• 20.03.2009, 20:15:21
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Wer Köpfe rollen lässt, muss nachher Wundertäter finden" (von Frido Hütter)

Ausgabe vom 21.3.2009

Graz (OTS) - Vielleicht waren es ja leere Kilometer. Vielleicht
haben Alexander Wrabetz und die Seinen ihr 393-Seiten-Strategiepapier
ganz umsonst geschrieben. Denn vielleicht geht es der neuen Regierung
nicht so sehr um die Rettung des kriselnden ORF, sondern um die
Wiedererlangung ihres Einflusses auf ihn.

"So unabhängig wie unter der jetzigen Spitze war die
ORF-Berichterstattung noch nie", schrieb dieser Tage die Frankfurter
Rundschau. Und: Offenbar wolle man "mit der Demontage von
Generaldirektor Wrabetz den ORF wieder politisch willfähriger
machen".

Nun, die nächsten Wochen werden es zeigen. Sicher ist, dass schon die
bisherigen Zurufe nicht gerade hilfreich waren, Oder anders gesagt:
Wenn man das Unternehmen schädigen will, so ist das bisher schon
recht gut gelungen. Man stellt den General öffentlich infrage. Man
rechnet laut vor, was es kosten würde, seine Direktoren in die Wüste
zu schicken. Und man signalisiert den Stiftungsräten, dass es die
meisten von ihnen bald nicht mehr geben werde. Ganz nebenbei macht
man den Landeshauptleuten klar, dass auch sie im ORF-Aufsichtsgremium
keinen Vertreter mehr haben werden.

Wenn unsere geschätzten Regierer mit anderen, wichtigeren
Problemzonen so verfahren, sollten wir uns schon einmal zu fürchten
beginnen.

Natürlich braucht der ORF eine radikale Reform. Nicht erst seit
gestern, nicht erst seit Wrabetz. Aber statt eilig an einem neuen
Rundfunkgesetz zu basteln, sollte Medienstaatssekretär Josef
Ostermayer erst einmal das aus dem Jahr 2003 datierende lesen: Dort
steht zum Beispiel, dass man mit vier Direktoren das Auslangen finden
kann. Dass es dann doch wieder sechs wurden, hing ausschließlich mit
der Begehrlichkeit der Parteien zusammen.

Den Stiftungsrat von 35 auf rund zehn Mitglieder zu verkleinern, hat
finanziell so gut wie keine Auswirkung. Zudem sind es die Söldlinge
der Parteien, häufig jene der ÖVP, die in diesem Gremium oft genug
nötige Reformen blockiert haben.

Natürlich könnte man sich einen etwas zupackenderen ORF-General
vorstellen, der mit etwas mehr Effekt seine Ziele umsetzt. Wiewohl
dieser ein wahrer Wundertäter sein müsste: Explodierende
Lizenzgebühren, wuchernde Konkurrenz, einen schrumpfenden Werbekuchen
und exorbitante Altlasten bekommt man nicht mit rollenden Köpfen in
den Griff. Nur mit seriösem politischen Willen, das
öffentlich-rechtliche System aufrechtzuerhalten. Und der ist im
Augenblick nicht wirklich spürbar.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
mailto:[email protected]
http://www.kleinezeitung.at

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