- 02.03.2009, 18:02:47
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Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Der Graf im Verließ"
Ausgabe vom 3. März 2009
Wien (OTS) - Genutzt hat es zwar nichts, dennoch fällt es auf: Als
die Arbeitslosenzahlen noch erfreulich waren, wurden sie oft am
letzten Tag des Monats bekannt. Diesmal ließ man sich zwei Tage mehr
Zeit. Die katastrophale Lage sollte ganz offensichtlich am Vorabend
wichtiger Wahlen verschwiegen werden.
Das ist parteipolitisch verständlich. Das Vertrauen in die
Objektivität der hohen Obrigkeit wird dadurch freilich nicht gerade
erhöht.
*
Alfons Mensdorff-Pouilly ist seit langem in Gesellschaft wie
Öffentlichkeit durch gräfliche Überheblichkeit aufgefallen. Er
erinnerte dadurch an Helmut Elsner; nur dürften bei diesem die Macht
des Geldes und nicht die Farbe des Bluts solche Präpotenz ausgelöst
haben. Das sagt natürlich noch nichts über des Grafen Schuld aus,
auch wenn die bisher bekannten Indizien recht ernsthaft klingen.
Absurd ist allerdings die Wendung, die Peter Pilz der Verhaftung
Mensdorffs geben will. Er sieht ein neues Argument gegen die
Eurofighter-Anschaffung durch Österreich - und übersieht dabei
erstens, dass Mensdorff nicht wegen eines österreichischen, sondern
eines tschechischen Kaufs im Zwielicht steht; sowie zweitens, dass
Mensdorff nicht für Eurofighter, sondern die Konkurrenten von
Saab-Gripen tätig war. Angesichts der Tatsache, dass Mensdorff
Ehemann einer damaligen Ministerin ist, spricht das eigentlich
deutlich für die österreichische Entscheidung.
*
Ein Gericht hat eine Wellness-Therme verurteilt: Diese will eine
Ärztin nicht anstellen, die auf dem Tragen eines Kopftuchs beharrt.
Das zeigt erstens, wie relativ Gerechtigkeit ist: Denn andere
Rechtsstaaten verbieten Kopftücher. Und das zeigt zweitens, wie sehr
sich die krampfhafte Political Correctness mancher Richter von
Bürgern und wirtschaftlichen Realitäten entfernt hat. Denn eine
Therme würde mit Sicherheit viele Kunden verlieren (noch dazu in
Zeiten einer Thermenkrise), wenn diese von Kopftuch-Ärztinnen betreut
würden. Den Gästen kann man ja nur schlecht vorschreiben, in welche
Therme sie fahren.
Und jene wenigen Arbeitgeber, die überhaupt noch gewillt sind,
jemanden neu anzustellen, werden so wieder einmal belehrt, wie sehr
ihnen das Leben durch kündigungsgeschützte Richter im gutmenschlichen
Elfenbeinturm erschwert wird.
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