WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Barack Obama würde uns beneiden - von Wolfgang Unterhuber

Österreichs Flaggschiffe werden nicht zusammenbrechen

Wien (OTS) - Die Katastrophe ist ausgeblieben. Die
Vorjahresbilanzen und aktuellen Quartalsberichte der österreichischen Paradeunternehmen weisen geradezu erwartungsgemäße Entwicklungen auf. Dass bei der Telekom Austria die Restrukturierung der Festnetzsparte ins Geld geht und das Festnetz auch ohne Wirtschaftskrise ein Problem ist, sorgt höchstens noch beim Betriebsrat für Verwunderung. Dass die Voestalpine seit Oktober in nahezu allen Geschäftsfeldern, besonders aber im Automotive-Bereich, mit massiven Einbrüchen zu kämpfen hat, ist ebenfalls bekannt. Und dass die OMV beim Nettoergebnis im vierten Quartal 2008 in die roten Zahlen rutschte, wird bei Gutmenschen und politischen Populisten womöglich sogar Freude auslösen.

Relativ gesehen wurde übrigens noch einmal der eine oder andere Rekord erzielt. Sieht man von den Sondereffekten und dem teuren Machtkampf um die ungarische MOL ab, dann würde das etwa für das OMV-Ergebnis gelten. Oder für die Voest bei den operativen Neun-Monats-Zahlen. Der Feuerwehrtechnologiespezialist Rosenbauer meldet überhaupt das beste Jahr in der 143-jährigen Unternehmensgeschichte.

Wie gesagt, Rekorde sind immer relativ zu sehen, aber in Summe und vereinfacht lässt sich Folgendes sagen: 2008 war noch einmal ein gutes bis sehr gutes Jahr. Jetzt wird es hart. Aber: Die Welt wird nicht zusammenbrechen bei unseren Flaggschiffen. Die dortigen Manager erwecken keine falschen Hoffnungen, doch scheinen sie Herr der Lage zu sein - das zählt nicht gerade wenig.

Und dennoch: Etwas fehlt dieser Tage. Eine Art Generalinstanz, die den Menschen sowohl reinen Wein einschenkt, gleichzeitg aber auch Mut macht. An dieser Stelle dürfen wir neidvoll in die USA blicken. Präsident Barack Obama hat seinem Volk, das in der Vergangenheit gerne auf Pump ins Blaue hineinlebte, in seiner Rede vor dem Kongress dafür die Leviten gelesen. Zugleich aber zeigte er glasklar auf, wie man aus dem Schlamassel rauskommen könnte. Europa, geschweige denn Österreich, hat leider keinen Obama. A-Tec-Chef Mirko Kovats hat Recht, wenn er im jüngsten WirtschaftsBlatt-Interview sagt, dass die Amerikaner die Krise längst überstanden haben werden, während die Europäer noch darüber diskutieren.

So bleibt uns nur der schwache Trost, dass uns der US-Präsident um den Zustand unserer Unternehmen wohl ebenfalls beneiden würde. Was würde er wohl daraus machen, wenn er mit solchen Betrieben an seiner Seite die Zukunft gestalten könnte?

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