Heuschnupfen: Gräsertablette ab sofort auch für Kinder zugelassen

Linz (OTS) - Gute Nachrichten für Kinder mit Gräserpollen-Allergie: Die Gräsertablette ist ab sofort auch für Kinder und Jugendliche erhältlich. Studienergebnisse belegen eine deutliche Reduktion der Heuschnupfen- und Asthma-Symptome sowie einen verminderten Verbrauch an symptomlindernden Medikamenten - ab dem ersten Tag und während der gesamten Pollensaison.

Eine Atemwegsallergie ist eine übersteigerte, krankmachende Reaktion des Körpers auf eigentlich harmlose Stoffe aus der Umwelt. Heuschnupfen, der durch Gräserpollen ausgelöst wird, ist das häufigste Erscheinungsbild dieser überschießenden Reaktion des Immunsystems und betrifft auch viele Kinder. Im Gegensatz zum Erkältungsschnupfen heilt der allergische Heuschnupfen nicht einfach ab. Bleiben die Beschwerden (Fließschnupfen, gerötete, juckende Augen, Nießattacken) unerkannt und somit unbehandelt, besteht die Gefahr dass sich weitere Allergien entwickeln oder chronisches Asthma entsteht. Eine Allergie ist somit eine ernst zu nehmende Erkrankung des Immunsystems, die nicht auf die leichte Schulter genommen werden darf.

Häufig bleibt die Behandlung auf Medikamente zur Symptomlinderung beschränkt (v.a. Antihistaminika, Kortison, Leukotrienantagonisten). Allergiebedingte Probleme können damit zwar vorübergehend abgeschwächt werden, die Grunderkrankung des Immunsystems selbst bleibt jedoch unbeeinflusst. Einzig die spezifische Immuntherapie (Allergie-Impfung) hat das Potenzial, Beschwerden langfristig zu bessern, denn sie bekämpft neben den allergischen Beschwerden auch gezielt die Ursache einer allergischen Erkrankung. Dabei wird drei Jahre lang in regelmäßigen Abständen der Allergieauslöser als standardisierter Allergenextrakt verabreicht, bis sich der Körper schließlich an das Allergen gewöhnt hat und bei Kontakt nicht mehr überreagiert. Diese Behandlungsoption wird seit vielen Jahren als subkutane Injektion (Spritze unter die Haut) oder in Tropfenform höchst erfolgreich bei Kindern und Erwachsenen eingesetzt.

Die Gräsertablette: Durchbruch in der Behandlung von Allergien

Das bisher größte klinische Studienprogramm zur Immuntherapie führte Ende 2006 zur erstmaligen Zulassung einer Allergie-Impfung in Tablettenform für erwachsene Gräserpollenallergiker. "Auf Basis der randomisierten, doppelblind placebokontrollierten GT-12-Studie [1] wurde mit Jänner 2009 die Zulassung erweitert und steht nun auch Kindern und Jugendlichen ab 5 Jahren zur Verfügung, die an allergischem Heuschnupfen leiden", informiert Dr. Rudolf Schmitzberger, Kinder- und Jugendfacharzt mit Spezialisierung auf pädiatrische Pulmologie und Allergologie. "Die Nachfrage von seiten der Eltern als auch von den Jugendlichen selbst ist sehr groß und wir freuen uns darüber, dass dieser innovative Therapieansatz nun den Zulassungsstatus erhalten hat."

Höchst erfreuliche Ergebnisse der Kinderstudie

Während der Gräserpollensaison 2007 wurde an 26 deutschen Zentren die Wirksamkeit und Sicherheit der Gräsertablette im Vergleich zu einer symptomlindernden Therapie bei über 250 Kindern zwischen 5 und 16 Jahren untersucht. 103 der Kinder litten auch an Asthma während der Pollensaison. Die Ergebnisse sind beeindruckend und zeigen, "dass mit der sublingualen Immuntherapie in Tablettenform die Heuschnupfen-Symptome wie rinnende Nase, Niesen, juckende Augen und Husten während der Gräserpollenhochsaison um 28% im Vergleich zur symptomatischen Therapie verringert und der Bedarf an zusätzlichen Akut-Medikamenten um bis zu zwei Drittel (65%) reduziert werden konnte", kommentiert Schmitzberger die Studienresultate. "Die Gräsertablette ist eine wirksame und gut verträgliche Therapieoption für Kinder und Jugendliche, die direkt am Immunsystem ansetzt und somit auch die Ursachen einer Allergie bekämpft."

