• 09.03.2009, 00:01:00
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Allianz Studie: Österreich macht bei Lissabon-Zielen einen Platz gut

Wien (OTS) - Die Rezession bremst die EU in diesem Jahr bei ihrem
Ziel, der führende, wissensbasierte Wirtschaftsraum der Welt zu
werden. Der jährliche Europäische Wachstums- und
Beschäftigungsmonitor der Allianz und des Lisbon Council zeigt, dass
alle Länder Europas vom globalen Abschwung stark erfasst werden.
Gegen Ende 2008 liegen nur noch sechs der 14 größten
EU-Mitgliedstaaten auf der Zielgeraden des "Lissabon-Monitors".
Österreich macht einen Platz gut und liegt nun auf Platz zehn.

Gesamteuropa: Monitor-Wert halbiert

Der Europäische Wachstums- und Beschäftigungsmonitor - ein
jährliches Ranking der internationalen Allianz Gruppe und des Lisbon
Council, das die Fortschritte im Lissabon-Prozess misst - zeigt, dass
die Rezession im Verlauf des Jahres 2008 alle Staaten Europas erfasst
hat. Der Monitor-Wert für das Wirtschaftswachstum hat sich 2008
gegenüber dem Vorjahr fast halbiert (von 0,97 auf 0,53 - ein Wert von
1,0 bedeutet Zielerreichung), der Wert für das Produktivitätswachstum
ist sogar fast auf ein Drittel gesunken (von 1,8 auf 0,67). Als
Konsequenz werden für 2009 entsprechend negative Ausschläge im
Arbeitsmarkt und den öffentlichen Finanzen erwartet, die den Monitor
weiter belasten werden.

Österreich: Erwerbstätigenquote im europäischen Spitzenfeld

2007    2008    +/-

Wirtschaftswachstum                1,07    0,73    -31,78%

Arbeitsproduktivität               2,21    0,87    -60,63%

Erwerbstätigenquote                1,05    1,05     0,00%

Beschäftigung mit akademischer     0,21    0,22     4,76%
Ausbildung                        

Investitionstätigkeit              1,09    1,10     0,92%

Staatsfinanzen                     1,45    1,39    -4,14%

Insgesamt                          1,18    0,89    -24,58%

Wirft man einen Blick auf die einzelnen Indikatoren der Studie, so
zeigt sich, dass die Finanzkrise auch in Österreich ihre Spuren
hinterlässt. Trotz teilweise drastischer Einbrüche in einzelnen
Segmenten konnte Österreich im Vergleich zum Vorjahr in Relation zu
den anderen EU-Staaten seine Platzierungen halten oder verbessern.
Beim Wirtschaftswachstum wurden - trotz Rückgang des Indikators um
fast ein Drittel - im Jahresvergleich ebenso zwei Plätze gutgemacht
(von 7 auf 5) wie bei der Arbeitsproduktivität (von 8 auf 6), die um
knapp zwei Drittel einbrach. Die beste österreichische Platzierung
ist im Bereich der Erwerbstätigenquote mit Rang 4. Auch die weitere
Top-Platzierung aus dem Vorjahr (Platz 5) im Bereich der
Investitionstätigkeit konnte gehalten werden. Bei den Staatsfinanzen
liegt Österreich mit Rang 7 konstant im Mittelfeld. Trotz einer
Verbesserung um knapp 5 Prozent beim Indikator "Beschäftigung mit
akademischer Ausbildung" blieb Österreich in diesem Feld, so wie im
Vorjahr, auf dem vorletzten Platz. Über alle Indikatoren gerechnet
ist der Wert für Österreich von 1,18 um knapp ein Viertel auf 0,89
eingebrochen. Trotzdem hat Österreich im Vergleich zum Vorjahr einen
Platz gut gemacht und belegt innerhalb der EU 15 insgesamt Rang 10.
Österreich liegt damit um 11 Prozentpunkte unter der angepeilten
Zielerreichung.

