• 06.02.2009, 11:43:55
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Scharfe Kritik an Aussagen der österreichischen "Pius-Brüder"

Dekan der Wiener Katholisch-theologischen Fakultät, Prof. Jäggle: Rede von Schuld der Juden am Tod Christi "steht im Widerspruch zur Position der katholischen Kirche und wird von ihr nicht nur abgelehnt, sondern auch ausdrücklich bekämpft"

Wien, 6.2.09 (KAP) Der Dekan der Wiener Katholisch-theologischen
Fakultät und Vizepräsident des "Koordinierungsausschusses für
christlich-jüdische Zusammenarbeit", Prof. Martin Jäggle, hat
Aussagen des österreichischen Distriktsoberen der Lefebvrianer,
Helmut Trutt, zum Verhältnis von Juden und Christen in schärfster
Form zurückgewiesen. "Was vor 2.000 Jahren passiert ist, war schon
eine traurige Geschichte. Dafür geben wir den Juden zwar nicht die
Alleinschuld, aber: Die Juden haben Christus damals getötet. Das
jüdische Volk hat also eine Mitschuld an seinem Tod", hatte Trutt in
einem Interview mit der Tageszeitung "Österreich" gesagt.

"Das ist eine ungeheuerliche Feststellung und Missachtung der Juden
zu allen Zeiten, insbesondere der Opfer der Shoah", so Jäggle am
Freitag im Gespräch mit "Kathpress". "Diese Position ist im
Widerspruch zur Position der katholischen Kirche und wird von ihr
nicht nur abgelehnt, sondern auch ausdrücklich bekämpft", stellte
Prof. Jäggle wörtlich fest. Die katholische Kirche habe im
Konzilsdekret "Nostrae aetate" klar die Linie vorgegeben, so der
Dekan der Katholisch-theologischen Fakultät der Universität Wien.

In dieser Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils über die
Beziehung der Kirche zu nichtchristlichen Religionen heißt es
wörtlich: "Obgleich die jüdischen Obrigkeiten mit ihren Anhängern auf
den Tod Christi gedrungen haben, kann man dennoch die Ereignisse
seines Leidens weder allen damals lebenden Juden ohne Unterschied
noch den heutigen Juden zur Last legen. Gewiss ist die Kirche das
neue Volk Gottes, trotzdem darf man die Juden nicht als von Gott
verworfen oder verflucht darstellen, als wäre dies aus der Heiligen
Schrift zu folgern. Darum sollen alle dafür Sorge tragen, dass
niemand in der Katechese oder bei der Predigt des Gotteswortes etwas
lehre, das mit der evangelischen Wahrheit und dem Geiste Christi
nicht im Einklang steht".

Trutt, der in der katholischen Kirche keine priesterlichen Funktionen
hat, hatte im "Österreich"-Interview den Juden die Schuld am Tod
Christi gegeben. "Was vor 2.000 Jahren passiert ist, war schon eine
traurige Geschichte. Dafür geben wir den Juden zwar nicht die
Alleinschuld, aber: Die Juden haben Christus damals getötet. Das
jüdische Volk hat also eine Mitschuld an seinem Tod", wird Trutt
zitiert. Und weiter: "Ich rede gerne mit Juden, aber wir sind der
Überzeugung: Jesus Christus kann uns und auch die Juden erlösen.
Dafür müssen sie sich aber öffnen und ihn als Erlöser anerkennen".
Die "Pius-Bruderschaft", so Trutt weiter, sei überzeugt, dass "einige
Inhalte der katholischen Kirche falsch sind". (forts.)
K200901329
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