• 07.03.2009, 19:53:02
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Aus eins mach 365" (Von Ute Baumhackl)

Ausgabe vom 8. März 2009

Graz (OTS) - Was war so los anno 1911? Karl ehelichte Zita.
Amundsen erreichte als erster den Südpol. In Indien wurde erstmals
Post per Flugzeug befördert. Der Fußballclub Austria Wien wurde
gegründet, Bruno Kreisky und Marcel Prawy wurden geboren, Gustav
Mahler starb und die Titanic lag noch in der Werft.

Den ersten Frauentag gab es auch 1911; in Dänemark, Deutschland, der
Schweiz und Österreich-Ungarn. Die Welt hat sich seither gehörig
geändert, wer braucht da noch einen Kampftag für die Gleichstellung
der Frauen? Das diesjährige Motto des Weltfrauentags, der seit 1977
unter Patronanz der Vereinten Nationen steht, lautet: "Frauen und
Männer vereint für ein Ende der Gewalt gegen Frauen und Mädchen".

Klitorisverstümmelung, systematische Vergewaltigung im Krieg,
Zwangsverheiratung, Ehrenmorde, prügelnde Väter, Söhne, Ehemänner _
die Liste der Entsetzlichkeiten ist lang, dazu gab es jüngst
zahlreiche hoch politische Wortmeldungen, angefangen bei
UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon, der dazu aufrief, "die
gewohnheitsmäßige und sozial tief verwurzelte Gewalt zu beenden, die
Leben zerstört, Gesundheit schädigt, Armut verschlimmert und Frauen
daran hindert, gleichberechtigt zu sein".

Auch auf nationaler Ebene wurde dieser Tage diskutiert: über
weibliche Armut, Einkommen und Qualifikation, flexiblere
Arbeitszeiten, bessere Kinderbetreuung, Frauen-Netzwerke, das Übliche
halt. Allen Forderungen gemeinsam war ihre plötzliche Dringlichkeit -
und ihre Termintreue. Pünktlich zum 8. März werden die Frauenthemen
aus dem Ladl geholt, genauso pünktlich wird die Verlogenheit dieses
saisonalen Engagements kritisiert, und bald herrscht wieder Ruhe.

Das könnte man in bester feministischer Tradition mit der Perfidie
des patriarchalen Systems begründen. De facto aber sitzen in allen
Parteien längst durchaus mächtige Frauenpolitikerinnen, die, wie
übrigens auch ihre Herren Kollegen, den Auftrag haben, die
Gleichstellung der Frauen umzusetzen. Die ist nämlich längst Gesetz.

Und dann wären da auch noch wir, die Frauen, gut eingewickelt in die
wärmende Opferrolle, Jahr für Jahr überrascht, weil schon wieder ein
Frauentag vor der Tür steht und die Probleme noch immer die selben
sind. Die meisten von uns leben gottlob ohne physische, psychische,
finanzielle Bedrohung. Das mag vom kollektiven Wohlergehen ablenken,
aber noch immer gilt: Wer es besser haben will, muss dafür sorgen,
dass es auch den anderen besser geht. Ein längerfristiges Projekt,
übrigens, und dafür könnte ja der Weltfrauentag, 98 Jahre nach seiner
Gründung, endlich einmal der Auftakt sein. ****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
mailto:[email protected]
http://www.kleinezeitung.at

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