Finnland wieder Nummer eins

Finnland verteidigt seine Spitzenposition in der Tabelle aufgrund
seines sehr guten Abschneidens in puncto Humankapital und stabiler
Staatsfinanzen. Auch Polen kann trotz Mängeln bei der Beschäftigung
seinen zweiten Platz behaupten, dank vergleichsweise hoher
Wirtschaftswachstums- und Produktivitätswachstumsraten. Nur noch
insgesamt sechs Staaten (Finnland, Polen, Niederlande, Griechenland,
Schweden, Spanien) erreichen für 2008 noch einen Wert über 1,0, der
eine Zielerreichung verspricht. 2007 hatten alle Staaten bis auf
Italien diese Zielmarke übertroffen. Alle 14 Staaten verzeichnen für
2008 gegenüber dem Vorjahreszeitraum spürbare bis sehr starke
Einbußen zwischen 0,08 Punkten (Spanien) und 0,78 Punkten (Irland).
Der Negativtrend wird sich auch 2009 in dem Monitor noch fortsetzen
und weitere Staaten unter die Zielerreichungsmarke von 1,0 drücken.
Deutschland verliert 2008 überdurchschnittlich (-0,36 Punkte
gegenüber EU15-Schnitt von -0,28 Punkten) und rutscht von Rang 8 auf
Rang 9. Bemerkenswert ist aber gerade jetzt die Stabilität der
öffentlichen Finanzen auf gutem Niveau (1,4), die der Regierung etwas
Flexibilität im Umgang mit der Krise erlaubt. Die Niederlande, deren
Wirtschaftswachstum weniger leidet, als das der Wettbewerber und die
sogar Fortschritte beim Beschäftigungsindikator verzeichnen können,
machen den größten Sprung nach vorn und klettern auf Rang drei.
Irland, das aufgrund seiner Abhängigkeit von Export und
Finanzwirtschaft besonders von der Krise getroffen wird, verliert am
stärksten und sackt vom vierten auf den 13. Rang ab. Schlusslicht
bleibt wie im Vorjahr Italien, dessen Wirtschaftswachstum und
Arbeitsproduktivität sich nochmals deutlich verschlechtert haben.

Allianz erwartet Ankurbelung des Wachstums in 2009

Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz SE und Autor der Studie,
erwartet wegen der fundamentalen Stärken Europas und den positiven
Begleitfaktoren, wie den niedrigen Rohstoff- und Ölpreisen, der
lockeren Geldpolitik und den Konjunkturpaketen, eine Ankurbelung des
Wachstums bereits in diesem Jahr. Und er weist auf die Chancen hin:
"Aus der Krise werden die Länder gestärkt hervor gehen, die
langfristigen Konzepten und dauerhaften Reformen den Vorzug gegenüber
kurzfristiger Nachfragepolitik geben. Investitionen in
Zukunftstechnologien und Humankapital sorgen für Wachstumsimpulse.
Das gilt für Zukunftsbranchen genauso wie für unsere wichtigen,
traditionellen Branchen wie den Automobil- und Maschinenbau." Paul
Hofheinz, Präsident des Lisbon Councils ergänzt: "Ohne die aktuelle
Krise hätte Europa das starke Wachstum der Jahre 2005 bis 2008
fortgesetzt und das ambitionierte Lissabon-Ziel 2010 erreicht. Nun
sind langfristige Investitionsziele, Innovationen und die Entwicklung
des Humankapitals umso dringender gefragt, um Europa wieder auf
diesen Pfad zum führenden Wirtschaftsraum zu führen."

Der Europäische Wachstums- und Beschäftigungsmonitor wird jedes
Jahr unmittelbar vor der Frühjahrstagung der EU von den Volkswirten
der Allianz SE gemeinsam mit der Denkfabrik Lisbon Council
herausgegeben und am 12. März in Anwesenheit des Präsidenten der
EU-Kommission, José Manuel Barroso, in Brüssel vorgestellt. Der
Monitor analysiert die Entwicklung in 14 EU-Mitgliedsstaaten,
basierend auf sechs Indikatoren: Wirtschaftswachstum,
Produktivitätswachstum, Beschäftigungsentwicklung, Qualifikationsgrad
der Beschäftigten, Ausrüstungsinvestitionen sowie die Nachhaltigkeit
der Staatsfinanzen.

Rückfragehinweis:

Nicolai Tewes
   Allianz SE
   Tel. +49 (0)89-3800 4511 / +49 (0)171-86 02 154
   mailto:[email protected] 
   
   Dr. Lorenz Weimann
   Allianz SE
   Tel. +49 (0)89-3800 16891 / +49 (0)170-79 17 781
   mailto:[email protected] 
   
   Ann Mettler
   The Lisbon Council
   Tel. +32 (0)2-64 79 575
   mailto:[email protected]

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