"Wir beten für die Bischöfe"

Der Altabt von Mehrerau, P. Kassian Lauterer, verabschiedete sich mit einer Predigt beim Gemeinschaftsgottesdienst der Bischöfe im Innsbrucker Jakobsdom aus der Bischofskonferenz - "Die Kirche könnte etwas mehr Demokratie vertragen, aber man kann nicht über alles, was Jesus verlangt, abstimmen"

Innsbruck, 10.3.09 (KAP) "Wir alle beten für die Bischöfe, dass sie in der Liebe Gottes und unter dem Schutz Mariens das Schiff der katholischen Kirche in Österreich durch alle Stürme der Zeit steuern": Mit diesen Worten verabschiedete sich der Altabt von Mehrerau, P. Kassian Lauterer, in seiner Predigt beim Gemeinschaftsgottesdienst des österreichischen Episkopats im Innsbrucker Jakobsdom von den Bischöfen. Kassian Lauterer hatte als Abt der Territorialabtei Mehrerau seit 1982 - genau 25 Jahre - der Österreichischen Bischofskonferenz angehört. Der einzige Bischof, der damals schon dabei war, ist der heutige Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari.

Der Altabt von Mehrerau nahm in seiner Predigt bei dem von Kardinal Christoph Schönborn geleiteten Gottesdienst auch zur aktuellen Diskussion in der katholischen Kirche Stellung. Wörtlich sagte der frühere Abt der Vorarlberger Zisterzienserabtei: "Sicher könnte unsere katholische Kirche in manchen Vorgängen etwas mehr Demokratie vertragen, aber man kann nicht über alles, was Jesus verlangt, abstimmen und die Entscheidung den Meinungsforschern überlassen".

Die Tageslesung vom Dienstag aus dem Matthäus-Evangelium könne als Appell an Bischöfe und Priester gesehen werden, "zuerst selbst zu erfüllen, was sie von anderen verlangen, zuerst selbst Lasten wegzuräumen, bevor man sie anderen aufbürdet", sagte der Abt. Diese Deutung der heutigen Theologen sei für Bischöfe und Priester, die die Aufgabe haben, Gemeinden zu leiten, das Wort Gottes und die Lehre der Kirche verantwortlich zu verkünden, zweifellos "keine bequeme".

Eingangs hatte P. Lauterer daran erinnert, dass die Aufhebung der Exkommunikation der von Erzbischof Lefebvre unrechtmäßig geweihten Bischöfe für "Ärger und Verwirrung" nicht nur unter gläubigen Katholiken, sondern weit über die Kirche hinaus gesorgt hatte. Obwohl der Papst - und auch die österreichischen Diözesanbischöfe -klargestellt hätten, dass die Aufhebung der Exkommunikation keine Rehabilitierung, sondern nur eine ausgestreckte Hand bedeutet, sei die Irritation noch nicht abgeebbt. Immer noch stehe die Frage im Raum, ob die Kirche hinter das zurück wolle, "was das Zweite Vatikanische Konzil in der sogenannten Juden-Erklärung ('Nostra Aetate') unmissverständlich ausgesprochen hatte". Im Hinblick darauf erinnerten sich gerade die Tiroler an die Widerstände und Anfeindungen, denen der frühere Innsbrucker Diözesanbischof Reinhold Stecher bei der "mutigen Abschaffung des Kultes um Anderl von Rinn zu überwinden hatte". (forts mgl)
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