Investitionen in die Lawinenverbauung schützen vor Naturgefahren und beleben die Wirtschaft

Wien (WIFO) - Die Abwehr der Lawinengefahr hat einen besonderen Stellenwert im Risikomanagement von Naturgefahren. Durch die Beschränkung der Baunutzung in gefährdeten Zonen und die Errichtung von Schutzanlagen konnte die Zahl der Lawinenopfer im Siedlungsgebiet in den letzten Jahrzehnten deutlich reduziert werden. Sie ist jedoch insgesamt nach wie vor hoch, da der Rückgang der Gefährdung im Siedlungsraum kompensiert wird durch eine hohe Risikobereitschaft bei der Sportausübung im freien alpinen Gelände. Aus öffentlichen Mitteln wurden im Durchschnitt der letzten Jahre fast 20 Mio. Euro für Lawinenverbauungsmaßnahmen aufgewendet. Obwohl die Schutzmaßnahmen vor allem im Westen Österreichs gesetzt werden, profitieren auch die östlichen Bundesländer davon, und zwar wegen der Verflechtung der wirtschaftlichen Aktivitäten.

Im Durchschnitt der letzten Jahre wurden von Lawinen jährlich etwa 150 Personen erfasst, rund 20% der Opfer kamen dabei ums Leben. Die Gesamtzahl der Opfer ist seit Jahrzehnten annähernd gleich, ihre Struktur hat sich jedoch grundlegend verändert. Bis in die 1970er-Jahre wurden die Opfer vor allem im Siedlungsraum oder während der Arbeit von Lawinen erfasst. Mit der Zunahme der Freizeitnutzung, vor allem im ungesicherten Gelände, verunglücken heute fast nur Personen, die tourengehen oder variantenfahren. Nur in den Katastrophenwintern (z. B. 1989, 1999) überwog die Zahl der Opfer bei Wohn- und Wirtschaftstätigkeiten.

Das Ausmaß der potentiellen Gefährdung wächst vor allem durch die Intensivierung der Raumnutzung. In Tirol etwa stieg der Gebäudebestand von knapp 60.000 im Jahr 1951 auf über 160.000 im Jahr 2001. Die Zunahme war besonders stark außerhalb der Stadt Innsbruck. Die Meidung von Gefahrenzonen ist die wichtigste Maßnahme zur Schadensbegrenzung, da eine Lawine Gebäude in den meisten Fällen völlig zerstört. Durch die Ausweisung von gefährdeten Zonen im Siedlungsraum und durch Bauverbote konnte trotz der starken Zunahme der Siedlungstätigkeit im alpinen Raum das Gefährdungspotential eingedämmt werden. Die ständige Erreichbarkeit und unterbrechungsfreie Versorgung moderner Dienstleistungseinrichtungen ist für die Wirtschaft überlebenswichtig. Die Sicherung von Straßen und anderer Infrastruktur gegen Lawinenschäden ist daher eine notwendige Voraussetzung für Wirtschaftsaktivitäten in vielen Bergregionen.

Mit der Umsetzung dieser Schutzmaßnahmen ist die Wildbach- und Lawinenverbauung betraut. Neben der Ausweisung von Gefahrenzonen und den Beratungsleistungen investiert diese Einrichtung des Bundes auch in Schutzanlagen, insbesondere aus Mitteln des Katastrophenfonds. Der größte Teil der Ausgaben entfällt auf Tirol vor Vorarlberg und Salzburg (Abbildung 1). Die direkte Wirkung der Schadensbegrenzung bzw. Schadensabwehr ist vor Ort gegeben, weil Lawinenabgänge verhindert werden. Die volkswirtschaftliche Wirkung reicht aber über die Region, in der investiert wurde, hinaus. Wie Berechnungen von WIFO und Joanneum Research mit dem Modell MULTIREG zeigen, kommen Maßnahmen der Wildbach- und Lawinenverbauung zu etwa 13% Wien zugute, obwohl in Wien selbst keine Investitionen getätigt werden. Für diesen Effekt sind die engen Verflechtungen der Wirtschaftsbeziehungen bestimmend.

Abbildung 1: Jährliche Ausgaben für Lawinenschutzmaßnahmen - auf der WIFO-Website (http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte der folgenden WIFO-Studie:
Franz Sinabell, Oliver Fritz, Wilfried Puwein (WIFO), Gerhard Streicher (Joanneum Research), Eine volkswirtschaftliche Analyse der Wildbach- und Lawinenverbauung, im Auftrag des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, Abt. IV/5:
Wildbach und Lawinenverbauung, 138 Seiten, 50 Euro, kostenloser Download:
http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?fid=23923&id=35281&typeid=8&d
isplay_mode=2.

Rückfragen & Kontakt:

Dipl.-Ing. Franz Sinabell
Stellvertretender Leiter
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
Tel. +43 1 798 26 01-481 * Fax. +43 1 798 93 86
Franz.Sinabell@wifo.ac.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | WFO0001