Obwohl die Gräsertablette nur für die Behandlung von allergischem Heuschnupfen zugelassen ist, zeigt die Studie auch bei Kindern mit Asthma eine signifikante Verbesserung ihrer Beschwerden. Asthmasymptome wie Keuchen, Husten, Kurzatmigkeit etc. konnten um 64% und die Anzahl der Tage mit Asthmasymptomen um mehr als zwei Drittel (67%) reduziert werden. Die Studienergebnisse zeigten außerdem, dass bei Einnahme der Gräsertablette weniger Kinder Asthmamedikamente benötigten, als jene, die ausschließlich einer symptomatischen Therapie unterzogen wurden. "Da Rhinokonjunktivitis (Anm. Heuschnupfen mit Symptomen an Nase und Augen) ein Indikator für eine spätere Entwicklung von Asthma ist, sind diese Ergebnisse besonders spannend und relevant", so Schmitzberger. "Frühere Studien belegen, dass mit der Immuntherapie in Spritzenform die Entstehung von Asthma verhindert werden kann [2]. Die neuen Ergebnisse geben Anlass zur Hoffnung, dass sich dieser Effekt auch mit der Gräsertablette erzielen lässt."

Gut verträglich...

Aus der GT-12-Studie geht auch hervor, dass die Gräsertablette gut verträglich und vor allem sicher für die Heimanwendung zuhause ist. Die am häufigsten festgestellten Nebenwirkungen sind Juckreiz im Mund und Rachenbereich, Schwellungen der Lippen sowie Husten. Diese Reaktionen treten aber mit fortschreitender Therapiedauer immer seltener auf. Schmitzberger: "Bei kleineren Kindern kann der Juckreiz im Mund anfangs recht lästig sein. Vor Therapiebeginn ist deshalb ein eingehendes Gespräch zwischen Kinderfacharzt und Eltern notwendig und die erste Gabe sollte unter Kontrolle des Arztes in der Ordination erfolgen."

... und leicht im Handling

Die geschmacksneutrale und schnell lösliche Schmelztablette wird einmal täglich unter die Zunge gelegt, wo sie sich innerhalb von Sekunden auflöst und der Wirkstoff - ein hochkonzentrierter Gräserpollenextrakt - von der Mundschleimhaut aufgenommen wird. Die Gräsertablette erleichtert die Therapie sowohl für Kinder als auch für Eltern, da die Behandlung zu Hause durchgeführt werden kann. Ein Arztbesuch ist dann nur noch für die Kontrolle und zur Verschreibung einer neuen Therapiepackung nötig.

"Die Gräsertablette erweitert unsere Behandlungsmöglichkeiten, kann sehr gezielt zum Einsatz kommen und ist eine gute Alternative für Kinder und Jugendliche, die die herkömmliche Immuntherapie aus Angst vor der Spritze ablehnen", beschreibt Kinderfacharzt Schmitzberger die Vorteile der neuen Behandlungsoption.

Auf rechtzeitigen Therapiestart achten

"Damit die Wirksamkeit für die Kinder bereits ab dem ersten Tag der Gräserpollensaison gegeben ist, muss die Behandlung mindestens 8 Wochen vor der Gräserpollensaison im Mai gestartet werden", appelliert Schmitzberger an die Eltern. "Das bedeutet idealerweise bereits jetzt nach Abklingen der allgemeinen grippalen Infekte, spätestens aber Anfang März sollte mit der täglichen Einnahme begonnen werden. Die Therapiedauer beträgt drei Jahre."

Die Diagnose einer Allergie und die Erstverschreibung der Gräsertablette wird vom Facharzt (Kinderfacharzt bzw. Facharzt für Haut-, HNO- oder Lungenerkrankungen) durchgeführt, die Folgeverschreibung der spezifischen Immuntherapie in Tablettenform kann auch der Hausarzt übernehmen. Die Therapiekosten werden von der Krankenkasse übernommen.

Mehr Information unter www.alk-abello.at

Hinweis: O-Töne unter www.o-ton.at

Zu diesem Thema gibt es auch eine Audio-Aussendung. O-Töne von Dr. Schmitzberger sind unter www.o-ton.at abrufbar!

[1] Bufe A et al., safety and efficacy in children of an SQ-standardised grass allergen tablet for sublingual immunotherapy; JACI 2009

[2] Jacobsen L et al., Specific immunotherapy has long-term preventive effect of seasonal and perennial asthma: 10-year follow-up on the PAT-study. Allergy 2007; 62: 943-948

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