- 06.02.2009, 10:03:46
- /
- OTS0054 OTW0054
Leistungsoptimierung und Wettbewerbsfähigkeit Universitätsbericht 2008 liegt dem Parlament vor
Wien (PK) - Moderne Universitäten brauchen Autonomie, Integration und
Steuerung, durch die eine koordinierte Entwicklung des
Hochschulwesens überhaupt erst ermöglicht werde, so Bundesminister
Hahn im Vorwort des Universitätsberichts 2008 (III-22 d.B.), der
dieser Tage dem Hohen Haus zugeleitet wurde.
Der Staat und das zuständige Bundesministerium hätten unter anderem
dafür Verantwortung zu übernehmen, dass das Instrumentarium des
Universitätsgesetzes 2002 (UG 2002), das die Universitäten mit
weitreichender institutioneller Autonomie ausgestattet habe, seine
Wirkung entfalte und wünschenswerte Entwicklungen begünstige. Hierzu
bedürfe es der Formulierung forschungs- und hochschulpolitischer
Leitlinien zur Festlegung eines Rahmens für eine koordinierte
Gestaltung des Universitätssektors und einer Diskussion über
anreizorientierte Möglichkeiten für die Umsetzung kurzfristiger
Gestaltungsnotwendigkeiten innerhalb einer
Leistungsvereinbarungsperiode. Neue Leistungsvereinbarungen seien
dabei auf Grundlage bereits erbrachter Leistungen und erzielter
Wirkungen zu verhandeln, wobei verstärkt auf Anschlussfähigkeit an
europäische Entwicklungen zu achten sei, so der Bundesminister.
Leistungsvereinbarungen und Finanzierung
Der Universitätsbericht legt in sechs Kapiteln Rechenschaft über die
bisherige Entwicklung und die zukünftige Ausrichtung der
Universitäten ab. Der dreijährige Berichtszeitraum (2005-2008) sei
vor allem durch die Implementierung neuer Finanzierungs- und
Steuerungsinstrumente des UG 2002 geprägt worden, die die bisherige
Praxis ablösten.
2007 kam mit der Leistungsvereinbarung erstmals eine neue Form der
leistungsbezogenen Universitätsfinanzierung zum Einsatz, durch die in
einigen Bereichen (z.B. Studiendauer, Erhöhung der Erfolgsquote,
Förderung der Einwerbung von Drittmitteln) eine zusätzliche Steuerung
in die gewünschte Richtung erzielt werden soll. Im Rahmen dieses
neuen Modells kommt es zur Verknüpfung vereinbarter Leistungen mit
finanziellen Ressourcen in Form von Globalbudgets.
Leistungsbezogenheit und Wettbewerb, die wesentliche Elemente dieser
Finanzierungsform darstellten, würden vor allem durch die Einführung
eines Formelbudgets, das neben dem Grundbudget den zweiten Teil des
universitären Globalbudgets bilde, stärker betont. Dieser
formelgebundene Budgetanteil berechne sich aus 11 qualitäts- und
quantitätsbezogenen Indikatoren aus den Bereichen Lehre, Forschung
und gesellschaftliche Zielsetzungen.
In der ersten Leistungsvereinbarungsperiode fokussierte man dabei auf
die Fortführung des bestehenden Leistungsangebots, wobei rund 190
Millionen Euro der Mittel explizit für die Finanzierung von
Schwerpunkten (zusätzliche Professuren, Verbesserung der
Betreuungsrelationen, etc.) aufgewendet wurden.
Österreich liegt bei den öffentlichen Ausgaben für den tertiären
Bereich relativ zum BIP mit einem Wert von 1,2 % über dem OECD-
Durchschnitt. Im Berichtszeitraum stiegen die Ausgaben für die
Universitäten um 11 %. Zusätzlich zum Gesamtbudget erhalten die
österreichischen Universitäten seit 2001 Offensivmittel für die
Verbesserung ihrer Infrastruktur und weitere finanzielle Aufwendungen
für das Programm Vorziehprofessuren. Im Zuge der
Generalsanierungsoffensive aus dem Jahr 2005 wurden 500 Millionen
Euro für bauliche Maßnahmen aufgebracht.
