Allianz Studie: Österreich macht bei Lissabon-Zielen einen Platz gut

Wien (OTS) - Die Rezession bremst die EU in diesem Jahr bei ihrem Ziel, der führende, wissensbasierte Wirtschaftsraum der Welt zu werden. Der jährliche Europäische Wachstums- und Beschäftigungsmonitor der Allianz und des Lisbon Council zeigt, dass alle Länder Europas vom globalen Abschwung stark erfasst werden. Gegen Ende 2008 liegen nur noch sechs der 14 größten EU-Mitgliedstaaten auf der Zielgeraden des "Lissabon-Monitors". Österreich macht einen Platz gut und liegt nun auf Platz zehn.

Gesamteuropa: Monitor-Wert halbiert

Der Europäische Wachstums- und Beschäftigungsmonitor - ein jährliches Ranking der internationalen Allianz Gruppe und des Lisbon Council, das die Fortschritte im Lissabon-Prozess misst - zeigt, dass die Rezession im Verlauf des Jahres 2008 alle Staaten Europas erfasst hat. Der Monitor-Wert für das Wirtschaftswachstum hat sich 2008 gegenüber dem Vorjahr fast halbiert (von 0,97 auf 0,53 - ein Wert von 1,0 bedeutet Zielerreichung), der Wert für das Produktivitätswachstum ist sogar fast auf ein Drittel gesunken (von 1,8 auf 0,67). Als Konsequenz werden für 2009 entsprechend negative Ausschläge im Arbeitsmarkt und den öffentlichen Finanzen erwartet, die den Monitor weiter belasten werden.

Österreich: Erwerbstätigenquote im europäischen Spitzenfeld

2007 2008 +/- Wirtschaftswachstum 1,07 0,73 -31,78% Arbeitsproduktivität 2,21 0,87 -60,63% Erwerbstätigenquote 1,05 1,05 0,00% Beschäftigung mit akademischer 0,21 0,22 4,76% Ausbildung Investitionstätigkeit 1,09 1,10 0,92% Staatsfinanzen 1,45 1,39 -4,14% Insgesamt 1,18 0,89 -24,58%

Wirft man einen Blick auf die einzelnen Indikatoren der Studie, so zeigt sich, dass die Finanzkrise auch in Österreich ihre Spuren hinterlässt. Trotz teilweise drastischer Einbrüche in einzelnen Segmenten konnte Österreich im Vergleich zum Vorjahr in Relation zu den anderen EU-Staaten seine Platzierungen halten oder verbessern. Beim Wirtschaftswachstum wurden - trotz Rückgang des Indikators um fast ein Drittel - im Jahresvergleich ebenso zwei Plätze gutgemacht (von 7 auf 5) wie bei der Arbeitsproduktivität (von 8 auf 6), die um knapp zwei Drittel einbrach. Die beste österreichische Platzierung ist im Bereich der Erwerbstätigenquote mit Rang 4. Auch die weitere Top-Platzierung aus dem Vorjahr (Platz 5) im Bereich der Investitionstätigkeit konnte gehalten werden. Bei den Staatsfinanzen liegt Österreich mit Rang 7 konstant im Mittelfeld. Trotz einer Verbesserung um knapp 5 Prozent beim Indikator "Beschäftigung mit akademischer Ausbildung" blieb Österreich in diesem Feld, so wie im Vorjahr, auf dem vorletzten Platz. Über alle Indikatoren gerechnet ist der Wert für Österreich von 1,18 um knapp ein Viertel auf 0,89 eingebrochen. Trotzdem hat Österreich im Vergleich zum Vorjahr einen Platz gut gemacht und belegt innerhalb der EU 15 insgesamt Rang 10. Österreich liegt damit um 11 Prozentpunkte unter der angepeilten Zielerreichung.

