• 23.02.2009, 19:33:16
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "ORF: Wie man ein Unternehmen politisch an die Wand fährt" (Von Frido Hütter)

Ausgabe vom 24.2.2009

Graz (OTS) - Dreister als derzeit wurde selten zuvor mit dem ORF
gespielt. Das Management wurde vor zwei Jahren mit vorrangiger
Unterstützung der SPÖ installiert. Niemand behauptet, es sei die
beste aller denkbaren Direktionen. Sie war ein Kompromiss, aber auch
ein Tiefschlag gegen den damals herrschenden Hochmut der ÖVP. In
bizarrer Einmütigkeit rotteten sich SPÖ, FPÖ, BZÖ und Grüne zusammen
und hoben Alexander Wrabetz in das höchste Amt auf dem Küniglberg. -
Man hätte es fast weitblickend nennen können, dass damit erstmals ein
Kaufmann ORF-General wurde.

Eine Etage tiefer wurden die Einzelwünsche der Verschwörerparteien
bedient. Und auf einmal kommen die selben Leute drauf, dass diese
Führung nicht zukunftstauglich ist.

Die Methodik ist von beeindruckender Perfidie: Da weigert sich
SP-Kanzler Werner Faymann in den ersten Interviews beharrlich, über
das SP-Mitglied Wrabetz ein gutes Wort zu sagen. Dann tritt Faymanns
Staatssekretär Josef Ostermayer als gramer Bedenkenträger auf: Wenn
Wrabetz am 2. April kein geeignetes Konzept vorlege, ließ Ostermayer
schon im Jänner wissen, dann müsse man über seine Position
nachdenken. Man ahnt schon: Wrabetz wird kein geeignetes Konzept
vorlegen können, weil die SPÖ das bereits Monate zuvor geahnt hatte.

Nachfolger kursieren. Von Hans Mahr bis - da lachen die Hühner -
RTL-Chef Gerhard Zeiler. Realistisch sind indes Namen, die der
schwarz-roten Hegemonie entsprechen würden und zudem Faymanns Onkel
Hans (Dichand) passen: Etwa Karl Amon, derzeit Chefredakteur und von
der Kronen Zeitung bereits zum ORF-Retter stilisiert. Oder
ORF-Wien-Chefin Brigitte Wolf als Programmintendantin, die zu Michael
Häupls kommendem Wahlkampf die richtige Musik spielen lassen könnte.
Und Richard Grasl als Info-Chef, der in Niederösterreich beweist,
dass man ein kritisches Image mit Loyalität zum Landesvater verbinden
kann, der vielleicht nächster Bundespräsident werden möchte. - Er
würde gleich zwei Prölls zufriedenstellen.

Alle Genannten sind erstklassige Journalisten bzw. Manager. Aber in
Summe passen sie einfach so gut in das Konzept, dass man um ihren
zukünftigen Ruf Sorge haben muss.

Der Stiftungsrat agiert lammfromm: Wunschgemäß zetert man auch über
Personen und Strukturen, statt sich dem wichtigsten Thema, den
Produkten, zu widmen. Und das Unternehmen selbst ist paralysiert wie
nie zuvor.

Sollte die Direktion den ORF nicht an die Wand fahren - die Politik
schafft das mit links.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
mailto:[email protected]
http://www.kleinezeitung.at

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