Die Hochschulen zählen zu den Hauptakteuren der österreichischen
Forschungslandschaft, die F&E-Erhebung 2006 ergab dabei einen
forschungswirksamen Anteil des Universitätsbudgets von 47 %. Der
Anteil finanzieller Mittel aus antragsorientierter Forschung, dem
Unternehmenssektor und dem Ausland ist steigend, die
Drittmitteleinnahmen der Universitäten aus Forschungsprojekten haben
diesem Befund entsprechend seit 2005 um 20 % zugenommen.
Die Umstellung des Studienangebots auf die Bologna-Studienarchitektur
verlief im Berichtszeitraum erfolgreich, Bachelor- und Masterstudien
stellen bereits 84 % des gesamten ordentlichen Studienangebots. Durch
den verstärkten Einsatz neuer Medien in den Wissensvermittlungs- und
Administrationsprozess soll vor allem auf Zielgruppen mit besonderen
Bedürfnissen (Berufstätige, Personen mit Betreuungspflichten und
Behinderte) eingegangen werden. Das universitäre
Weiterbildungsangebot, das im WS 2007/08 von rund 12.000 Studierenden
in Form von Universitätslehrgängen in Anspruch genommen wurde, zeigt
ebenfalls positive Entwicklungstendenzen.
Personal und Nachwuchsförderung
Im Berichtszeitraum konnte eine Steigerung der Zahl der
Universitätsbeschäftigten um 12 % verzeichnet werden. Die größten
Anstiege sind jedoch im Bereich der über F&E-Projekte
drittfinanzierten MitarbeiterInnen zu beobachten: Im WS 2007/08
verfügten laut Bericht bereits 25 % des wissenschaftlichen und
künstlerischen Personals über ein Beschäftigungsverhältnis im
Drittmittelbereich.
45 % der an den Universitäten beschäftigten Mitarbeiter sind Frauen,
ihr Anteil sinkt jedoch mit zunehmender Qualifizierungs- bzw.
Karrierestufe. Die Tatsache, dass bis 2010 mehr als ein Viertel der
Professuren aus Altersgründen vakant werde, biete den Universitäten
neben der Möglichkeit zu Umstrukturierungen und neuen
Schwerpunktsetzungen aber auch die Gelegenheit zur Erhöhung des
Frauenanteils. Die weitere Steigerung der Frauenquote soll zudem
Bestandteil der Leistungsvereinbarungen 2010-2012 werden.
Die Betreuungsrelation von ProfessorIn zu Studierenden beträgt
derzeit 1 zu 104. Eine günstigere Relation ergebe sich jedoch, wenn
bei dieser Berechung nur "prüfungsaktive Studierende" (d.h.
Studierende, die ein Mindestmaß an Prüfungsaktivität aufweisen)
berücksichtigt würden: Eine solche Berechnung gelange zu einem
Verhältnis von 1 zu 73, so der vorliegende Bericht.
Der Großteil der österreichischen Universitäten hat die
Nachwuchsförderung in ihren strategischen Zielen verankert.
Diesbezügliche Angebote in den Bereichen Personalentwicklung,
DoktorandInnen-, Mobilitäts- und Forschungsförderung werden bereits
in großer Zahl offeriert. Im Anschluss an europäische Entwicklungen
auf dem Hochschulsektor wurde die Dauer von Doktoratsstudien 2006 von
zwei auf drei Jahre verlängert, DoktorandInnen würden dabei nicht nur
als Studierende, sondern gleichzeitig auch als NachwuchsforscherInnen
betrachtet.
Im Jahr 2007 wurden 285 Personen habilitiert, was einem Rückgang von
22 Personen gegenüber den Angaben der Wissensbilanz 2006 darstellt.
Verursacht wurde dieser Rückgang vor allem durch die Medizinische
Universität Wien und die Wirtschaftsuniversität Wien. Der
Frauenanteil bei den Habilitierten lag 2007 bei 27 %.
