Innsbruck: Festgottesdienst zum Andreas-Hofer-Gedenktag

Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer verweist beim Landesgedenken auf Religionsfreiheit und warnt vor einer "missverstandenen menschlichen Autonomie", die Freiheit auf Egoismus reduziert

Innsbruck, 20.2.09 (KAP) Mit einer Kranzniederlegung beim Andreas-Hofer-Denkmal am Innsbrucker Bergisel, einem Festgottesdienst mit Diözesanbischof Manfred Scheuer im Jakobsdom und einem Gebet am Grab des Volkshelden in der Innsbrucker Hofkirche wurde am Freitag in Tirol des 199. Todestages von Andreas Hofer gedacht. Der Tag bildete gleichzeitig den Auftakt zum Tiroler Gedenkjahr 2009 unter dem Motto "Geschichte trifft Zukunft". Mit zahlreichen Veranstaltugngen in Innsbruck, Bozen und Trient wird in den kommenden Monaten an den Tiroler Freiheitskampf gegen die "aufgeklärte" bayrische Herrschaft vor 200 Jahren erinnert.

Der Tiroler Bischof Manfred Scheuer unterstrich in seiner Predigt beim Festgottesdienst im Innsbrucker Dom, an dem u.a. Landeshauptmann Günther Platter, Südtirols Landeshauptmann Luis Durnwalder und der Trienter Landesrat Franco Panizza teilnahmen, das Recht auf Religionsfreiheit. Der Kampf um sie habe, neben anderen Motiven, den Tiroler Freiheitskampf vor 200 Jahren mit geprägt, erinnerte Scheuer.

Die Religionsfreiheit sei auch heute herausgefordert. Angesichts einer massiven Individualisierung von Religion gelte es, einer "Reduktion von Religion auf Moral und Ethik" entgegen zu treten und den Religionsunterricht als "wichtigen Dienst an der Orientierung, an der Sinnfindung, an der Hoffnung und am Trost in unserem Land" zu verteidigen.

Freiheit nicht auf Egoismus reduzieren

Scheuers Homilie stand unter dem Thema "Freiheit und Glaube". Freiheit sei demnach gefährdet, wenn sie auf "Egoismus reduziert" oder von einem "reinen Anspruchs- und Versorgungsdenken geprägt" werde, warnte der Bischof. Ein "ziemlich verkürztes Missverständnis von Autonomie" äußere sich etwa, wenn die von der Kirche gelehrte Unverfügbarkeit des Lebens vom Anfang bis zum natürlichen Ende "als Gift katholischer Definitionsgewalt über das Leben" hingestellt werde, der gegenüber Autonomie und Mündigkeit hervorzuheben wären.

Freiheit, so Scheuer, sei auch mit der ethischen Verpflichtung und Forderung verbunden, andere nicht gering zu schätzen, nicht zu verachten, nicht als Material zu missbrauchen. Ein Verständnis von Freiheit, das sich an der Botschaft Jesu ausrichte, führe in menschliche Nähe, Solidarität und das Teilen von Begabungen und materiellen Gütern.

Die Tiroler seien es gewohnt, ihr Freiheitsverständnis an den Freiheitskriegen abzulesen, sagte Scheuer: "Ich möchte aber in den Raum stellen, dass die Barmherzigen Schwestern genau so viel für ein rechtes Verständnis beitragen wie Andreas Hofer. Die Freiheit in unserem Land lebt von vielen Ehrenamtlichen, von den Netzwerken und von der Freundschaft, von der Gratisgabe der Zeit und von der Solidarität nicht nur in Katastrophen".

Mit Bischof Manfred Scheuer konzelebrierten beim Festgottesdienst der Administrator der Diözese Bozen-Brixen, Josef Matzneller, Prälat Martin Walchhofer aus der Erzdiözese Salzburg und die drei Nordtiroler Äbte Raimund Schreier (Stift Wilten), German Erd (Stift Stams) und Anselm Zeller (Stift Fiecht). Musikalisch wurde der Gottesdienst von den Wiltener Sängerknaben gestaltet. (ende) K200901806
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