- 11.03.2009, 16:42:40
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WirtschaftsBlatt-Kommentar: Die Banker sind nicht übergeschnappt - von Alexis Johann
Nur gesundete Banken werden die Steuerhilfe zurückzahlen können
Wien (OTS) - Die Blitzsanierung: Ende Februar musste die einst
weltgrößte Bank, Citigroup, eingestehen, 2008 knapp 28 Milliarden
Dollar Verlust gebaut zu haben. Zur Rettung sprang die US-Regierung
erneut ein - im Dezember hatte es ja bereits eine Kapitalinfusion von
45 Milliarden Dollar gegeben - und hält nun 36 Prozent der Anteile.
Dann die Überraschung. Vergangenen Dienstag, also zwei Wochen später,
schrieb Citigroup-Chef Vikram Pandit seinen Mitarbeitern einen Brief:
Er sei persönlich traurig, dass der Aktienkurs so gar nicht die
Stärke des Instituts repräsentiere (1,57 Dollar - ein Kursverlust von
97 Prozent). Schließlich sei Citigroup nun die am "stärksten
kapitalisierte" Bank des Landes. Und so gut wie im Jänner und Februar
sei das Geschäft seit eineinhalb Jahren nicht mehr gelaufen. Gut
möglich, dass die Bank Ende März einen operativen Gewinn von 8,3
Milliarden Dollar melden werde. Pandit bat seine Mitarbeiter um
Feedback.
Nun, die kritischen Fragen kommen natürlich von außen: Verdient
Citigroup nicht zu gut? Ist es nicht unerhört, dass die Margen so
hoch sind, wo doch Staatshilfe und Leitzinssenkungen ihnen die
Geldaufnahme billig machen, die vergebenen Kredite aber nach wie vor
teuer sind? Zahlt der Kunde, privat oder Unternehmer, nicht doppelt:
Über seine Steuerhilfe und über die schlechten Kreditkonditionen?
Sollten die stolzen Banker, statt zu jubeln, nicht kleinlaut um Gnade
winseln? Die Diskussion ist insofern spannend, weil sie in einigen
Monaten auch in Österreich losbrechen wird, schließlich greifen
heimische Institute auch in den Staatstopf und werden spätestens im
April ihre "Windfall Profits" vermelden.
Daher ein paar Worte zur Beschwichtigung: Die Banken arbeiten
profitabel, weil sie gerade durch die Staatshilfe Vertrauen
zurückgewinnen konnten, wie Branchenexperte Hendrik Bremer von Roland
Berger konstatiert. Die derzeit volatilen Märkte helfen ihnen
außerdem, im Handelsergebnis Gewinne einzufahren. Und sie haben
gelernt, leiser zu treten: Sie sparen beim Marketing, bei der IT, bei
den Boni-Zahlungen. Und Citigroup ist gerade dabei, 50.000
Mitarbeiter zu entlassen.
Hier liegt auch der große Unterschied zu Österreich. Für Erste,
Raiffeisen und Co. wird es schwieriger und teurer, die Kosten zu
senken als für die US-Kollegen. Und das dicke Ende kommt noch, wenn
in der zweiten Jahreshälfte die Kreditausfälle aufgrund der
Konjunkturkrise zunehmen. Die Banken müssen jetzt ein Polster
aufbauen. Der Steuerzahler muss sich damit trösten, dass nur eine
gesundete Bank in der Lage sein wird, ihm sein Geld zurückzugeben.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at
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