 534 408

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