• 06.02.2009, 08:49:12
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: ÖIAG-Neu braucht einen starken Kapitän - von Esther Mitterstieler

Plötzlich soll die Lufthansa die AUA ins Trockene fliegen

Wien (OTS) - Angesichts der Wirtschaftskrise sind auch hierzulande
neue Zeiten angebrochen. Was sich ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis im
WirtschaftsBlatt-Interview vor zwei Jahren noch zaghaft wünschte, hat
in der Kanzlerpartei längst Gefallen gefunden: die staatliche
Beteiligungsholding ÖIAG breiter aufstellen und ÖBB und Asfinag unter
das Dach der Beteiligungsholding holen.

Infrastrukturministerin Doris Bures kann sich auch vorstellen, dass
unter diesem Dach eine Auffanggesellschaft maroder Unternehmen Platz
findet; die alte Pleitenholding sozusagen.

Ein Neustart der ÖIAG muss gut durchdacht sein, zu sehen am Beispiel
AUA, wie viele leere Kilometer hier verflogen wurden! Die
Performance des geschassten AUA-Chefs Alfred Ötsch hin oder her. Was
war eigentlich vorher? Schon vergessen? Das politisch gefärbte
Uraltduo Herbert Bammer und Mario Rehulka musste nach acht Jahren das
Cockpit räumen, dann wurde Vagn Sörsensen hoch gefeiert. Seine
Spuren verflogen nach fünf Jahren im Wind. Ötsch hatte eigentlich
schon zum Zeitpunkt seines Antritts keine Chance. Der Kern des
Problems lag nicht so sehr am unfähigen Management der Airline als
vielmehr am Zickzackkurs des Haupteigners ÖIAG. Chauvinismus in
Reinkultur wurde da betrieben: "Unsere AUA als nationale Airline
retten, wir brauchen keinen Partner."

Plötzlich war alles anders und die Lufthansa gut genug, um die ins
Trudeln geratene AUA ins Trockene zu fliegen. Verantwortung trägt
hier die Spitze der ÖIAG, die dafür geradestehen muss, dass sie sich
wie Marionetten der Politik hat behandeln lassen. 200 Millionen Euro
Notkredit plus 500 Millionen Euro staatlichen Zuschuss beim Verkauf -
und was alles noch kommen wird. Hier muss sich etwas ändern,
schließlich zahlen die Steuerzahler kräftig mit. So schließt sich der
Kreis: Zu außergewöhnlichen Zeiten können außergewöhnliche Maßnahmen
ergriffen werden. Was im Fall der ÖIAG heißt: Bedeutende
Staatsbeteiligungen wie Telekom Austria, OMV, AUA oder Post mit ÖBB
und Asfinag unter einem Dach ordnen, gut und recht. Aber bitte in
neuer Form und mit neuem Topmanagement. Kein Investmentbanker, kein
Verwalter ist in einer ÖIAG-Neu gefragt. Am besten sitzt ein Kapitän
am Ruder, der Erfahrung in der operativen Führung von Unternehmen hat
und nicht aus der zweiten Ebene kommt. Was haben Sie vor, Herr Raidl,
und Sie, Herr Ruttenstorfer?

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at

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