"Kleine Zeitung" Kommentar: "Grüne Selbstgeißler oder: Wie bringt man die Parteichefin um?" (von Wolfgang Simonitsch)

Ausgabe vom 3.2.2009

Graz (OTS) - Noch keine drei Wochen ist Eva Glawischnig Chefin der Grünen - und schon bricht das alte Führungschaos wieder aus. Unterm Professor Van der Bellen hätt's des net geben, maulen nicht nur beträchtliche Teile des grünen Fußvolks. Auch etliche Partei-Promis nehmen sich kein Blatt mehr vor den Mund. Sie ärgern sich grün und blau darüber, dass und wie die jetzt frauendominierte Spitze der Grünen den früher so hoch gelobten "Mister Europa" Johannes Voggenhuber aufs politische Abstellgleis bugsiert hat.

Der Riss geht quer durch die Partei. Die Grünen aus Wien, Niederösterreich, Tirol, dem Burgenland und der Steiermark plus Parteichefin Glawischnig samt Gehilfinnen waren gegen Voggenhuber. Erneut bei der EU-Wahl im Juni antreten lassen wollten ihn die Vorarlberger, Kärntner, Salzburger und Oberöstereicher plus Promis wie Peter Pilz und Christoph Chorherr, auch so ein Ex-Chef der Grünen. Die beiden Lager haben im Streit um Voggenhubers Kandidatur intern dermaßen verbissen gestritten, gekämpft und intrigiert, als gäbe es politisch kein Morgen.

Versteh', wer's kann: Warum lassen die Grünen ihren Seriensieger bei den letzten zwei EU-Wahlen, bei denen er die Partei mit zuletzt knapp 13 Prozent der Stimmen in bei nationalen Urnengängen nie erreichte Höhen geführt hat, jetzt nicht mehr antreten? Weil sie Angst vor seinem Wahlerfolg haben?

Diese Strategie müssen Flaggellanten, Selbstgeißler, erfunden haben. Die daraus resultierende Selbstbeschädigung ist freilich das gute Recht einer Parteiführung. Ob sie wirklich geplant war, ist aber zweifelhaft. Das nährt den finsteren Verdacht, die neue Funktionärs-Clique der Grünen habe ihre Anti-Voggenhuberei gar nicht zu Ende gedacht. Oder sie hat sich nur noch von persönlichen Animositäten gegen den Querkopf Voggenhuber leiten lassen, der stets eitel genug war, um keiner öffentlichen Verbal-Keilerei mit Parteifreunden aus dem Weg zu gehen.

Wie auch immer: Aktuell ohnehin schwer mit Selbstfindung beschäftigt - wohin tendiert, was will die Partei überhaupt? -, werfen sich die Grünen im heurigen Superwahljahr selbst Prügel vor die Füße.

Bei den Landtagswahlen am 1. März in Kärnten und Salzburg schaut es für sie eh nicht gut aus. Auch später bei den in Oberösterreich nicht. Und bei den Europawahlen im Juni, bei dieser Persönlichkeitswahl, kann es ohne Voggenhuber passieren, dass sie unter elf Prozent rutschen. Dann ist ihr zweites Mandat weg und die bereits angeschlagene Parteichefin Glawischnig schwerst beschädigt.****

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