- 09.02.2009, 08:51:00
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Am Brenner wurde genug getrödelt - von Alexis Johann
Die Brennertunnel-Entscheidung liegt ganz alleine bei uns
Wien (OTS) - "Von einem Aus kann nicht gesprochen werden." So
antworten Infrastruktur- und Finanzministerium dem WirtschaftsBlatt,
das beim Brennerbasistunnel ein drohendes Ende sieht. Die
österreichische Regierung stehe weiterhin zum Megaprojekt. Aber daran
gab es ohnehin keinen Zweifel. Das Problem betrifft den Faktor Zeit.
Als die passfreie Zusammenführung Tirols erstmals durchgerechnet
wurde, 1983, bezifferten Experten den Bau mit unvorstellbaren 50
Milliarden Schilling (3,6 Milliarden Euro). Heute liegen die
Schätzungen bei 20 bis 40 Milliarden Euro - je nach Studienautor.
Jährlich hat sich der Bau also um eine halbe Milliarde Euro
verteuert. Noch schlimmer ist allerdings, dass die EU von Österreich
schon vor einem Jahr eine konkrete Finanzierungszusage forderte oder
die Gemeinschaft werde abspringen. Der zuständige EU-Koordinator
Karel van Miert damals: Ausschreibung 2009, Baubeginn 2010. Noch Ende
der neunziger Jahre waren schließlich alle davon ausgegangen, dass
der Tunnel zu diesem Zeitpunkt bereits fertig sein würde. Tirols
Landeshauptmann Günther Platter will diese Woche Finanzminister Josef
Pröll klar machen, dass der pure Wille nun nicht mehr reicht,
Entscheidungen sind fällig.
Die Lage ist tatsächlich verzwickt: Österreich will den Tunnel, um
die Autobahn zu entlasten. Italien möchte auch, hat tatsächlich schon
Gelder eingesammelt und überwiesen. Deutschland möchte eigentlich
nicht und prüft derzeit Varianten und Alternativen, Ergebnisse der
Studien sind nicht vor 2010 zu erwarten. Ohne die deutschen
Zulaufstrecken macht der Tunnel keinen Sinn. Was tun?Warten, dass
sich die Deutschen zu einem Projekt verpflichten, das sie nicht
wollen? Erstens, weil der Personenverkehr nur nachts beschleunigt
wird, und zweitens, weil sie sich darauf verlassen können, dass
Österreich die Gemeinschaftsverträge nicht brechen wird - also weder
eine Strafmaut noch Streckenblockaden einführt. Auf Deutschland zu
warten hieße, wieder eine Legislaturperiode sinnlos zu vertrödeln.
Nein, die Entscheidung liegt ganz alleine bei uns. Die EU, Italien
und Deutschland werden mitziehen, wenn Österreich vorangeht. Glauben
wir also daran, dass der Tunnel die Inntaler Verkehrshölle entlasten
kann? Ist uns das mindestens sieben Milliarden Euro wert, die wir
ganz alleine tragen? Es gibt keine vernünftige Antwort, sondern nur
Visionen: Wenn der Tunnel 2016 fertig ist, werden die
Treibstoffkosten vermutlich um einiges höher, die CO2-Thematik noch
relevanter sein. Und manchmal passieren auch Wunder. 2007 schrieb die
Betreibergesellschaft der Bahn durch den Eurotunnel, Eurostar,
erstmals Gewinne.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at
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