• 25.02.2009, 12:19:47
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Peter Handke gegen Papst, Obama und "Lügnerin" Clinton

"Kärntner Epos" für die Bühne in Fertigung

Wien (OTS) - In diesen Tagen erscheint bei Suhrkamp seine
literarische Reportage "Die Kuckucke von Velika Hoca" über eine
serbische Enklave im Kosovo. In der morgen erscheinenden NEWS-Ausgabe
äußert sich Peter Handke zur Weltlage und zu seinen Plänen.

In den Aufbruchsjubel um Obama und seine Außenministerin will
Handke nicht einstimmen: "Das hat mich sehr enttäuscht, dass Obama
Hillary Clinton geholt hat. Das ist die Dame, die im Wahlkampf der
Lüge und Aufschneiderei überführt wurde, weil sie behauptete, in
Bosnien mit ihrer Tochter beschossen worden zu sein. So jemand ist
plötzlich Außenminister? Ich war auch enttäuscht von Obamas Rede:
"Wir sind wieder bereit, den anderen Völkern den Weg zu zeigen." Und
dann schreien wieder alle in die Kamera: "Wir sind das größte Volk!"
Der Unterschied ist, dass sogar die Schwarzen mitschreien. Kein Volk
ist das größte, das beste oder das auserwählte. Die Rhetorik hat sich
jedenfalls nicht sehr geändert. Und was er sonst an Ministern
angestellt hat! Sogar der Kerl, der die Folter in Guantanamo
befürwortet hat, darf jetzt großer Politiker spielen. Ich bin vor den
Kopf gestoßen."

Deutlich wird Handke auch zur Kirchenkrise, wobei er dem Papst ein
vernichtendes Zeugnis ausstellt: "Das alles ist völlig hirnrissig.
Das ist halt das Problem des Papstes: sein typisches Prälatentum.
Diese Leute waren nie im Kontakt mit einem Volk, weil sie vom Seminar
weg Priester und Lehrer geworden sind. Wie seltsam ist seine
Autobiographie: Da wächst einer in Traunstein (nahe dem
Konzentrationslager Dachau, Anm.) auf und redet kein Wort von Juden
oder Verfolgungen. Es ist schon recht, wenn die Frömmigkeit nach
innen gekehrt ist, aber ein bissl die Augen aufmachen kann man doch.
So selbstverständlich ist es nicht, dass man Hitlerjunge sein musste.
Mir ist es symbolisch unerträglich, dass ein Hitlerjunge Papst ist.
Auch wenn er damals unter Todesandrohung zur Hitlerjugend gezwungen
worden sein sollte. Schon was er in Regensburg gegen den Islam gesagt
hat, ist unverzeihlich. So etwas können Wissenschafter sagen oder
Kinder, die empört sind. Aber nicht das Oberhaupt der katholischen
Kirche. Und was dieser Williamson verkörpert: Das hat gewusst zu
werden, wenn man die Entscheidung trifft, eine Exkommunikation
aufzuheben. Zu den sieben Todsünden gehört noch eine achte - die
Ahnungslosigkeit, das Zeichen von Nicht-in-der-Welt-Sein. Wissen ist
wenig. Aber Ahnung haben ist alles."

Und zum designierten Weihbischof Wagner: "Der Rückzug stand sogar
in der ,Liberation’! In der Kirche gibt es sicher viele helle
Stellen, aber das ganze Gebäude ist im Moment nicht so gut
ausgeleuchtet."

Suhrkamp-Autor Handke zur viel diskutierten Übersiedlung seines
Verlages nach Berlin: "Es tut mir leid für die Leute, die da seit
langem in Frankfurt leben. Gefallen kann es einem nicht, aber das ist
die Entscheidung der Leute, die den Verlag machen. Dass man hinzieht,
weil viele Autoren in Berlin leben, ist fadenscheinig. Die Entfernung
macht ja alles inniger! Ich bin froh, dass der Verlag weit weg ist.
Es wär’ furchtbar, wenn er in Versailles wäre."

Er selbst arbeitet an einem Theaterstück über die Kärntner
Partisanen, das im nächsten Jahr an einem noch nicht feststehenden
Ort uraufgeführt werden soll. Handke: "Ich bin noch am Schreiben. Es
geht um den Widerstandskampf der Kärntner Partisanen gegen Hitler.
Zugleich ist es auch episch und traumhaft. Ich hab mir gedacht: Wenn
schon ein Stück, dann geh ich aufs Ganze und erzähl’ auch wirklich
lang und breit und scharf und schneidend von der Geschichte eines
Volkes. Die Protagonisten sind diejenigen, die als einzige
organisiert auf dem Boden des Dritten Reiches Widerstand geleistet
haben. Ich mach’s halt auf meine Art, ein langes, episches Stück in
der Art von "Zurüstungen für die Unsterblichkeit", fast ein Kärntner
Epos. Es fängt im Vorkrieg an und greift in die Ewigkeit aus. Die
Bösen treten nicht auf, sie werden nur nachgemacht: der Gauleiter
Rainer oder die Gendarmen, die Frauen und Kinder an die Bäume gehängt
haben ... am Schluss versucht dann der übrig gebliebene Held alle
diese Leute loszuwerden und merkt, dass er es nicht mehr kann. Das
ist eine der Haupttraurigkeiten der Geschichte."

Rückfragehinweis:
Sekretariat NEWS
Chefredaktion
Tel.: (01) 213 12 DW 1103

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