• 25.02.2009, 16:04:07
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Barack Obama würde uns beneiden - von Wolfgang Unterhuber

Österreichs Flaggschiffe werden nicht zusammenbrechen

Wien (OTS) - Die Katastrophe ist ausgeblieben. Die
Vorjahresbilanzen und aktuellen Quartalsberichte der österreichischen
Paradeunternehmen weisen geradezu erwartungsgemäße Entwicklungen auf.
Dass bei der Telekom Austria die Restrukturierung der Festnetzsparte
ins Geld geht und das Festnetz auch ohne Wirtschaftskrise ein
Problem ist, sorgt höchstens noch beim Betriebsrat für Verwunderung.
Dass die Voestalpine seit Oktober in nahezu allen Geschäftsfeldern,
besonders aber im Automotive-Bereich, mit massiven Einbrüchen zu
kämpfen hat, ist ebenfalls bekannt. Und dass die OMV beim
Nettoergebnis im vierten Quartal 2008 in die roten Zahlen rutschte,
wird bei Gutmenschen und politischen Populisten womöglich sogar
Freude auslösen.

Relativ gesehen wurde übrigens noch einmal der eine oder andere
Rekord erzielt. Sieht man von den Sondereffekten und dem teuren
Machtkampf um die ungarische MOL ab, dann würde das etwa für das
OMV-Ergebnis gelten. Oder für die Voest bei den operativen
Neun-Monats-Zahlen. Der Feuerwehrtechnologiespezialist Rosenbauer
meldet überhaupt das beste Jahr in der 143-jährigen
Unternehmensgeschichte.

Wie gesagt, Rekorde sind immer relativ zu sehen, aber in Summe und
vereinfacht lässt sich Folgendes sagen: 2008 war noch einmal ein
gutes bis sehr gutes Jahr. Jetzt wird es hart. Aber: Die Welt wird
nicht zusammenbrechen bei unseren Flaggschiffen. Die dortigen Manager
erwecken keine falschen Hoffnungen, doch scheinen sie Herr der Lage
zu sein - das zählt nicht gerade wenig.

Und dennoch: Etwas fehlt dieser Tage. Eine Art Generalinstanz, die
den Menschen sowohl reinen Wein einschenkt, gleichzeitg aber auch Mut
macht. An dieser Stelle dürfen wir neidvoll in die USA blicken.
Präsident Barack Obama hat seinem Volk, das in der Vergangenheit
gerne auf Pump ins Blaue hineinlebte, in seiner Rede vor dem Kongress
dafür die Leviten gelesen. Zugleich aber zeigte er glasklar auf, wie
man aus dem Schlamassel rauskommen könnte. Europa, geschweige denn
Österreich, hat leider keinen Obama. A-Tec-Chef Mirko Kovats hat
Recht, wenn er im jüngsten WirtschaftsBlatt-Interview sagt, dass die
Amerikaner die Krise längst überstanden haben werden, während die
Europäer noch darüber diskutieren.

So bleibt uns nur der schwache Trost, dass uns der US-Präsident um
den Zustand unserer Unternehmen wohl ebenfalls beneiden würde. Was
würde er wohl daraus machen, wenn er mit solchen Betrieben an seiner
Seite die Zukunft gestalten könnte?

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at

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