"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die dunkle Seite des Lächelns: Der Postenschacher ist zurück"(Von Eva Weissenberger)

Ausgabe vom 30.01.2009

Graz (OTS) - Diese Bundesregierung lächelt wie keine zuvor. Kanzler, Vize und Minister sind freundlich, nett, verbindlich. Zu den Bürgern, aber auch zueinander. Sie streiten nicht, sie arbeiten zusammen. Plötzlich kann man ein Konjunkturpaket nach dem anderen schnüren. Plötzlich halten sich bei den Budgetverhandlungen alle an die gebotene Vertraulichkeit. Plötzlich wagen sich eine Rote und ein Schwarzer Hand in Hand auf das ideologische Minenfeld der Bildungspolitik.

Herrlich. Jetzt muss nur noch die Wirtschaftskrise vorbeigehen. Falls doch nicht, dann wird sie die Regierung schon meistern. Mit vereinten Kräften. Und der nächste Frühling kommt bestimmt.

Doch Vorsicht! Das Lächeln ist gleichzeitig ein Kampflächeln. Und überstrahlt, was sich hinter den Kulissen anbahnt. Die neue Bundesregierung versteht sich so gut, dass sie auch ihrem alten Lieblingshobby wieder nachgeht, so wie früher, als man sich noch ungestraft großkoalitionär nennen durfte: dem Postenschacher.

Auch in den vergangenen zweieinhalb Jahren, in der rot-schwarzen Aufwärmrunde, verjubelte man viel Geld, um unliebsam gewordene Managern staatsnaher Betriebe, etwa bei der Asfinag, loszuwerden. Aber damals misstrauten und kontrollierten SPÖ und ÖVP einander noch. Nun deckt der eine wieder den anderen. Es ist es ja immer ein Geschäft auf Gegenseitigkeit. Ob ORF, ÖIAG oder EU-Jobs - bekommt Rot einen Posten, stehen Schwarz entweder die zwei Stellvertreter zu oder ein anderer, gleichwertiger Chefsessel.

Man kann einwenden, dass auch Barack Obama Superstar derzeit Tausende Beamte in Washington austauscht, woran sich keiner stößt. Bloß ist das politische System in den USA ein anderes. Dort hat das Tradition, die Mitarbeiter wissen, worauf sie sich einlassen, wenn sie einen Job antreten. Und niemand leugnet, dass das Spiel so läuft.

In Österreich hingegen wird der Postenschacher ebenso kaltschnäuzig durchgezogen, wie er stets geleugnet wird. Will man einen Manager abservieren, beschädigen Politiker dessen Ruf und reden leichtfertig das dazugehörende Unternehmen schlecht. Ohne Rücksicht auf Verluste.

Kein Wunder, wenn sich manch fähiger Wirtschaftskapitän, manch geniale Managerin das einfach nicht mehr antut. Dann kommen Kandidaten zum Zug, die man nach ein, zwei Jahren wirklich aus fachlichen Gründen rauswerfen müsste. Was nicht passiert, denn einmal mehr zählt die Farbe mehr als die Fähigkeiten.****

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