Finnland wieder Nummer eins

Finnland verteidigt seine Spitzenposition in der Tabelle aufgrund seines sehr guten Abschneidens in puncto Humankapital und stabiler Staatsfinanzen. Auch Polen kann trotz Mängeln bei der Beschäftigung seinen zweiten Platz behaupten, dank vergleichsweise hoher Wirtschaftswachstums- und Produktivitätswachstumsraten. Nur noch insgesamt sechs Staaten (Finnland, Polen, Niederlande, Griechenland, Schweden, Spanien) erreichen für 2008 noch einen Wert über 1,0, der eine Zielerreichung verspricht. 2007 hatten alle Staaten bis auf Italien diese Zielmarke übertroffen. Alle 14 Staaten verzeichnen für 2008 gegenüber dem Vorjahreszeitraum spürbare bis sehr starke Einbußen zwischen 0,08 Punkten (Spanien) und 0,78 Punkten (Irland). Der Negativtrend wird sich auch 2009 in dem Monitor noch fortsetzen und weitere Staaten unter die Zielerreichungsmarke von 1,0 drücken. Deutschland verliert 2008 überdurchschnittlich (-0,36 Punkte gegenüber EU15-Schnitt von -0,28 Punkten) und rutscht von Rang 8 auf Rang 9. Bemerkenswert ist aber gerade jetzt die Stabilität der öffentlichen Finanzen auf gutem Niveau (1,4), die der Regierung etwas Flexibilität im Umgang mit der Krise erlaubt. Die Niederlande, deren Wirtschaftswachstum weniger leidet, als das der Wettbewerber und die sogar Fortschritte beim Beschäftigungsindikator verzeichnen können, machen den größten Sprung nach vorn und klettern auf Rang drei. Irland, das aufgrund seiner Abhängigkeit von Export und Finanzwirtschaft besonders von der Krise getroffen wird, verliert am stärksten und sackt vom vierten auf den 13. Rang ab. Schlusslicht bleibt wie im Vorjahr Italien, dessen Wirtschaftswachstum und Arbeitsproduktivität sich nochmals deutlich verschlechtert haben.

Allianz erwartet Ankurbelung des Wachstums in 2009

Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz SE und Autor der Studie, erwartet wegen der fundamentalen Stärken Europas und den positiven Begleitfaktoren, wie den niedrigen Rohstoff- und Ölpreisen, der lockeren Geldpolitik und den Konjunkturpaketen, eine Ankurbelung des Wachstums bereits in diesem Jahr. Und er weist auf die Chancen hin:
"Aus der Krise werden die Länder gestärkt hervor gehen, die langfristigen Konzepten und dauerhaften Reformen den Vorzug gegenüber kurzfristiger Nachfragepolitik geben. Investitionen in Zukunftstechnologien und Humankapital sorgen für Wachstumsimpulse. Das gilt für Zukunftsbranchen genauso wie für unsere wichtigen, traditionellen Branchen wie den Automobil- und Maschinenbau." Paul Hofheinz, Präsident des Lisbon Councils ergänzt: "Ohne die aktuelle Krise hätte Europa das starke Wachstum der Jahre 2005 bis 2008 fortgesetzt und das ambitionierte Lissabon-Ziel 2010 erreicht. Nun sind langfristige Investitionsziele, Innovationen und die Entwicklung des Humankapitals umso dringender gefragt, um Europa wieder auf diesen Pfad zum führenden Wirtschaftsraum zu führen."

Der Europäische Wachstums- und Beschäftigungsmonitor wird jedes Jahr unmittelbar vor der Frühjahrstagung der EU von den Volkswirten der Allianz SE gemeinsam mit der Denkfabrik Lisbon Council herausgegeben und am 12. März in Anwesenheit des Präsidenten der EU-Kommission, José Manuel Barroso, in Brüssel vorgestellt. Der Monitor analysiert die Entwicklung in 14 EU-Mitgliedsstaaten, basierend auf sechs Indikatoren: Wirtschaftswachstum, Produktivitätswachstum, Beschäftigungsentwicklung, Qualifikationsgrad der Beschäftigten, Ausrüstungsinvestitionen sowie die Nachhaltigkeit der Staatsfinanzen.

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