• 04.02.2009, 14:31:46
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ÖAAB-BMHS-Lehrer: Die Autonomie ist tot, es lebe die Zentralverwaltung!

Wien (OTS) - Zentralmatura für alle! Also auch für die BHS, so
lautet nun der Kampfruf. In einer konzertierten Aktion von
"Schlechtmacherei" ist es gelungen auch jenen Teil der
österreichischen Schullandschaft in den Strudel eines
Katastrophenszenarios hineinzureißen, der seit Jahrzehnten zum
Wirtschaftsstandort Österreich positiv beiträgt. Die berufsbildenden
mittleren und höheren Schulen tragen gemeinsam mit der dualen
Lehrlingsausbildung zum Spitzenplatz Österreichs in Europa den
Abschluss der Sekundarstufe II betreffend mit über 86 % bei.

Davon wird jedoch kaum Notiz genommen, stellt der
Bundesvorsitzende der BMHS-LehrerInnen im ÖAAB, Helmut Skala fest.
Genauso wird die Tatsache ignoriert, dass der überwiegende Teil der
jungen Menschen in Österreich bereits in der Sekundarstufe II eine
abgeschlossene Berufsbildung erreicht. Jene die eine BHS (im Jahr
2007 23.700) abschließen erwerben neben dem Berufsdiplom auch die
Hochschulreife und stellen seit langer Zeit weit mehr Maturanten als
die AHS (im Jahr 2007 17.914).

Dies wollen allerdings die Gleichmacher nicht zur Kenntnis nehmen,
sondern sie wollen scheinbar einen schulischen Einheitsbrei bis in
die Sekundarstufe II hinein, mit Einheitsmatura für alle schaffen.
Berufsbildung würde damit in den postsekundären Bildungsbereich
gedrängt, in jenen Bereich, in dem sich die öffentliche Hand von der
Finanzierungsverantwortung weitgehend verabschiedet und Berufsbildung
daher zu einem lukrativen privatwirtschaftlichen "Geschäft" gemacht
wird.

Im BHS-Bereich werden schon jetzt mit einem völlig anderen System
als in der AHS die Fähigkeiten und Kompetenzen der jungen Menschen
erfolgreich ermittelt.
Praktische Elemente werden zum Beispiel bereits ein Jahr vor der
abschließenden Diplom- und Reifeprüfung abgeprüft und für den
Nachweis der beruflichen Befähigung sind die Projektarbeiten und vor
allem das Abschlusszeugnis des letzten Jahrganges wesentlich.
Der erfolgreiche Berufseinstieg für die BHS-AbsolventInnen begründet
sich auch in der Vielfältigkeit der beruflichen Anforderungen, die
sich auch in mehr als 600 Lehrplänen niederschlagen.

Diese Vielfalt in das Zwangkorsett einer Zentralmatura zu zwingen
ist daher ein falscher Ansatz. Es sei denn man strebt politisch eine
Verschmelzung der Oberstufe zu einem Einheitsbrei an.

Der Unterschied von BHS und AHS zeigt sich daher vor allem darin,
dass etwa 70% der BHS-MaturantInnen mit ihrer ausgezeichneten und
zielorientierten Ausbildung einen erfolgreichen Berufseinstieg
durchführen können, während umgekehrt 70% der AHS-MaturantInnen ein
Studium beginnen und 30% einen anderen Weg der Berufsqualifizierung
suchen.

Eine Kombination von Kontrollmaßnahmen, die den Bildungsweg
permanent begleiten, und zwar mittels Bildungsstandards, der
Qualitätsinitiative in der Berufsbildung (QIBB), den Projekt- und
Schwerpunktprüfungen sowie mit den jährlichen Abschlusszeugnissen
beweisen die erfolgreiche Erfüllung der Lehrpläne mehr als
ausreichend. Sie ergeben in Summe ein sehr gutes Bild über die Reife
und die Kompetenzen der jungen Menschen.
Wenn die Reifeprüfung leider in manchen Bereichen - nicht jedoch in
der BHS - angeblich zu einem bloßen Ritual für Lehrende und Lernende
geworden ist, so ist dies bedauerlich.
Dieses Ritual wird damit aber nicht verbessert, wenn ein
"Zentralkommissariat" zum "Herrn" über das gleiche Ritual erhoben
wird. Es wird im System Schule nur noch mehr von den ohnehin knappen
Ressourcen aus dem Unterrichtsbereich in zentrale Bürokratie
verschoben.

Ein zentrales Einheitsmaturazeugnis quer über alle
Oberstufenformen muss nicht zuletzt im Interesse der engagierten
jungen Menschen, aber auch im Interesse des Wirtschaftsstandortes
Österreich entschieden abgelehnt werden.

Rückfragehinweis:
Dkfm. Mag. Helmut Skala,
Bundesobmann der BMHS-LehrerInnen im ÖAAB

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