WirtschaftsBlatt-Kommentar: Die Banker sind nicht übergeschnappt - von Alexis Johann

Nur gesundete Banken werden die Steuerhilfe zurückzahlen können

Wien (OTS) - Die Blitzsanierung: Ende Februar musste die einst weltgrößte Bank, Citigroup, eingestehen, 2008 knapp 28 Milliarden Dollar Verlust gebaut zu haben. Zur Rettung sprang die US-Regierung erneut ein - im Dezember hatte es ja bereits eine Kapitalinfusion von 45 Milliarden Dollar gegeben - und hält nun 36 Prozent der Anteile.

Dann die Überraschung. Vergangenen Dienstag, also zwei Wochen später, schrieb Citigroup-Chef Vikram Pandit seinen Mitarbeitern einen Brief:
Er sei persönlich traurig, dass der Aktienkurs so gar nicht die Stärke des Instituts repräsentiere (1,57 Dollar - ein Kursverlust von 97 Prozent). Schließlich sei Citigroup nun die am "stärksten kapitalisierte" Bank des Landes. Und so gut wie im Jänner und Februar sei das Geschäft seit eineinhalb Jahren nicht mehr gelaufen. Gut möglich, dass die Bank Ende März einen operativen Gewinn von 8,3 Milliarden Dollar melden werde. Pandit bat seine Mitarbeiter um Feedback.

Nun, die kritischen Fragen kommen natürlich von außen: Verdient Citigroup nicht zu gut? Ist es nicht unerhört, dass die Margen so hoch sind, wo doch Staatshilfe und Leitzinssenkungen ihnen die Geldaufnahme billig machen, die vergebenen Kredite aber nach wie vor teuer sind? Zahlt der Kunde, privat oder Unternehmer, nicht doppelt:
Über seine Steuerhilfe und über die schlechten Kreditkonditionen? Sollten die stolzen Banker, statt zu jubeln, nicht kleinlaut um Gnade winseln? Die Diskussion ist insofern spannend, weil sie in einigen Monaten auch in Österreich losbrechen wird, schließlich greifen heimische Institute auch in den Staatstopf und werden spätestens im April ihre "Windfall Profits" vermelden.

Daher ein paar Worte zur Beschwichtigung: Die Banken arbeiten profitabel, weil sie gerade durch die Staatshilfe Vertrauen zurückgewinnen konnten, wie Branchenexperte Hendrik Bremer von Roland Berger konstatiert. Die derzeit volatilen Märkte helfen ihnen außerdem, im Handelsergebnis Gewinne einzufahren. Und sie haben gelernt, leiser zu treten: Sie sparen beim Marketing, bei der IT, bei den Boni-Zahlungen. Und Citigroup ist gerade dabei, 50.000 Mitarbeiter zu entlassen.

Hier liegt auch der große Unterschied zu Österreich. Für Erste, Raiffeisen und Co. wird es schwieriger und teurer, die Kosten zu senken als für die US-Kollegen. Und das dicke Ende kommt noch, wenn in der zweiten Jahreshälfte die Kreditausfälle aufgrund der Konjunkturkrise zunehmen. Die Banken müssen jetzt ein Polster aufbauen. Der Steuerzahler muss sich damit trösten, dass nur eine gesundete Bank in der Lage sein wird, ihm sein Geld zurückzugeben.

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