"Pauschale Beschuldigung der Ärzte ist kein Lösungsansatz"

Stellungnahme der Plattform Patientensicherheit zum Langbein-Buch

Wien (OTS) - Die österreichische Plattform Patientensicherheit (ANetPAS) sieht in der pauschalen Beschuldigung der Ärzte, wie dies der Autor Kurt Langbein in seinem neuen Buch "Verschlusssache Medizin" macht, weder eine Lösungsperspektive, noch eine grundlegende Vertrauensbasis. "Im Gegenteil: Die Fehler passieren auch im interprofessionellen Team und in den Organisationsabläufen. Im Buch wird jedoch nur auf die Ärzte fokussiert", so Dr. Brigittte Ettl, ärztliche Direktorin am Krankenhaus Hietzing und Präsidentin der Plattform. "Wir sind eine unabhängige Institution, die von allen Playern im Gesundheitsbereich mitgetragen wird. In zahlreichen österreichischen Krankenhäuser sind bereits wichtige Maßnahmen zur Förderung von Patientensicherheit gesetzt worden" meint Maria Kletecka-Pulker vom Institut für Ethik und Recht in der Medizin und Geschäftsführerin der Plattform Patientensicherheit.

Nichtsdestotrotz kann die Plattform Patientensicherheit einige der Themen, die Kurt Langbein aufgegriffen hat, gut nachvollziehen:

  • Im Umgang mit Komplikationen und Behandlungsfehlern braucht es mehr Transparenz, schnelle Aufklärung und ein stärkeres Eingehen auf die Betroffenen.
  • Es gibt Struktur- und Qualitätsmängel im Österreichischen Gesundheitssystem.
  • Viele Krankenhauseinweisungen sind nicht sinnvoll und könnten im ambulanten Bereich besser und kostengünstiger behandelt werden. Allerdings gibt es hier leider zu wenig Ressourcen und zu wenig Flexibilität.

Kletecka-Pulker: "Zur Vermeidung von Fehlern braucht es eine Vertrauensbasis im Gesundheitssystem. Diese kann nur entstehen, wenn Fehler dokumentiert und in einem österreichweiten Meldesystem allen betroffenen Einrichtungen zur Verfügung stehen. Eine Berichterstattung in 'Aufdeckermanier' ist hier nicht hilfreich". Angesichts der mangelnden Einsichtsfähigkeit von manchen Playern im Gesundheitssystem verwundert es die Plattform Patientensicherheit aber nicht, dass der medizinische Bereich besonders anfällig für eine solche Sensationsberichterstattung ist. Fehler können passieren und passieren auch, entscheidend ist jedoch, wie mit ihnen umgegangen wird. Oft handelt es sich um strukturelle Problematiken, bei denen auf Grund einer systematischen Analyse jene Schlüsse gezogen werden können, die dazu beitragen, die Patientensicherheit zu steigern.

In Österreich gibt es keine Studie über die Zahl der vermeidbaren Behandlungsfehler. Eine breit angelegte internationale Studie, die 2008 veröffentlicht wurde, geht von 2-4 Prozent vermeidbaren Schäden aus. Dem Studienautor Mathias Schrappe, Professor an der Universität Köln, zufolge gibt es keinen Grund, dass Österreich trotz seines sehr guten Gesundheitssystem aus dem Rahmen fällt. "Die Plattform Patientensicherheit nimmt an, dass diese Zahlen in etwa stimmen. Wir möchten aber keine eigene Studie für Österreich durchführen, sondern setzen unsere Gelder lieber gleich für die Förderung der Patientensicherheit ein", so Kletecka-Pulker. Gedacht wird etwa an den Aufbau eines österreichweiten Meldesystems, nach dem Vorbild des Schweizer CIRRNET. Ein solches Meldesystem soll in Zusammenarbeit mit dem europäischen Netzwerk für Patientensicherheit (EUNetPaS) etabliert werden.

Empfehlungen seitens der Plattform Patientensicherheit

Klar ist: Jeder Tote aufgrund von Behandlungsfehlern ist ein Toter zu viel. Viele erleiden Schäden, die zu vermeiden gewesen wären. Entscheidend sind Bearbeitungs- und Lernprozesse, die einen anderen Umgang mit Fehlern, Risiken und Sicherheit etablieren:

  • schnelle Aufklärung und Entschuldigung bei den Betroffenen
  • schnelle Konsequenzen in der Risikovermeidung
  • bessere Kommunikation in der Arzt-Patienten-Beziehung
  • statt Anschuldigungen Beteiligung aller Betroffenen
  • eine bessere Datenbasis durch Berichte und Studien
  • bundesweites Fehler-Meldesystem
  • gezielte Fortbildung und Organisationsentwicklung in den Krankenhäusern, Ambulanzen und im niedergelassenen Bereich.

Die Plattform Patientensicherheit bietet hier seit dem letzten Jahr eine kontinuierliche Zusammenarbeit und Weiterentwicklung; noch in diesem Jahr folgen maßgeschneiderte Fortbildungsangebote auf internationalem Standard.

Über die Plattform Patientensicherheit

Die Plattform Patientensicherheit (ANetPAS) ist ein unabhängiges nationales Netzwerk, das sich aus hochkarätigen Einrichtungen und Experten des österreichischen Gesundheitswesens zusammensetzt, die sich mit Patientensicherheit und Qualitätssicherung beschäftigen. Die Plattform wurde 2008 mit Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheit, Frauen und Jugend am Institut für Ethik und Recht in der Medizin, Universität Wien, errichtet und ist als Collaborating Partner ins europäische Netzwerk EUNetPaS eingebunden.
Der Plattform Patientensicherheit unter der Leitung von Dr. Maria Kletecka-Pulker vom Institut für Ethik und Recht in der Medizin und Dr. Brigitte Ettl, ärztliche Direktorin am Krankenhaus Hietzing, gehören Expertinnen und Experten an, die sich mit Patientensicherheit und Qualitätssicherung beschäftigen. Im Mittelpunkt steht die Förderung der Patientensicherheit in Österreich durch Forschung, Information und Koordination von Projekten.

Weitere Informationen: www.plattformpatientensicherheit.at

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