Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: Banker und Berater

Ausgabe vom 6. Februar 2009

Wien (OTS) - Wie dringend war es doch im Oktober: In atemlosem
Tempo wurde ein riesiges Bankenrettungspaket geschnürt. Wenn das nicht sofort umgesetzt werde, seien die wichtigsten Banken und damit ganz Österreich kaputt, wurde uns ringsum versichert. Merkwürdig:
Vier Monate später tobt die Wirtschaftskrise noch immer - doch keine einzige systemrelevante Bank hat bisher Geld bekommen (bis auf zwei kleinere nach schweren und bedenklichen Managementfehlern, die trotz ihrer geringen Größe als rettungswürdig erachtet wurden).
Da stimmt etwas nicht. War die Sache doch nicht so dringend? Oder sind die von Republik und EU den Banken gestellten Bedingungen so hart, dass man sie nur bei akuter Lebensgefahr akzeptiert? Oder wird alles durch juristische Erbsenzählerei gefährlich lange verzögert?

Fest steht vorerst nur eines: Die vielen Sonntagsredner aus diversen Organisationen, die monatelang (meist mit dem Motiv: Dann muss es auch für uns Geld geben) gegen die "Geschenke" für die Banken gewettert haben, sind falsch gelegen.

*

Die Regierung Gusenbauer war um mehr als 50 Prozent besser als das Kabinett Schüssel: Denn so viel mehr hat sie (vor allem die Minister Faymann, Bartenstein und Pröll) in einem Jahr für Berater ausgegeben. Wer jedoch bezweifelt, dass mehr Beratung auch bessere Politik bedeutet, der sollte bitte auch den Sinn der zahllosen Beratungen und "wissenschaftlichen" Studien bezweifeln. Sofern er sich nicht noch düsteren Vermutungen über den wahren Zweck jener Geldflüsse hingibt.

Um übrigens dem armen, am Boulevard gehöhnten Alfred Gusenbauer nicht Unrecht zu tun: Sein Kanzleramt war zusammen mit dem Ressort der streitbaren Ursula Plassnik vorbildlich sparsam.

*

Manchmal kann man auch bei einer jener lähmenden ORF-Debatten noch staunen, die da abends unter dem ewig gleichen Motto laufen: "Fünf Alt-68ern werden ein bis zwei Andersdenkende vorgeworfen" (die aber dann fast jedesmal als Punktesieger aus der Sendung hervorgehen). So sagte der Historiker Jagschitz allen Ernstes: "Österreich ist keine Demokratie." Gar nicht vorstellbar, was tags darauf im Lande los wäre, hätte Jagschitz nicht den Status eines unangreifbaren, weil linksgewickelten Menschen. Die dürfen nämlich alles.

www.wienerzeitung.at/tagebuch

Rückfragen & Kontakt:

Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: 01/206 99-478
redaktion@wienerzeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWR0001