Zur Lage der Studierenden
Mit 42.394 in- und ausländischen StudienanfängerInnen konnte im
Studienjahr 2007/08 ein Höchststand erreicht werden. Rund die Hälfte
der MaturantInnen nimmt ein Hochschulstudium auf. 20 % der
ordentlichen und 40 % der außerordentlichen Studierenden stammen aus
dem Ausland, der AusländerInnenanteil unter den Studierenden liegt
dementsprechend bei 21,4 %. 60 % dieser Studierenden stammen aus den
EU-Mitgliedsstaaten.
Der Bericht weist darauf hin, dass die Prüfungsintensität der
Studierenden im betroffenen Zeitraum weiter gestiegen sei. Mit 22.121
Studienabschlüssen im Studienjahr 2006/07 habe man auch in diesem
Bereich ein neues Maximum erreicht. Rund ein Drittel der
AbsolventInnen von Diplom-, Bachelor- und Masterstudien schlossen
dieses innerhalb der vorgesehenen Studiendauer zuzüglich
Toleranzsemester ab. Im internationalen Vergleich positioniere sich
Österreich hinsichtlich der Hochschulzugangsquote mit einem Wert von
40 % aber im hinteren Bereich der OECD und EU (Durchschnitt: 56 -
55 %), was laut Bericht auf das breite berufsbildende Angebot im
Sekundarbereich zurückzuführen sei. Mit einer Hochschulabschlussquote
bei Doktoratsstudien von 1,9 % liege Österreich jedoch im oberen
Drittel und deutlich über dem EU- (1,6 %) und OECD-Schnitt (1,4 %).
Das Durchschnittsalter der österreichischen Studierenden liegt laut
Eurostudent Report 2008 bei 24 Jahren, nur 7,2 % haben ein Kind. Die
Unterstützung durch das Elternhaus stellt mehrheitlich einen
zentralen Bestandteil des studentischen Einkommens dar, obgleich 59 %
der Studierenden während des Semesters einer Erwerbstätigkeit
nachgehen. Im Studienjahr 2006/07 bezogen zudem 22,2 % der
inländischen ordentlichen Studierenden eine Leistung nach dem
Studienförderungsgesetz. BezieherInnen solcher Beihilfen stechen
aufgrund ihrer kürzeren Studiendauer und einer geringeren Neigung zum
Studienabbruch hervor.
Die Arbeitslosenquote bei AkademikerInnen lag im März 2008 bei 1,8 %,
was einer Senkung um einen Prozentpunkt gegenüber dem Vergleichswert
des Jahres 2005 entspricht. Das potentielle Risiko arbeitslos zu
werden, sinke mit der Höhe des erreichten Bildungsgrades, so der
Bericht.
Die Hochschulplanungsprognose 2008, die einen Prognosezeitraum bis
2030 umfasst, geht von einem allmählichen Anstieg der
MaturantInnenquote auf 48 % aus. Die Übertrittsquote an Universitäten
werde - aufgrund des Entlastungseffekts durch den Fachhochschulsektor
- laut Prognose aber auf dem Niveau von 61 % bleiben. Der
Frauenanteil erhöhe sich von 55 auf 57 %. In jüngster Zeit zeichnete
sich bereits ein Verschwinden der Geschlechterdiskrepanz hinsichtlich
der Erfolgsquoten ab, die zeitweilig mehr als zehn Prozentpunkte
zugunsten der Männer betragen hatte.
Unter Einbeziehung von Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen
könnte Mitte der 2020er Jahre die Hälfte eines Altersjahrgangs ein
Studium aufnehmen. Auch die AbsolventInnenzahlen würden
dementsprechend ansteigen: bis 2017 auf fast 20.000 Erstabschlüsse
pro Jahr.
Die verstärkte internationale Ausrichtung sei ein erklärtes Ziel der
österreichischen Universitäten, dem durch Initiativen zur Förderung
von Mobilität bei Studierenden und Forschenden sowie Maßnahmen zur
Stärkung der internationalen Dimension im Rahmen von
Forschungskooperationen Rechnung getragen werde.
(Schluss)
Eine Aussendung der Parlamentskorrespondenz
Tel. +43 1 40110/2272, Fax. +43 1 40110/2640
e-Mail: [email protected], Internet: http://www.parlament.gv.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NPA






