- 18.03.2009, 19:19:36
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Plädoyer für ein päpstliches Bußschweigen über Sexualität" (Von Thomas Götz)
Ausgabe vom 19.03.2009
Graz (OTS) - Jetzt ist schon wieder was passiert. Papst Benedikt
XVI. hat über Aids und Kondome geredet und das in Afrika. Das hätte
er besser nicht getan. Was immer noch gesagt werden wird auf seiner
Reise, der eine Satz wird in Erinnerung bleiben. "Die
Immunschwächekrankheit Aids ist nicht durch die Verteilung von
Kondomen zu überwinden, im Gegenteil, das verschlimmert nur das
Problem", sagte der Papst in einer improvisierten Pressekonferenz im
Flugzeug. Eine Begründung blieb er schuldig.
Wie sich Benedikt XVI. die Bekämpfung der Seuche vorstellt, kann man
in der Abschrift des Gesprächs nachlesen. Es gehe darum, "die
Sexualität zu humanisieren", den "Menschen von innen zu erneuern".
Man müsse den Menschen "geistliche und menschliche Kraft geben für
das rechte Verhalten gegenüber dem eigenen Körper und den des
anderen." Das ist ein schönes und wichtiges Langzeitprogramm, bestens
geeignet für Eheseminare in Oberbayern.
Der Papst aber sprach über Afrika. Dort leben sechzig Prozent aller
Aids-Kranken. 17 Millionen Afrikaner sind schon an Aids gestorben, 22
Millionen haben sich infiziert. Vor diesem Hintergrund ist Benedikts
Philippika gegen eines der wenigen wirksamen Mittel, das die
Übertragung des Virus vereiteln kann, gemeingefährlich. Daran ändern
auch die feinsinnigen Erwägungen nichts, die er seinem Urteil anfügt.
Das Donnerwort über Kondome erschwert Ärzten, Missionaren und anderen
Helfern den Kampf gegen die verheerende Krankheit. Sätze wie der
zitierte verstärken die Unwissenheit über die Ursachen der Seuche und
ihrer Weitergabe.
Dass der Papst nur sagt, was die Kirche seit über vierzig Jahren
glaubt verkünden zu müssen, macht die Sache nicht besser. Der
Ursprung liegt in der kurzschlüssigen Idee, Sex wäre nur dann gut,
wenn Fortpflanzung dabei nicht ausgeschlossen wird. In dieser Logik
ist die kategorische Ablehnung empfängnisverhütender Mittel
folgerichtig. Aber diese grobe Vereinfachung ist lebensfremd und wird
dem komplexen Thema nicht gerecht, nicht in Oberbayern und schon gar
nicht in Afrika.
Vielleicht wäre ja allen geholfen, griffe Joseph Ratzinger auf ein
Instrument zurück, das er als Präfekt der Glaubenskongregation selbst
gerne angewandt hat: das Bußschweigen. Zehn Jahre kein Wort mehr über
Sexualmoral, das wäre eine heilsame Entschlackungskur für alle
Beteiligten. Päpstliche Reden klängen weniger moralistisch und wir
könnten uns wichtigeren Aspekten des Lebens und der Religion
zuwenden.****
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