ÖAAB-BMHS-Lehrer: Die Autonomie ist tot, es lebe die Zentralverwaltung!

Wien (OTS) - Zentralmatura für alle! Also auch für die BHS, so lautet nun der Kampfruf. In einer konzertierten Aktion von "Schlechtmacherei" ist es gelungen auch jenen Teil der österreichischen Schullandschaft in den Strudel eines Katastrophenszenarios hineinzureißen, der seit Jahrzehnten zum Wirtschaftsstandort Österreich positiv beiträgt. Die berufsbildenden mittleren und höheren Schulen tragen gemeinsam mit der dualen Lehrlingsausbildung zum Spitzenplatz Österreichs in Europa den Abschluss der Sekundarstufe II betreffend mit über 86 % bei.

Davon wird jedoch kaum Notiz genommen, stellt der Bundesvorsitzende der BMHS-LehrerInnen im ÖAAB, Helmut Skala fest. Genauso wird die Tatsache ignoriert, dass der überwiegende Teil der jungen Menschen in Österreich bereits in der Sekundarstufe II eine abgeschlossene Berufsbildung erreicht. Jene die eine BHS (im Jahr 2007 23.700) abschließen erwerben neben dem Berufsdiplom auch die Hochschulreife und stellen seit langer Zeit weit mehr Maturanten als die AHS (im Jahr 2007 17.914).

Dies wollen allerdings die Gleichmacher nicht zur Kenntnis nehmen, sondern sie wollen scheinbar einen schulischen Einheitsbrei bis in die Sekundarstufe II hinein, mit Einheitsmatura für alle schaffen. Berufsbildung würde damit in den postsekundären Bildungsbereich gedrängt, in jenen Bereich, in dem sich die öffentliche Hand von der Finanzierungsverantwortung weitgehend verabschiedet und Berufsbildung daher zu einem lukrativen privatwirtschaftlichen "Geschäft" gemacht wird.

Im BHS-Bereich werden schon jetzt mit einem völlig anderen System als in der AHS die Fähigkeiten und Kompetenzen der jungen Menschen erfolgreich ermittelt.
Praktische Elemente werden zum Beispiel bereits ein Jahr vor der abschließenden Diplom- und Reifeprüfung abgeprüft und für den Nachweis der beruflichen Befähigung sind die Projektarbeiten und vor allem das Abschlusszeugnis des letzten Jahrganges wesentlich.
Der erfolgreiche Berufseinstieg für die BHS-AbsolventInnen begründet sich auch in der Vielfältigkeit der beruflichen Anforderungen, die sich auch in mehr als 600 Lehrplänen niederschlagen.

Diese Vielfalt in das Zwangkorsett einer Zentralmatura zu zwingen ist daher ein falscher Ansatz. Es sei denn man strebt politisch eine Verschmelzung der Oberstufe zu einem Einheitsbrei an.

Der Unterschied von BHS und AHS zeigt sich daher vor allem darin, dass etwa 70% der BHS-MaturantInnen mit ihrer ausgezeichneten und zielorientierten Ausbildung einen erfolgreichen Berufseinstieg durchführen können, während umgekehrt 70% der AHS-MaturantInnen ein Studium beginnen und 30% einen anderen Weg der Berufsqualifizierung suchen.

Eine Kombination von Kontrollmaßnahmen, die den Bildungsweg permanent begleiten, und zwar mittels Bildungsstandards, der Qualitätsinitiative in der Berufsbildung (QIBB), den Projekt- und Schwerpunktprüfungen sowie mit den jährlichen Abschlusszeugnissen beweisen die erfolgreiche Erfüllung der Lehrpläne mehr als ausreichend. Sie ergeben in Summe ein sehr gutes Bild über die Reife und die Kompetenzen der jungen Menschen.
Wenn die Reifeprüfung leider in manchen Bereichen - nicht jedoch in der BHS - angeblich zu einem bloßen Ritual für Lehrende und Lernende geworden ist, so ist dies bedauerlich.
Dieses Ritual wird damit aber nicht verbessert, wenn ein "Zentralkommissariat" zum "Herrn" über das gleiche Ritual erhoben wird. Es wird im System Schule nur noch mehr von den ohnehin knappen Ressourcen aus dem Unterrichtsbereich in zentrale Bürokratie verschoben.

Ein zentrales Einheitsmaturazeugnis quer über alle Oberstufenformen muss nicht zuletzt im Interesse der engagierten jungen Menschen, aber auch im Interesse des Wirtschaftsstandortes Österreich entschieden abgelehnt werden.

Rückfragen & Kontakt:

Dkfm. Mag. Helmut Skala,
Bundesobmann der BMHS-LehrerInnen im ÖAAB

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