- 05.03.2009, 17:45:00
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Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Der Wind bläst rechts"
Ausgabe vom 6. März 2009
Wien (OTS) - Was wäre eigentlich, wenn Alfred Gusenbauer auch noch
das jüngste Wahlergebnis verantworten müsste? Nach dem heftigen
Doppel-Minus (zehn in Kärnten, sechs in Salzburg) gäbe es jedenfalls
eine schwere Partei- wie Koalitionskrise samt Sturm der Medien. Das
ist jedoch ebenso ausgeblieben (lässt man die üblichen albernen
Ratschläge aus Graz beiseite) wie nach der Kriegserklärung der
Unterrichtsministerin an die Lehrer (aller Couleurs).
Dafür gibt es mehrere Interpretationen: Eine wäre, dass die
Massenmedien zu dem wenig sympathischen Gusenbauer einfach ungerecht
waren. Eine weitere läge im Inseraten-Tsunami aus öffentlichen
Geldern samt geheimnisvoll stillen Beteiligungen, die den Boulevard
derzeit sehr SPÖ-geneigt machen.
Freilich gibt es auch noch eine andere Erklärung für das
Ausbleiben eines Sturmes: Die SPÖ selbst könnte erkannt haben, dass
der politische Wind nach rechts bläst. Im übrigen Europa mehr als
hierzulande (wo ja alle Parteien irgendwie sozialdemokratisch sind).
In Italien ist der von vielen fast so oft wie Jörg Haider oder
Wolfgang Schüssel hinuntergeschriebene Silvio Berlusconi populärer
denn je, während die Linksparteien höchstens noch ein Gerücht sind.
In Deutschland ist zwar Angela Merkel nicht wirklich im Hoch, aber
zusammen haben CDU, CSU und (vor allem) FDP bei Umfragen mehr
Prozente denn je in der Geschichte. In Frankreich ist der rechte
Sarkozy (trotz oder wegen seiner eher linken Politik?) zwar nicht
mehr so populär wie einst, aber dennoch völlig ungefährdet. Und in
Großbritannien gibt es kaum noch jemanden, der Labour einen weiteren
Wahlsieg zutraut. Ja, und die Grünen sind überall nur noch ein so
skurriler Anachronismus wie Monarchisten.
Das alles hängt mit dem schweren Beben namens Weltwirtschaftskrise
zusammen. Krisenzeiten sind schlecht für die klassische Linke.
Sozialdemokraten oder Ökoträumer holt man, wenn es etwas zum
Umverteilen gibt, aber nicht, wenn die gesamte Ökonomie
darniederliegt.
Das freilich bedeutet noch keinen dauernden Freifahrschein für
Liberale und Konservative. Schaffen diese die Sanierung nämlich
nicht, stehen schon die Populisten vor der Tür. Von Strache bis zu
Lafontaine. Auch wenn die keine Rezepte haben.
http://www.wienerzeitung.at/tagebuch
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