Rabbiner Rosen: "Papst in Israel weiter willkommen"

Keine "neue Eiszeit" im Verhältnis zwischen Judentum und katholischer Kirche

Jerusalem, 29.1.09 (KAP) Trotz der jüngsten Krise in den jüdisch-katholischen Beziehungen sieht Rabbiner David Rosen den Papst weiter in Israel willkommen. Die jüngste Solidaritätserklärung von Benedikt XVI. gegenüber den Juden vom Mittwoch sei "sehr wichtig und hilfreich" und ein "guter erster Schritt", sagte der Vorsitzende des Internationalen Jüdischen Komitees für Interreligiöse Beziehungen (IJCIC) in Jerusalem in einem Interview mit der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA. Er äußerte aber auch die Erwartung, dass den Worten nun "konkrete Schritte" folgen. Benedikt XVI. hatte am Mittwoch den Juden seine "volle und unerschütterliche Solidarität" bekundet.

Das israelische Oberrabbinat habe klar die Erwartung ausgedrückt, dass entweder "klare Sanktionen" gegen den lefebvrianischen Bischof und Holocaust-Leugner Richard Williamson erfolgen oder "dieser seine Behauptungen öffentlich zurücknimmt", so Rosen.

Rosen sagte, er sehe aber nach dem Eklat um die Aufhebung der Exkommunikation von Williamson keine "neue Eiszeit" im jüdisch-katholischen Verhältnis. Gleichwohl sprach er von einer Krise. Das Interesse beider Seiten, "die bisherigen Errungenschaften im Dialog zu bewahren", sei aber groß genug, um diese Krise zu überwinden.

Rosen betonte, wer die Schriften und bisherigen Aussagen des Papstes kenne, könne "nicht ernsthaft annehmen", dass ihm der Dialog mit dem Judentum kein wichtiges Anliegen sei. Seine Sorge sei nur gewesen, dass für Benedikt XVI. die Einheit der Kirche "ein noch wichtigeres Anliegen" sein könnte, sagte der Rabbiner.

Ausdrücklich dankte Rosen für die Solidaritätsbekundungen verschiedener Bischofskonferenzen mit dem jüdischen Volk. Dies seien "schöne, beruhigende Erklärungen" gewesen.

Zufrieden zeigte sich Rosen auch über die Beilegung der jüdisch-katholischen Verstimmung um die Karfreitagsfürbitte bei Gottesdiensten nach dem "alten Usus" von 1962. Ihn persönlich habe die Erläuterung des Vatikans zu dieser Frage voll befriedigt. Mit dem Gebet werde die Frage einer Bekehrung von Juden ganz in die Hand Gottes gelegt; es gebe also keineswegs grünes Licht für aktive Bekehrungsversuche von Katholiken gegenüber Juden.

Zu den Plänen für eine mögliche Papstreise ins Heilige Land im Mai, die der Vatikan bislang nicht offiziell bestätigt hat, sagte Rosen, es sei wichtig, dass Benedikt XVI. "in einer Atmosphäre des Willkommens" empfangen würde, nicht "mit Kälte und Misstrauen". Gerade angesichts der sehr unterschiedlichen Erwartungen von Israelis und Palästinensern an einen solchen Besuch wäre es wichtig, so der Rabbiner, dass sich der Papst "frei fühlt, seine tiefsten Überzeugungen auch zu äußern". (Forts.mögl.)
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