"KURIER"-Kommentar von Magdalena Rauscher-Weber: "Die Glaubwürdigkeit"

Eine lebendige Kirche muss sich auch dem Thema Zölibat stellen.

Wien (OTS) - Was in den letzten Wochen in der katholischen Kirche
in Österreich passiert ist, ist einzigartig. Noch nie gab es einen derart massiven Widerstand gegen eine Entscheidung des Vatikans (vor allem vom Klerus). Und noch nie wurde ein vom Papst ernannter Bischof doch nicht geweiht. Das war ein starkes Zeichen von lebendiger, irgendwie auch moderner Kirche.
Beim aktuellen Thema Zölibat ist keine rasche Lösung erwartbar. Die österreichischen Bischöfe dürfen, auch wenn sie es noch so wollten, keine verheirateten Priester erlauben. Das ist Sache des Papstes. Sie könnten aber deutlich machen, dass sie die Sorgen der Katholiken wegen des Priestermangels ernst nehmen. Und sie könnten Verständnis zeigen für die vielen Priester, die mit der zölibatären Lebensform nicht zurechtkommen.
Dass der Ungenacher Pfarrer Josef Friedl mit einer Frau zusammenlebt, war zumindest in seiner Umgebung seit Langem bekannt. Das kann wohl auch der Kirchenführung in der Diözese Linz nicht entgangen sein. Jetzt, nachdem er sich öffentlich zu seiner Lebensgefährtin bekannt hat, droht ihm der Amtsentzug. So etwas macht die Kirche unglaubwürdig, sagt dazu die Laieninitiative. Man könnte wohl auch von Doppelmoral sprechen. Das passt nicht zu einer lebendigen, modernen Kirche.

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